5. September 2013

SG Sonnenhof Großaspach - Kickers Offenbach 0:2

Die Regionalliga trägt ungemein zur Vervollkommnung meiner Geographiekenntnisse bei. Ohne das Auswärtsspiel bei der SG Sonnenhof Großaspach hätte ich wohl nie in die Gemeinde Aspach gefunden, obwohl diese mit ihren 8.015 Einwohnern im Vergleich zu Hoffenheim schon fast Metropolen-Charakter hat. So machten wir uns an einem sonnigen Mittwochnachmittag auf die 187 Kilometer lange Reise in die württembergische Provinz.

Nach nur sieben Spieltagen kenne ich bereits einige gute Gründe, diese Regionalliga Südwest zu mögen. Großaspach gehört seit gestern unbedingt dazu. In vielerlei Hinsicht war das spätsommerliche Ambiente dort ein Gegenentwurf zur traurigen Partie in Mannheim. Die letzte Wegstrecke von der Autobahn bis nach Aspach führt vorbei an sanft geschwungenen Wiesen voller Apfelbäume und kleinen Ortschaften mit malerischen Fachwerkhäusern. Im Auto kam langsam ein Hauch von Urlaubsstimmung auf. In Aspach angekommen, erreichten wir das Stadion vom friedvoll am Waldrand gelegenen Gästeparkplatz aus in weniger als fünf Minuten Gehweg.

Die erst 1994 gegründete Sportgemeinschaft mit ihren potenten Sponsoren hat sich in ländlicher Idylle ein echtes Schmuckkästchen gebaut. Drei moderne, vollständig überdachte Tribünen stehen in reizvollem Kontrast zur kleinen Haupttribüne, die von zwei stattlichen Holzgebäuden mit Terrassenblick aufs Spielfeld flankiert wird.

Die Atmosphäre in der comtech Arena ist vollkommen entspannt. Ein freundlicher Stadionsprecher begrüßt die Gäste als "echten Traditionsverein" und erwähnt später bei der Auswechslung von Steven von der Burg sogar, dass gerade der Schütze des ersten Offenbacher Treffers den Platz verlässt.

So viel Respekt wird einem Gastverein selten gezollt. Als absolute Krönung gibt es eine göttliche Rote Wurst, die so lecker schmeckt, dass ich gleich zwei davon verspeise.

Schade, dass die Partie an einem Mittwochabend ausgetragen wurde, denn die Terminierung hat sicher viele Offenbacher Fans vom Spielbesuch abgehalten. So fanden am Ende nur etwa 500 Anhänger der Kickers den Weg nach Aspach. Sowohl der Gastgeber als auch die Begegnung selbst hätten eine deutlich höhere Zuschauerzahl verdient.

Von Beginn an traten die Kickers einem der großen Aufstiegsanwärter der Liga mit erstaunlichem Selbstbewusstsein entgegen, obwohl durch Sperren und Verletzungen gleich mehrere Stammkräfte ausgefallen waren. Bereits nach einer Viertelstunde hatte Cappek die Gelegenheit den OFC in Führung zu bringen. Nur wenige Minuten später nutzte Steven von der Burg, der erstmals in der Startformation stand, die nächste Offenbacher Möglichkeit zum ersten Treffer des Abends. In der Folge entwickelte sich ein Schlagabtausch auf erstaunlich hohem Niveau, in dem sich die Kickers bis zur Halbzeit ein Chancenübergewicht erarbeiteten.

Nach einer guten Stunde musste der OFC eine Schrecksekunde überstehen, als ein Distanzschuss der Aspacher nur den Pfosten traf. Doch nur kurz darauf sollte das Spiel praktisch entschieden sein. Fabian Bäcker schloss einen wunderbar gespielten Konter in der 67. Minute zur 0:2-Führung der Kickers ab. In der verbleibenden Spielzeit kamen keine Zweifel mehr auf, dass die Mannschaft von Rico Schmitt die Heimreise mit drei Auswärtspunkten im Gepäck antreten würde.

Die bisher beste Saisonleistung des OFC machte mächtig Appetit auf das nächste Heimspiel gegen die U23 von Mainz 05, die bereits in drei Tagen als Tabellenführer zum Spitzenspiel nach Offenbach kommt. Eine Begegnung, die hoffentlich sehr viele Zuschauer auf den Bieberer Berg lockt, denn am Samstag trifft die bislang beste Abwehr auf den treffsichersten Sturm der Liga. 

Mein Bericht wäre nicht vollständig, ohne vom wahren Helden des Abends zu erzählen. Bereits vor dem Anpfiff drehte Plüschtiger "Benny" mit rotem Trikot und tief ins Gesicht gezogener Mütze seine einsamen Runden ums Spielfeld. Ich bin kein Freund dieser Spezies, die üblicherweise dazu missbraucht wird, das Publikum mit witzlosen Kaspereien zu bespaßen. Ganz anders jedoch Benny. Umweht von einer leicht melancholischen Aura zog er gemessenen Schrittes seine Kreise, kommunizierte in würdevoll sparsamen Gesten mit den Zuschauern und hatte keine Berührungsängste mit dem Gästeblock. Ein echter Held der Gegenwart, dem ich beim nächsten Besuch in Großaspach gerne wieder begegnen möchte.

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SG Sonnenhof Großaspach - Kickers Offenbach 0:2
Mittwoch, 4. September 2013, 19 Uhr
comtech Arena, 1.453 Zuschauer

Mannschaftsaufsstellung: Daniel Endres - Stefano Maier, Marcel Wilke, Giuliano Modica, Dennis Schulte - Klaus Gjasula - Fabian Bäcker, Benjamin Pintol (85. Marcel Mosch), Jan Biggel - Steven von der Burg (67. Alexandros Theodosiadis), Christian Cappek (90. Mohammed Tahiri)

Torschützen: 0:1 von der Burg (21.), 0:2 Bäcker (68.)






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