2. November 2013

Kickers Offenbach - Eintracht Trier 1:1

Die Erfahrung, dass das Leben auch für ältere Semester wie mich noch immer Überraschungen bereit hält, hat etwas ungemein tröstliches. So durfte ich das Sparda-Bank-Hessen-Stadion gestern wieder einmal heiteren Gemüts verlassen, denn auch nach 40 Jahren Bieberer Berg gibt es dort noch immer Spiele zu bestaunen, die jenseits meiner Vorstellungskraft liegen.

Der Tabellenführer aus Trier war mit dem festen Vorsatz angereist, der Offenbacher Negativserie mit nur einem Punkt aus den letzten sechs Spielen ein Ende zu bereiten. Bereits nach 24 Minuten wurde Mohammed Tahiri direkt vor der Waldemar-Klein-Tribüne derart rüde gefoult, dass dem Schiedsrichter gar keine andere Wahl blieb, als zum ersten Mal an diesem Abend die rote Karte zu zücken. Die Kickers konnten somit mehr als eine Stunde lang in Überzahl spielen, genierten sich aber bis zum Pausenpfiff ganz offensichtlich, das Gastgeschenk auch anzunehmen.

Als den Hausherren nach einer Stunde Spielzeit noch immer kein Treffer gelingen wollte, empfanden selbst die Unparteiischen zunehmend Mitleid mit den wacker kämpfenden Jungs in den roten Trikots. Nach einer unübersichtlichen Situation im Strafraum der Moselaner ließ der Schiedsrichter zwar zunächst weiterspielen, entschied dann aber nach Rücksprache mit seinem Assistenten auf Handelfmeter und stellte einen weiteren Spieler der Eintracht vom Platz. Doch Benjamin Pintol hatte wohl ebenso wie die energisch protestierenden Gäste seine Zweifel an der Berechtigung des Elfmeters und schoss den Ball sportlich fair in die Arme des Trierer Schlussmanns.

Es sollte noch bis zur 66. Minute dauern, bis Marcel Mosch endlich der erlösende Führungstreffer gelang. Damit war die Begegnung natürlich entschieden, denn selbst die zuletzt häufig planlos agierenden Kickers würden sich im eigenen Stadion gegen einen auf neun Mann dezimierten Gegner nicht mehr die Butter vom Brot nehmen lassen. So dachte ich mir das, und zwar genau sechs Minuten lang. Doch im Gefühl des sicheren Sieges stellte der OFC seine Defensivbemühungen umgehend ein und kassierte nach einem Freistoß fast postwendend den Ausgleichstreffer.

Die Schlussphase der Partie erinnerte dann sehr an Eishockey. Zwar belagerten die Kickers pausenlos den Trierer Strafraum, vermochten dabei aber nur selten die eigene Überzahl zu nutzen, um einen Mitspieler wirklich erfolgversprechend freizuspielen. Trotzdem kamen die Kickers noch zu vier Torchancen, die aber selbstredend allesamt vergeben wurden. Am Ende feierten Spieler und Fans von Eintracht Trier beinahe ungläubig den Punktgewinn, während auf Offenbacher Seite gespenstische Stille herrschte. 

Das Trainer Rico Schmitt seiner Truppe nach dem Spiel auch noch eine starke Leistung bescheinigte, kann nur als klares Indiz gewertet werden, wie er selbst inzwischen das Potential der Spieler einschätzt. Mehr kann die Mannschaft eben nicht, sie steht spätesten seit gestern mitten im Abstiegskampf.

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Kickers Offenbach - Eintracht Trier 1:1
Freitag, 1. November 2013, 19 Uhr
Sparda-Bank-Hessen-Stadion, 6.276 Zuschauer

Mannschaftsaufsstellung: Daniel Endres - Stefano Maier, Marcel Wilke, Dennis Schulte, Giuliano Modica - Kevin Wittke (85. Sascha Korb), Jan Biggel, Benjamin Pintol (77. Steven von der Burg), Denis Mangafic - Fabian Bäcker, Mohammed Tahiri (54. Marcel Mosch)

Torschützen: 1:0 Mosch (66.), 1:1 Hollmann (72.)

Rote Karten: Quotschalla (25.), Cuntz (61.)

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