11. August 2013

Transparent - Football, Culture & Politics

Ein Transparent ist eine feine Sache. Man kann es als Zaunfahne im Stadion aufhängen um seinen Fußballverein zu unterstützen, oder es auf einer Demonstration vor sich hertragen, um seine Meinung kundzutun. Und natürlich sind wir in Zeiten von NSA und Prism alle ziemlich transparent, ob es uns gefällt oder nicht.

"Transparent" ist ein klug gewählter Name für ein Magazin, das sich mit Fußball und Fankultur beschäftigt, oder mit "Football, Culture & Politics". Um es vorweg zu nehmen: Nicht nur der Name, auch der Inhalt ist klug. Für 3,90 Euro, das ist nur wenig mehr als ein Bier auf dem Bieberer Berg kostet, bietet die aktuelle Ausgabe 66 Seiten voller Geschichten, Reportagen und Interviews abseits der üblichen Berichterstattung zum Thema Fußball.

Beim ersten Durchblättern fällt ins Auge, dass Offenbach gut im Heft vertreten ist. Gleich auf Seite 6 findet sich ein Hinweis zum Blog StayHungryOF, der eine noch kleine, aber sehr feine Sammlung von Fotos unserer heimischen Fußballsubkultur zeigt. Weiter hinten geht es in einem vierseitigen Interview mit Antje Hagel von der Erwin-Redaktion um das 20-jährige Bestehen des "Bündnis Antifaschistischer Fußball-Fans" (BAFF).

Titelthema der August-Ausgabe ist "Der Aufruhr der Fußballfans". Gleich zwei ausführliche Artikel beschäftigen sich mit der Rolle der Fußballfans bei den aktuellen politischen Demonstrationen in der Türkei und in Brasilien. Der Beitrag zu den Massenprotesten in Brasilien stammt aus der Feder von Martin Curi. Der Autor lebt seit vielen Jahren in Rio de Janeiro und schreibt in seinem Blog Brasilien - Im Land des Fußballs regelmäßig über den Fußball und gesellschaftspolitisch relevante Themen im Gastgeberland der nächsten Weltmeisterschaft. Unlängst ist im Verlag Die Werkstatt sein neues Buch "Brasilien - Land des Fußballs" erschienen. Eine bessere Lektüre zur Vorbereitung auf die WM im kommenden Jahr wird schwerlich zu finden sein.

Doch zurück zum Magazin. Aus Offenbacher Perspektive besonders interessant ist der Beitrag "Eine andere Liga", der die Ursachen für die aktuellen ökonomischen Probleme im deutschen Fußball unter anderem in der Struktur der Ligen sieht. Ein wichtiges Thema, das uns noch viele Jahre begleiten wird. Im Juni habe ich hierzu im Blog The Football Pink den Beitrag "The new Rich and Poor in German Fooball" geschrieben.

Sehr lesenswert ist auch der Artikel zur "Fankultur und Politik in der späten DDR", der die Verhältnisse in den Stadien der DDR-Oberliga im letzten Jahrzehnt vor der Wende anschaulich erklärt und den Bogen bis zu den aktuellen Fanproblemen im wiedervereinten Deutschland spannt.

Als Sahnehäubchen gibt es schließlich eine wunderschöne Fotostrecke über das Lohrheidestadion in Wattenscheid, die bei Old-School-Romantikern für feuchte Augen sorgt. Eigentlich jede der insgesamt elf Aufnahmen hätte eine Doppelseite verdient.

Transparent Magazin für Fußball & Fankultur erscheint vier Mal jährlich in Münster und kostet im Jahres-Abonnement 16,90 Euro.

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