7. Oktober 2013

Bestandsaufnahme

"After the rain comes sun.
After the sun comes rain again."

Als ich mich Mitte September für drei Wochen nach Portugal verabschiedete, waren die Kickers mit 16 Punkten aus acht Spielen stolzer Tabellendritter. In den beiden letzten Begegnungen vor meiner Abreise wurden die Spitzenreiter aus Großaspach und Mainz in teilweise eindrucksvoller Manier geschlagen, der Abstand zur Tabellenspitze betrug nur noch zwei Punkte. Vier Spieltage später bin ich zwar sichtbar gebräunter, allein der OFC hat noch immer 16 Punkte auf dem Konto und ist auf den zehnten Platz zurück gefallen, der Vorsprung auf die Abstiegsränge beträgt gerade noch vier magere Pünktchen.

Was ist also in der Zwischenzeit passiert? Kann ich nicht mal mehr ein paar Tage am Strand liegen, ohne das daheim gleich alles drunter und drüber geht?

Soweit ich es der Presse entnehmen konnte und von Freunden erzählt bekam, waren die bei den vier letzten Partien gezeigten Leistungen bis auf das das Heimspiel gegen Homburg sehr übersichtlich. Das Mysterium dabei ist, dass die Mannschaft der Kickers in den letzten Spielen offensichtlich so aufgetreten ist, wie ich es eigentlich für den Saisonauftakt befürchtet hatte, als ein völlig neu zusammengestelltes Team nach sehr kurzer Vorbereitungszeit in den rauen Alltag der Regionalliga geworfen wurde.

Nun haben die Spieler in der Startphase der Liga mehrfach gezeigt, dass sie Fußball spielen können. Trotz der hinlänglich bekannten Probleme im Sturm konnte die junge Mannschaft der Kickers in Koblenz, gegen Worms, in Hoffenheim, zum Teil auch in Mannheim, gegen Ulm und zuletzt natürlich in Großaspach sowie gegen Mainz überzeugen. Zwar fehlte es noch an Konstanz, wie das Heimspiel gegen Baunatal deutlich machte, alles in allem aber gaben die gezeigten Leistungen Anlass zu vorsichtigem Optimismus.

Über die Gründe für den aktuellen Einbruch mit vier Niederlagen in Folge kann ich nur spekulieren. Haben die guten Leistungen und die Euphorie im Umfeld zu Beginn der Spielzeit bei den teilweise sehr jungen Spielern zu einer Selbstüberschätzung geführt, gegen die der Trainer nicht mehr ankommt? Waren einige der ersten Gegner noch nicht eingespielt und unterschätzten zudem das neue Offenbacher Team der Namenlosen? Sind Verletzungen von Stammspielern wie Fabian Bäcker, Sascha Korb und Matthias Schwarz einfach nicht zu kompensieren? Die Nerven liegen bei einigen Akteuren jedenfalls bereits blank, wie die überzogene Schiedsrichterschelte von Rico Schmitt nach der Niederlage in Freiburg zeigte.

Noch mehr Sorgen als die aktuelle sportliche Situation macht mir aber die wirtschaftliche Lage des Vereins und der GmbH. Heute wurde nach der ersten Gläubigerversammlung im Insolvenzverfahren gemeldet, dass die Kickers Gesamtschulden in Höhe von unglaublichen 17,3 Millionen Euro haben. Noch immer ist zumindest für die Öffentlichkeit nicht absehbar, welche Forderungen nun tatsächlich auf die GmbH zukommen, und welche Konsequenzen dies für den Verein haben könnte, bei dessen Insolvenz die Lichter auf dem Bieberer Berg wohl endgültig ausgehen würden.

Vielleicht sollten im Fan-Shop kurzfristig rot-weiße Rosenkränze ins Sortiment aufgenommen werden, denn die Anhänger der Offenbacher Kickers können in den kommenden Wochen und vielleicht auch Monaten nur ihre Mannschaft anfeuern und ansonsten dafür beten, dass dies alles ein gutes Ende nehmen wird.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen