17. März 2014

Die geilste Sau der Welt

Es war einmal ein warmer Sommerabend in Hoffenheim. Nach dem Auswärtssieg der Kickers im Kraichgau wird Trainer Rico Schmitt vom OFC-Anhang gefeiert. Er ist ab sofort "die geilste Sau der Welt". Euphorie wohin man blickt, beim Trainer, der Mannschaft und den Fans.

Sieben Monate später erscheinen die Jubelszenen aus dem August 2013 wie ein Märchen aus längst vergangenen Zeiten. Nichts ist von der Anfangseuphorie geblieben. Als wäre der finanzielle Überlebenskampf der Offenbacher Kickers nicht schon Bürde genug, kämpft der Verein spätestens seit dem enttäuschenden 0:1 beim Abstiegskandidaten SSV Ulm am vergangenen Freitag endgültig auch ums sportliche Überleben in der Regionalliga. Und natürlich ist die Trainerdiskussion in vollem Gange.

Tatsache ist, dass es der Kickers-Elf in der laufenden Spielzeit nicht gelingt, konstante Leistungen abzurufen. Nach der kurzen Vorbereitungszeit war von der bunt zusammengewürfelten Truppe zu Saisonbeginn eigentlich nicht viel zu erwarten. Trotzdem stand der OFC nach acht Spieltagen mit einem Mal auf dem dritten Tabellenplatz, und hatte dabei teilweise so begeisternden Fußball gezeigt, dass ich mir des öfteren verwundert die Augen rieb. Schwache Auftritte wie zuhause gegen Baunatal waren leicht zu erklären. Viele Spieler waren zuvor noch nie vor einer Kulisse wie dem Bieberer Berg aufgetreten. Dazu musste sich die Mannschaft erst einspielen und eine interne Hierarchie bilden.

Zu einem wirklichen Bruch kam es erst am neunten Spieltag ausgerechnet mit der Niederlage gegen die Unaussprechlichen am Bornheimer Hang. In den folgenden acht Spielen reichte es für den OFC gerade einmal zu zwei Unentschieden. Ansonsten setzte es sechs Niederlagen, darunter zuhause gegen Zweibrücken und Homburg. Immer offenkundiger wurde in dieser Zeit das Sturmproblem der Kickers, die in den ersten 16 Ligabegegnungen gerade einmal 14 Treffer erzielten.

Mit dem Heimspiel gegen Pfullendorf kam dann aber endlich die Wende zum Besseren, so dachte ich jedenfalls. In vier Spielen, drei davon auf dem Bieberer Berg, brachte es der OFC auf ein Torverhältnis von 10:0 und holte dabei satte zehn Punkte. Es gab berechtigte Hoffnungen auf einen Platz im gesicherten Mittelfeld der Liga, bis sich das Blatt mit dem Spiel in Baunatal erneut drehte. In den seitherigen drei Begegnungen reichte es gerade noch zu einem Elfmetertor und einem Punkt. Gerade der schwache Auftritt in Ulm weckt natürlich die schlimmsten Befürchtungen, dass sich die Mannschaft wieder mitten in einer Abwärtsspirale befindet, deren Ursachen zunehmend bei Trainer Rico Schmitt gesucht werden.

Hauptkritikpunkt ist dabei, das keine Entwicklung der Mannschaft erkennbar ist. Die jungen Spieler zeigen nicht nur spielerische sondern auch taktische Mängel. Zudem besteht immer häufiger der Eindruck, das sich nicht jeder im Trikot der Kickers zu jeder Zeit "zerreißt", um diese Mängel zu kompensieren. Bei Standardsituationen, die eigentlich im Training einstudiert werden sollten, macht sich kein Kickers-Fan mehr wirklich Hoffnungen auf einen möglichen Torerfolg. In der Presse wurde jüngst berichtet, in der Mannschaft gäbe es zunehmend Kritik an den Übungsinhalten. Dazu wird Schmitt vorgeworfen, stur an vermeintlichen Stammspielern festzuhalten, anstatt auch Akteuren aus der zweiten Reihe eine Chance zu geben. Das der Trainer nach dem Spiel in Ulm einigen Spielern öffentlich attestiert hat, nicht für die Regionalliga tauglich zu sein, war zudem sicher kein geschickter psychologischer Schachzug.

Das sich Schmitt, den ich aus der Distanz als besonnenen und intelligenten Trainer einschätze, zu solch einer unglücklichen Äußerungen hinreißen lässt, könnte auch zunehmendem Frust über das mangelnde Vertrauen innerhalb des Vereins geschuldet sein. Aktionen wie die Verpflichtung von Alfred Kaminski als Technischen Direktor Sport ohne vorherige Absprache mit dem Trainer sind sicher kein Motivationsschub für einen Mann, der sich bereit erklärt hat die schwierige Aufgabe in der Regionalliga zu übernehmen.

Um eines klar zu stellen: Ich bin weder für noch gegen Rico Schmitt. Ich bin Fan der Offenbacher Kickers. Und als solcher frage ich mich, wer ihn denn bitte ablösen soll, und woher das Geld für einen neuen Trainer kommt. Der Name Mario Basler, der am Wochenende durch die Presse geisterte, kann ja wohl nur ein schlechter Witz sein. Ich wünsche mir, das von Vereinsseite wirklich alles unternommen wird, um weiter mit Rico Schmitt zu arbeiten. Sollte er wirklich so beratungsresistent sein, das er auf keine positive Kritik eingeht? Ich kann es mir bislang beim besten Willen nicht vorstellen.

1 Kommentar:

  1. Schwierige Phase. Leider nicht das erste Mal und damit kommt auch Rico ins Gespräch. Ich hoffe er schafft die Wende und fängt an mit allen im Verein an einem Strang zuziehen, auch wenn dieser erst den Eindruck gemacht hat, wieder im Alleingang zu entscheiden. Es ist aber ein Teamsport und nur als solches kann man auch Erfolge feiern!

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