2. Oktober 2013

Benficas Museum Cosme Damião

Im Juli eröffnete Benfica nach nur 15 Monaten Bauzeit sein Museum Cosme Damião, benannt nach der wichtigsten Persönlichkeit in den Gründungsjahren des Vereins. So mache ich mich an diesem sehr regnerischen und sehr stürmischen Dienstagvormittag auf den Weg, um dem direkt neben dem Estádio da Luz gelegenen Museum einen ersten Besuch abzustatten.

Das Szenarium ist gespenstisch: Die breiten, um das Stadion führenden Wege sind menschenleer, Sturmböen peitschen den Regen gegen die nackten Betonwände der "Kathedrale". In Benficas "Megastore" kaufe ich meine Eintrittskarte und betrete wenig später reichlich durchnässt die neue Kultstätte des mitgliederstärksten Sportklubs der Welt.

Mich erwartet ein Ambiente, das die Gründerväter Benficas bei ihrer ersten Zusammenkunft am 28. Februar 1904 in der Apotheke des Senhor Franco im Stadtteil Belém so sicher noch nicht vor Augen hatten. Auf 4.000 Quadratmetern feiert der Verein sich und seine Geschichte. Sämtliche Ausstellungsräume sind in tiefes Schwarz getaucht, fast nur die Ausstellungsvitrinen und großformatige, größtenteils interaktive Bildschirme erhellen die Szenerie.

Traditionell legt Benfica großen Wert darauf, mehr als nur ein Fußballverein zu sein. So ist der erste von insgesamt 29 Museumsabschnitten den sogenannten "Modalidades", den übrigen Sportarten, gewidmet. In einem über zwei Etagen reichenden Glasturm sind Pokale von Sportarten wie Basketball, Futsal, Handball, Leichtathletik, Radsport, Rollhockey oder Volleyball zu bestaunen.

Dann aber taucht der Besucher ganz in die Welt des großen Fußballs ein: Sämtliche 32 Meisterpokale sowie die 24 "Taças de Portugal", die Trophäen des nationalen Pokalwettbewerbs, sind neben unzähligen anderen Pokalen aufgereiht. Zu jeder Saison gibt an Touchscreens Informationen und Videos. Es folgt der Stolz aller Benfiquistas, die beiden Pokale des Europacups der Landesmeister, die der Verein 1961 und 1962 unter anderem mit dem legendären Eusébio errang. Der Vorteil an diesem Dienstagmorgen: Ich bin praktisch allein im Museum und kann so völlig ungestört in den Erinnerungen an teils längst vergangene Epochen schwelgen.

Weiter geht es über eine siebenminütige Multimedia-Inszenierung mit Jubelszenen von Spielern und Fans zu großflächigen Zeittafeln, die für jedes Jahr der Vereinsgeschichte die wichtigsten Ereignisse des Klublebens sowie der Stadtgeschichte Lissabons verzeichnen. Überhaupt ist fast überall im Museum das Bemühen spürbar, die Vereinsgeschichte in einen historischen Kontext zu stellen. Auf der langen Rampe hinauf ins Obergeschoss sind Installationen zeitgeschichtlicher Ereignisse ausgestellt. Diese reichen von King Kong auf dem Empire State Building über den ersten Bikini bis hin zur Nelkenrevolution oder dem ersten Mobiltelefon.

Der erste Ausstellungsteil im Obergeschoss ist den schönen Künsten und Medien gewidmet. Dort findet der Besucher unter anderem Zitate portugiesischer Schriftsteller mit ihren jeweiligen Erstlingswerken. Ebenso kann man der von Fadostar Camané gesungenen Vereinshymne lauschen oder bei Radioreportagen aus den 1960er Jahren mitfiebern.

Im Anschluß wird die geographische Entwicklung des Vereins innerhalb der Stadt Lissabon dokumentiert. Gezeigt werden Modelle historischer Gebäude, von der Apotheke Franco bis hin zu den verschiedenen Ausbauphasen des alten Estádio da Luz, das mit maximal 120.000 Plätzen dereinst das größte Stadion Europas war. Der letzte Teil der Austellungsfläche ist dann den bekanntesten Spielern Benficas gewidmet, bevor es zum Abschluss des Besuchs in einem Kinosaal einen fast zwanzig Minuten langen Film zu sehen gibt.

Ein Wort noch zu den Eintrittspreisen: Die Verantwortlichen bei Benfica waren offensichtlich so sehr von der Anziehungskraft des neuen Museums auf Einheimische und Touristen überzeugt, dass sie einen Eintritt von 25 Euro verlangten, ein angesichts der aktuellen portugiesischen Realität absurd hoher Betrag. Inzwischen wurde der Preis stillschweigend auf 15 Euro gesenkt, was im Vergleich zu anderen Museen immer noch sehr üppig ist. So musste ich beispielsweise im Mai diesen Jahres nur elf Euro entrichten, um das Guggenheim-Museum in Bilbao zu besuchen. Trotzdem ist ein Museumsbesuch ein absolutes Muss für jeden Fußballfreund, der sich einige Tage in Lissabon aufhält. Ein wenig Zeit sollte man dafür mitbringen, denn es gibt viel zu sehen und entdecken.

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Das Museum Cosme Damião ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. 
Der Eintritt kostet 15 Euro, Vereinsmitglieder zahlen 5 Euro.




Kommentare:

  1. Did you like the museum ?

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    1. O museu está muito bem feito, porque consegue transmitir a dimensão histórica do Benfica. Uma visita obrigatória para qualquer Benfiquista. Um abraço!

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