27. Oktober 2013

SpVgg Neckarelz - Kickers Offenbach 3:1

Hatte ich mich am Donnerstag hier im Blog noch auf die Begegnung in Neckarelz gefreut, machten mir die lokalen Behörden nur wenige Stunden später einen Strich durch die Rechnung. Nach einer Ortsbegehung wurde die Zustimmung zur Austragung des "Risikospiels" im Elzstadion verweigert. Das eine solche Entscheidung erst zwei Tage vor der Partie getroffen wird, gehört wohl auch zum Charme der Regionalliga. Bedauerlich, denn so konnte ich dem Elzstadion nun doch keinen Besuch abstatten.

Statt dessen führte der Weg zum zweiten Mal innerhalb von nur acht Wochen zur comtech Arena in Aspach. Noch bedauerlicher war diese Entscheidung für die SpVgg Neckarelz, die durch die kurzfristige Spielverlegung vor einige logistische Probleme gestellt wurde. Zudem büßte der Aufsteiger seinen Heimvorteil ein, der die Neckarelzer in bislang fünf Begegnungen zu vier Siegen und einem Unentschieden getragen hatte.

An einem wunderschönen Herbsttag ging es also wieder auf die A6 in Richtung Süden. Unterwegs überholte ich erst den Mannschaftsbus des HSV auf seiner Fahrt zum Sonntagsspiel in Freiburg, wenig später dann auch das bescheidener anmutende Reisegefährt der Kickers.

Die Württembergischen Weinstraße empfing die Fans aus Offenbach in gewohnter Idylle, herbstfarbene Rebstöcke im warmen Sonnenlicht rundeten die romantische Szenerie perfekt ab. Das Loblied auf die lokale Rote Wurst habe ich ja bereits anlässlich des Spiels gegen Großaspach gesungen. Leider sollte an diesem Samstag die Stadionwurst der einzige Höhepunkt des Nachmittags bleiben.

In der comtech Arena, die etwa zu 90 Prozent aus Sitzplätzen besteht, bot die gastgebende SpVgg Neckarelz den mitgereisten Anhängern des OFC keine Sitzplatzkarten an. So konzentrierten sich schätzungsweise 500 der insgesamt nur 700 Zuschauer im kleinen Stehbereich am Rand der Hintertortribüne. Der Rest war gähnende Leere und bildete eine bizarre Kulisse für den enttäuschenden Auftritt der Kickers.

Vor der Begegnung hatte Kickers-Trainer Rico Schmitt zwar getönt, die Elf sei nun wieder "erfolgsgeil", sich aber darüber ausgeschwiegen, warum seinen Jungs im besten Mannesalter die Wollust überhaupt abhanden gekommen war. Allen markigen Sprüche zum Trotz, gelang es den Spielern im grünen Auswärtstrikot des OFC in bemerkenswerter Manier, ihre wiedergefundene Geilheit vor den Augen des zahlenden Publikums in Aspach zu verbergen.

In einer ereignisarmen ersten Hälfte setzte zunächst Neckarelz zwei kleine Ausrufezeichen vor dem Offenbacher Tor. Die größtenteils planlos vorgetragenen Angriffe der Kickers endeten spätestens am Strafraum der Spielvereinigung. Eine Minute vor der Pause dann der Führungstreffer für die Gastgeber durch einen direkten Freistoß, der zumindest aus der großen Entfernung der Gästetribüne beobachtet sehr an den Gegentreffer in Mannheim erinnerte.

Nachdem Christian Cappek die erste Chance der Kickers in der zweiten Halbzeit überraschend vergeben hatte, drosch ein Neckarelzer Stürmer den Ball elf Minuten nach dem Wiederanpfiff aus kurzer Entfernung in die Maschen des Offenbacher Gehäuses. Mit dem 2:0 war die Partie entschieden, selbst nach dem Anschlusstreffer durch Fabian Bäcker keimte im Kickers-Block nur noch wenig Hoffnung auf, dass die eigene Mannschaft das Spiel noch drehen könnte. Zu begrenzt waren die Mittel, mit denen der OFC zu Werke ging. Vier Minuten vor Schluss besiegelte die Spielvereinigung dann mit ihrem dritten Treffer die verdiente Niederlage der Kickers.

Somit hat der OFC bereits gegen alle drei Aufsteiger in der Regionalliga verloren. Positiv betrachtet haben die Kickers-Spieler ihre geballte "Erfolgsgeilheit" für das nächste Heimspiel am kommenden Freitag gegen Eintracht Trier aufgespart, um ihre Fans auf dem Bieberer Berg mit einer überzeugenden Leistung zu begeistern. Dies dürfte auch im Sinne des neuen Vereinspräsidenten Claus-Arwed Lauprecht sein, der sich vor wenigen Tagen in einem Interview mehr "Show beim Fußball" gewünscht hat. Derzeit werde geprüft, ob sich der OFC künftig am Marketing von IKEA orientieren kann, um die Zuschauer länger im Stadion zu halten und neue Zielgruppen zu erschließen. Angesichts solcher Visionen kann man sich nur noch ungläubig die Augen reiben.

Nach nur einem Punkt aus den letzten sechs Spielen könnte eine ansprechende Vorstellung der Spieler viel dazu beitragen, kurzfristig zumindest die alten Zielgruppen weiter ins Stadion zu locken. Von einem Heimsieg gegen den Tabellenführer aus Trier wagt beim derzeitigen Zustand der Mannschaft wohl kaum noch jemand zu träumen. Aber vielleicht wird dafür ja künftig die Show rund ums Spiel geiler.

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SpVgg Neckarelz - Kickers Offenbach 3:1
Samstag, 26. Oktober 2013, 15 Uhr
comtech Arena in Aspach, 700 Zuschauer

Mannschaftsaufsstellung: Daniel Endres - Alexandros Theodosiadis (77. Baris Yakut), Stefano Maier, Sascha Korb, Dennis Schulte - Giuliano Modica, Jan Biggel (63. Denis Mangafic), Kevin Wittke, Fabian Bäcker - Mohammed Tahiri (63. Steven von der Burg), Christian Cappek

Torschützen: 1:0 Schwind (44.), 2:0 Beyazal (56.), 2:1 Bäcker (63.), 3:1 Müller (84.)





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