28. August 2013

Vorschau: SSV Ulm 1846 Fußball

Die Geschichte des SSV Ulm 1846 ist die Geschichte vom Aufstieg und Niedergang eines Fußballvereins. Toni Turek, die Hoeneß-Brüder Dieter und Uli, Fritz Walter, Thomas Tuchel, Mario Gómez und Ralf Rangnick. All diese großen Namen standen im Laufe ihrer Karriere in Ulm unter Vertrag. Zur Ulmer Geschichte gehörten aber auch immer wieder finanzielle Unregelmäßigkeiten und der zweimalige Gang zum Insolvenzrichter.

In den 1980er und 1990er Jahren war der Schwimm- und Sportverein eine klassische Fahrstuhlmannschaft, die zwischen der zweiten und dritten Spielklasse pendelte. In diese Zeit fallen auch fast alle der bisherigen 14 Begegnungen mit dem OFC. In der Saison 1984/85 stiegen beide Klubs gemeinsam aus der Zweiten Bundesliga ab, um sich ein Jahr später in der Aufstiegsrunde wieder zu treffen. Dort hatten die Ulmer das bessere Ende für sich und kehrten in die Zweite Liga zurück, während die Kickers drittklassig blieben.

In Offenbach trafen beide Vereine zuletzt am 29. August 1997 in der Regionalliga Süd aufeinander, die seinerzeit noch die Dritte Liga des deutschen Fußballs war. 15.000 Zuschauer verfolgten die Begegnung auf dem Bieberer Berg, in der Fritz Walter die Gäste nach 63 Minuten in Führung brachte. Islam Ispir (65.) und Oliver Roth (88.) erzielten die Offenbacher Treffer zum 2:1-Endstand.

Am Ende der Spielzeit stieg der von Trainer Ralf Rangnick betreute SSV Ulm mit nur einem Punkt Vorsprung auf den OFC erneut in die Zweite Liga auf und schaffte im darauf folgenden Jahr als Tabellendritter völlig überraschend den Durchmarsch in die Bundesliga. Die Saison 1999/2000 sollte die erste, bislang aber auch einzige Spielzeit der Spatzen im Fußball-Oberhaus werden. Gleichzeitig war sie der Beginn eines beispiellosen Absturzes, der nur zwei Jahre später in der Insolvenz und dem Abstieg in die Fünfte Liga endete.

Als die Ulmer im Jahr nach dem Abstieg aus der Bundesliga auch den Klassenerhalt in der Zweiten Liga verspielten, verweigerte der DFB den Württembergern aus wirtschaftlichen Gründen die Lizenz für die Regionalliga. In der Folge wurde gegen den Verein ein Insolvenzverfahren eröffnet, das die Teilnahme der Ulmer an der Oberliga verhinderte. So fand sich der Verein nur 15 Monate nach dem Abschied aus der Bundesliga in der fünftklassigen Verbandsliga Württemberg wieder.

Dem einjährigen Intermezzo in den Niederungen der Verbandsliga folgten seither neun Spielzeiten in der Viertklassigkeit und drei Jahre in der Dritten Liga. Um möglichst schnell in höhere Spielklassen zurückzukehren, lieh sich der Verein zu Beginn des neuen Jahrtausends Geld vom Medienunternehmer Michael Kölmel, der sich im Gegenzug Optionen für die Vermarktung von TV-Rechten sicherte. Die Insolvenz von Kölmels Kinowelt AG vergrößerte die Finanznöte an der Donau. Am Ende konnte der Verein nicht einmal mehr die Zinsen für einen Kredit in Höhe von drei Millionen Euro tilgen, der noch in Bundesligazeiten zum Ausbau des Donaustadions aufgenommen worden war. Im Jahr  2008 durchsuchten schließlich Staatsanwaltschaft und Steuerfahndung die Ulmer Geschäftsstelle wegen des Verdachts auf illegale Beschäftigung von Spielern und Steuerhinterziehung.

Nachdem auch noch mehrere Ulmer Spieler in den Wettskandal verwickelt waren, der 2009 die deutsche Fußballwelt beschäftigte, beschloss die Mitgliederversammlung des Gesamtvereins die Abspaltung der Fußballabteilung. Zu groß war die Furcht, das Finanzgebaren der Fußballer könne den gesamten Klub in den Abgrund ziehen, der mit fast 10.000 Mitgliedern nach dem VfB Stuttgart der größte Sportverein in Baden-Württemberg ist. Seitdem lautet der offizielle Vereinsname "SSV Ulm 1846 Fußball".

Anfang 2011 wurde ein weiteres Insolvenzverfahren gegen den Verein eröffnet, durch das der SSV Ulm vorzeitig als Absteiger aus der Regionalliga Süd feststand. Immerhin konnte der Klub damit schuldenfrei in die Saison 2011/12 der Oberliga Baden-Württemberg starten. Ein Verfahren, dass auch in Offenbach nicht ganz unbekannt ist. Aus der Oberliga schafften die Ulmer den direkten Aufstieg in die neu gegründete Regionalliga Südwest, so dass die Spatzen am kommenden Freitag fast auf den Tag genau nach 16 Jahren wieder auf dem Bieberer Berg gastieren.

Für das Spiel gegen die Kickers haben sich die Gäste jedenfalls gründlich eingeschossen. Nach vier Niederlagen zum Beginn der Spielzeit feierte der SSV Ulm am vergangenen Freitag einen 5:1-Erfolg gegen die U23 von Eintracht Frankfurt und reist mit frisch gestärktem Selbstbewusstsein zum Flutlichtspiel nach Offenbach.

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Kickers Offenbach - SSV Ulm 1846
Freitag, 30. August 2013, 19 Uhr
Sparda-Bank-Hessen-Stadion

Homepage des SSV Ulm 1846 Fußball

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