12. Januar 2014

Lust & Frust

Kaum hat das Jahr begonnen, geschieht völlig Unerwartetes. Benfica schlägt den FC Porto 2:0 und ist zum Abschluss der Hinrunde in der portugiesischen Liga ZON Sagres alleiniger Tabellenführer. Mein Glück ist kaum in Worte zu fassen: Seit dem 20. Dezember 2009, und das ist eine verdammt lange Zeit, haben wir auf einen Sieg gegen den Erzrivalen aus Nordportugal gewartet.

In einem nach dem Tod von Eusébio vor einer Woche emotional hoch aufgeladenem Spiel war Benfica offensichtlich derart überlegen, dass Porto sogar auf die sonst üblichen Anschuldigungen gegenüber dem Schiedsrichter verzichtete. Trotz aller Trauer um Eusébio war der heutige Nachmittag ein rauschendes Fußballfest für alle Benfiquistas, das ich leider nur im Radiostream von Antena 1 verfolgen konnte, obwohl mir der Verein meines Herzens ganz anderes in Aussicht gestellt hatte.

Benfica betreibt seit dieser Saison einen eigenen Pay-TV-Sender, der in der laufenden Spielzeit alle Heimspiele der Adler exklusiv überträgt. Das ist aus ökonomischer Sicht vielleicht sinnvoll, denn bislang konnte Benfica nach eigenen Angaben über 200.000 Abonnenten gewinnen, die monatlich 9,90 Euro zahlen, um neben den Begegnungen im Estádio da Luz auch exklusiv für Portugal die Spitzenspiele der englischen Premier League und der brasilianischen Meisterschaft zu sehen. Nach Angaben von Vereinspräsident Luís Filipe Vieira ein lohnenderes Geschäft als die 111 Millionen Euro, die der Bezahlsender SportTV dem Verein für die kommenden fünf Spielzeiten überweisen wollte.

Zwar kann ich diese Rechnung nicht ganz nachvollziehen, selbst wenn man unerwartet üppige Werbeeinnahmen im krisengeschüttelten Portugal mit einkalkulieren würde. Denn die Übertragungsrechte für die Spiele aus England und Brasilien kosten Geld, dazu kommen die Produktionskosten für den Kanal, der täglich 24 Stunden sendet. Ich hatte bereits die Ehre, die Fernsehstudios von BenficaTV im Estádio da Luz zu sehen und kann nur bestätigen, das hier ordentlich investiert wurde. Aber das alles sind Geschäftsmodelle, die die Verantwortlichen des Vereins entwerfen, und die ich letzten Endes nicht beurteilen kann. Betrachten wir das einstweilen unter dem Motto "Wer nicht wagt, der nicht gewinnt".

Dumm für alle Benfiquistas außerhalb Portugals ist dabei, dass es nun keine Übertragungen mehr von Benficas Heimspielen auf den Sendern gibt, die Spiele der portugiesischen Meisterschaft im Ausland übertragen und nur einen Vertrag mit SportTV haben, in Deutschland zum Beispiel der Sender sportdigital. Dem wollte Benfica sehr geschäftstüchtig Abhilfe schaffen, in dem die Heimspiele gegen Bezahlung online im Livestream zu sehen sein sollen. Der Anfang wurde ausgerechnet heute mit dem "Clássico" gegen Porto gemacht. Vereinsmitglieder zahlten 4,90 Euro um das Spiel zu sehen, alle übrigen Zuschauer 7,90 Euro. Viel Geld für nichts, denn der Stream funktionierte auf meinem PC schlichtweg nicht, wie der Screenshot über dem Beitrag zeigt.

Ich habe Benfica darauf eine Mail geschickt und freundlich darum gebeten, mir wenigstens meine 4,90 Euro zurückzuzahlen. Als Antwort erhielt ich die Mitteilung, dass die Mailbox zu voll sei, um Nachrichten zu empfangen. Man muss seinen Verein schon sehr lieben, um bei dieser unprofessionellen Geschäftemacherei die Contenance zu bewahren. Auch nicht besser wird das Ganze durch den Umgang des Vereins mit den sozialen Medien. Allein auf Twitter wurde innerhalb eines Tages 26 Mal Werbung für die Onlineübertragung des Spiels gepostet. Meine zwei Anfragen, warum der Stream nicht funktioniert, wurden hingegen schlichtweg ignoriert. Wahrscheinlich waren die Verantwortlichen einfach zu sehr damit beschäftigt, ihre diversen Zielgruppen mit Werbebotschaften zu beglücken.

So, jetzt habe ich genug genörgelt. Benfica ist Tabellenfürer, das Leben ist gut.

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