9. August 2013

1899 Hoffenheim II - Kickers Offenbach 0:2

Die große Hitze der vergangenen Wochen hat sich gelegt, gestern zeigte das Thermometer nur noch fußballfreundliche 24 Grad. Trotz des ungünstigen Termins an einem Donnerstag abend sollten sich 1.500 Anhänger der Offenbacher Kickers auf den Weg ins Kraichgau machen, um ihren OFC im Auswärtsspiel gegen die U23 von 1899 Hoffenheim zu unterstützen.

Beste Voraussetzungen also für einen netten Fußballabend, zumindest bis zur Mittagszeit. Dann schlug die nächste Bombe in die gerade wieder halbwegs befriedete Welt der Kickers ein: "OFC-Geschäftsstelle wird durchsucht" musste ich bei Twitter lesen.

Am Vormittag hatten Presseberichten zufolge Beamte der Steuerfahndung die Geschäftsstelle der GmbH sowie die Privatwohnungen von Geschäftsführer David Fischer und dessen Vorgängern Thomas Kalt und Jörg Hambückers durchsucht. Unterlagen und Laptops sollen dabei sichergestellt worden sein. Es ging, wie sollte es anders sein, wieder einmal um die wundersame Schuldenvermehrung von 4,7 auf 9,1 Millionen Euro und die damit verbundene Selbstanzeige von Ex-Geschäftsführer Kalt.

Nichts war es also mit den besten Voraussetzungen für ein schönes Auswärtsspiel. Auf den rund 130 Kilometern bis Hoffenheim konnte sich der geneigte Kickers-Fan nicht mehr ausschließlich mit den mahnenden Worten von Trainer Rico Schmitt beschäftigen, der gestern vor dem Gegner und dem Alltag in der Regionalliga gewarnt hatte. Statt dessen durften wir uns mal wieder Sorgen um die wirtschaftliche Zukunft des Vereins machen. 

Hoffenheim empfängt seine Besucher mit dem Duft nach Ackerbau und Viehzucht. Eigentlich nichts deutet darauf hin, dass in dem 3.263 Seelen zählenden Ort ein Fußballspiel stattfinden könnte, wären da nicht die vielen Autos mit dem Kennzeichen "OF", die sich ihren Weg über die Dorfhauptstraße in Richtung Stadionparkplatz bahnen. Von dort geht es zu Fuß über einen steilen Anstieg quer durch den Wald hinauf zum Dietmar-Hopp-Stadion. Für die Gästefans gibt es einen Kiosk, der nicht gerade von großer Identifikation mit dem Heimatverein zeugt. Zumindest trug der Verkäufer ein T-Shirt von Schalke.

Die Hoffenheimer Sportstätte selbst ruft dem OFC-Anhang ins Bewusstsein, dass wir jetzt in der Regionalliga spielen. Idyllisch auf einer Anhöhe mitten im Wald gelegen, bietet sie Platz für 6.300 Zuschauer. Die überdachten Gästeblocks befinden sich hinter einem der Tore und sind bereits eine Stunde vor Anpfiff gut gefüllt. Am Ende sollten im Stadion zwei Kickers-Fans auf jeden Anhänger der Kraichgauer kommen.

Auf der nur aus zwei oder drei Stufen bestehenden Gegengeraden zähle ich kurz vor Spielbeginn 34 Zuschauer. Lediglich die Haupttribüne ist noch halbwegs gefüllt, doch auch hier bejubeln später viele Offenbacher die beiden Tore ihrer Mannschaft. Die Atmosphäre rund ums Spiel ist freundlich und entspannt. Es ist kaum Polizei zu sehen, die wenigen Ordner vor dem Gästeblock sind den Fans aus Offenbach dabei behilflich, ihre zahllosen Zaunfahnen aufzuhängen.

Wie schon in Koblenz beginnt der OFC das Spiel sehr offensiv und schnürt Hoffenheim in deren Hälfte ein. Fast zwangsläufig fällt bereits nach 13 Minuten das 0:1 durch Fabian Bäcker. Auch im weiteren Verlauf der ersten Hälfte dominieren die Kickers klar das Geschehen und hätten zur Halbzeit eigentlich bereits höher führen müssen.

So stellte sich in der Pause lediglich die Frage, ob es sich im weiteren Spielverlauf vielleicht noch rächen könnte, nicht schon höher in Führung zu liegen. Hoffenheim fand in der zweiten Halbzeit auch besser ins Spiel, ohne die sichere Offenbacher Abwehr dabei aber in größere Verlegenheit zu bringen. Der zweite Kickers-Treffer durch Dennis Schulte nach einer Stunde zerstreute dann die letzten Zweifel, wer den Platz als Sieger verlassen würde.

Allen Widrigkeiten im Vorfeld des Spiels zum Trotz, feierten die Kickers in erstaunlich souveräner Manier ihren zweiten Auswärtserfolg. Ich neige selten zur Euphorie, aber was Trainer Rico Schmitt innerhalb nur weniger Wochen auf die Beine gestellt hat, kann gar nicht hoch genug bewertet werden.

Nicht nur, dass die bisherigen Ergebnisse alle Erwartungen übertroffen haben. Es macht wieder richtig Spaß, der Mannschaft beim Fußballspielen zuzusehen. Der Ball läuft gut, die Einstellung stimmt, und zwischen Spielern und Anhängern besteht derzeit eine so innige Beziehung, wie ich sie seit sehr langen Jahren nicht mehr erlebt habe.

Immer mehr deutet darauf hin, dass Lizenzentzug und Insolvenz tatsächlich eine historische Chance für den Verein sind, falls auch die letzten wirtschaftlichen Klippen noch erfolgreich umschifft werden. Ich zähle jedenfalls schon jetzt die Tage bis zum nächsten Heimspiel gegen den KSV Baunatal.

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1899 Hoffenheim II - Kickers Offenbach 0:2
Donnerstag, 8. August 2013, 19.00 Uhr
Dietmar-Hopp-Stadion, 2.300 Zuschauer

Mannschaftsaufsstellung: Daniel Endres - Stefano Maier, Giuliano Modica, Marcel Wilke, Dennis Schulte - Denis Mangafic (83. Benjamin Pintol), Matthias Schwarz, Kevin Wittke, Klaus Gjasula (68. Jan Biggel) - Fabian Bäcker (58. Alexandros Theodosiadis), Christian Cappek

Torschützen: 0:1 Bäcker (13.), 0:2 Schulte (59.)






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