12. März 2014

Der Berg bebt noch immer

Als Fan der Offenbacher Kickers bin ich an schlechte Nachrichten gewöhnt. Dennoch hat mir heute ein Bericht der Frankfurter Rundschau (FR) zur aktuellen Lage auf dem Bieberer Berg gründlich den Morgenkaffee verdorben. Selbst wenn nicht alle im Artikel genannten Punkte den Tatsachen entsprechen sollten, macht die Zusammenfassung der wirtschaftlichen Probleme beim OFC deutlich, auf welch tönernen Füßen die Zukunft von Kickers Offenbach nach wie vor steht. Basierend auf dem Bericht der FR will ich versuchen, die Situation einmal aus meiner Sicht als Anhänger zusammenzufassen.

Noch immer wird am Insolvenzplan der GmbH gearbeitet. Mittlerweile ist zu lesen, das die Planerstellung noch vier Monate in Anspruch nehmen wird. Das jetzt nach Angaben der FR wahrscheinlich Geschäftsführer David Fischer sowie dessen Vorgänger Thomas Kalt und Jörg Hambückers in Regress genommen werden sollen, kann ein Indiz dafür sein wie schwierig die wirtschaftlichen Bedingungen bei der Planerstellung offenbar sind. Für den sehr wahrscheinlichen Fall, das es zu keiner gütlichen Einigung mit den drei Betroffenen kommt, kündigte Dr. Kleinschmidt in der FR bereits einen Gang vors Gericht an. Ganz nebenbei bräuchte die GmbH dann wohl auch einen neuen Geschäftsführer.

Nach Abschluß des Insolvenzverfahrens droht Kickers Offenbach weiteres Ungemach. Sollte es stimmen, das nach der Ausgliederung der Profi-GmbH aus dem Gesamtverein einige bereits bestehende Kreditverträge nicht geändert wurden, könnten die entsprechenden Forderungen auf den Verein zukommen, der laut Vertrag dann ja noch immer der Kreditnehmer wäre. Mit welchem Geld diese Forderungen bedient werden könnten, entzieht sich meiner Kenntnis. Sicher ist aber, was eine mögliche Zahlungsunfähigkeit des Vereins für uns als Fans bedeuten würde. Es ist ein Szenarium, das ich hier lieber gar nicht weiter ausmalen will.

Vor dieser Drohkulisse sollte man eigentlich erwarten, das alle Verantwortlichen auf dem Bieberer Berg an einem Strang ziehen. Doch leider scheint das nicht immer der Fall zu sein. Der Verein, der nach einer erfolgreichen Insolvenz wieder das Sagen bei der GmbH hätte, verpflichtete mit Alfred Kaminski bereits im Januar einen "Technischer Direktor Sport" mit Sitz und Stimme im Präsidium, der sich seither lediglich um die Nachwuchsarbeit im eingetragenen Verein kümmert. Wie man seinerzeit den Medien entnehmen konnte, waren die Verantwortlichen der GmbH nicht gerade begeistert über die Entscheidung des Vereinspräsidiums um Claus-Arwed Lauprecht, so dass Kaminski in der GmbH vorerst keine Entscheidungsbefugnisse hat. Dies würde sich nach Abschluß des Insolvenzverfahrens ändern. Ungeklärt bleibt aber die Frage, wie Kaminski dann mit Trainer Schmitt und Geschäftsführer Fischer zum Wohle von Kickers Offenbach zusammen arbeiten könnte.

Zu diesem Bild würde passen, dass es laut FR innerhalb des Vereins Strömungen geben soll, die Trainer Rico Schmitt nach dem Saisonende ablösen wollen. Nun hat Schmitt noch einen gültigen Vertrag für die Spielzeit 2014/15. Bei den gegenwärtigen finanziellen Rahmenbedingungen auch nur über einen Trainerwechsel nachzudenken wäre für mich nicht mehr nachzuvollziehen, deshalb will ich entsprechende Gerüchte einfach nicht glauben. Vielmehr sollten wir froh sein, überhaupt einen renommierten Trainer zu haben, der unter den derzeitigen Bedingungen auf dem Bieberer Berg arbeiten möchte. Es geht in den nächsten Wochen und Monaten nach wie vor ums nackte wirtschaftliche Überleben von Kickers Offenbach, Gedanken an einen Trainerwechsel verbieten sich da für mich von selbst.

Ebenso von selbst verbieten sich in meinen Augen irgendwelche Aufstiegsträume für die kommende Spielzeit. Es ist kaum wahrscheinlich, das die Stadt Offenbach weitere nennenswerte Zugeständnisse bei der Stadionmiete machen kann. Auch sehe ich nicht, das plötzlich üppige Sponsorengelder aus bislang unbekannten Quellen sprudeln werden, so dass der Budgetrahmen für die Profimannschaft bestenfalls unverändert bleiben wird. Im Augenblick müssen alle, die es gut mit den Kickers meinen darauf hoffen, dass das Insolvenzverfahren ein gutes Ende nimmt und der Verein danach von weiteren Forderungen verschont bleibt. Fast genau so wichtig wäre es, das in naher Zukunft alle Verantwortlichen im Verein endlich an einem Strang ziehen und die wirtschaftliche Vernunft beibehalten, die unter Insolvenzverwalter Dr. Kleinschmidt beim OFC Einzug gehalten hat. Nur dann werden wir auch in der kommenden Saison und darüber hinaus Spiele der Regionalliga auf unserem Bieberer Berg sehen.

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