31. August 2013

Kickers Offenbach - SSV Ulm 1:0

Das Warten hat ein Ende. Vor der Partie gegen den SSV Ulm hatte eine Lokalzeitung bereits damit begonnen, die torlosen Minuten des OFC zu zählen. 211 standen beim Anpfiff auf der Uhr, doch gestern sollten nur noch 21 weitere Minuten hinzukommen, dann zappelte der Ball wieder im gegnerischen Netz. Großer Jubel auf den Rängen, endlich war der Bann gebrochen. Denn als Giuliano Modica per Kopf den ersten Heimtreffer der Kickers in dieser Saison erzielte, hätte das Resultat gut und gerne schon 3:0 lauten können. 

Zu den inzwischen zur Genüge diskutierten Problemen im Abschluss kam im Spiel gegen Ulm auch noch eine ordentliche Portion Pech hinzu. Bereits nach drei Minuten setzte Marcel Wilke den Ball an die Latte, Benjamin Pintol machte ihm das Kunststück eine halbe Stunde später nach. Nach wie vor müssen die Kickers einen kräftezehrend hohen Aufwand betreiben, um sich selbst zu belohnen. Dies ist regelmäßig in der zweiten Halbzeit spürbar, wenn die Kraft und damit auch die Konzentration nachlässt.

28. August 2013

Vorschau: SSV Ulm 1846 Fußball

Die Geschichte des SSV Ulm 1846 ist die Geschichte vom Aufstieg und Niedergang eines Fußballvereins. Toni Turek, die Hoeneß-Brüder Dieter und Uli, Fritz Walter, Thomas Tuchel, Mario Gómez und Ralf Rangnick. All diese großen Namen standen im Laufe ihrer Karriere in Ulm unter Vertrag. Zur Ulmer Geschichte gehörten aber auch immer wieder finanzielle Unregelmäßigkeiten und der zweimalige Gang zum Insolvenzrichter.

In den 1980er und 1990er Jahren war der Schwimm- und Sportverein eine klassische Fahrstuhlmannschaft, die zwischen der zweiten und dritten Spielklasse pendelte. In diese Zeit fallen auch fast alle der bisherigen 14 Begegnungen mit dem OFC. In der Saison 1984/85 stiegen beide Klubs gemeinsam aus der Zweiten Bundesliga ab, um sich ein Jahr später in der Aufstiegsrunde wieder zu treffen. Dort hatten die Ulmer das bessere Ende für sich und kehrten in die Zweite Liga zurück, während die Kickers drittklassig blieben.

In Offenbach trafen beide Vereine zuletzt am 29. August 1997 in der Regionalliga Süd aufeinander, die seinerzeit noch die Dritte Liga des deutschen Fußballs war. 15.000 Zuschauer verfolgten die Begegnung auf dem Bieberer Berg, in der Fritz Walter die Gäste nach 63 Minuten in Führung brachte. Islam Ispir (65.) und Oliver Roth (88.) erzielten die Offenbacher Treffer zum 2:1-Endstand.

26. August 2013

SV Waldhof - Kickers Offenbach 1:0

Mannheim ist keine Stadt, in der man sich als Fan der Offenbacher Kickers gerne ein Fußballspiel ansieht. So fuhr ich zum ersten Mal seit langer Zeit mit einem mulmigen Gefühl zu einem Auswärtsspiel.

Trotz Dauerregens empfing uns die Universitätsstadt ganz in Grün: Polizei in Kampfmontur, wohin man blickte. Am Ende sollten 1.300 Polizisten, zwei Wasserwerfer und ein Hubschrauber nicht ausreichen, um die Offenbacher Anhänger auf dem Rückweg zum Hauptbahnhof vor Angriffen zu schützen. Von den Ausschreitungen nach Spielende erfuhr ich erst aus dem Internet, weil wir das Stadion entgegen unserer sonstigen Gewohnheit direkt nach dem Schlusspfiff verlassen haben, um so schnell wie möglich zum Auto zu kommen. Völlig unverständlich ist mir, warum es gerade in Mannheim keine separaten Parkplätze für Fans der Gastmannschaft gibt, die selbst in so friedlichen Orten wie Koblenz selbstverständlich sind. Da auch kein gesonderter Weg vom Parkplatz zum Gästeblock existiert, wurde schon der Gang zum Stadion zu einem Spießrutenlauf.

23. August 2013

Leere Ränge in Portugal

Vielleicht nicht alles, aber bemerkenswert viel dreht sich in Portugal um den Fußball. Täglich von Montag bis Sonntag erscheinen in dem kleinen Land am Westrand Europas drei Zeitungen, die sich fast ausschließlich mit Fußball beschäftigen. Sie gehören zu den auflagenstärksten Tageszeitungen des Landes. Wer mit Portugiesen ins Gespräch kommen möchte, findet über das Thema "Futebol" in aller Regel einen dankbaren und sehr mitteilsamen Gesprächspartner.

Fußballikonen wie José Mourinho oder Cristiano Ronaldo genießen in Portugal den Status nationaler Heiligtümer, ihre Konterfeis sind in den entlegensten Winkeln des Landes zu finden. Dazu ist Portugals Hauptstadt Lissabon die Heimat des größten Fußballvereins der Welt. Mit rund 224.000 Mitgliedern wurde Benfica ins Guinness-Buch der Rekorde aufgenommen.

Ein glückliches Land möchte man meinen, das sich zur EM 2004 wider jede wirtschaftliche Vernunft zehn nagelneue Stadien geleistet hat, die den Arenen in Deutschland hinsichtlich Modernität und Komfort in nichts nachstehen. Ein Land also, dessen fußballverrückte Einwohner Woche für Woche fröhlich in die Stadien der heimischen Liga strömen müssten.

Doch die Besucherzahlen vom ersten Spieltag der Liga ZON Sagres am vergangenen Wochenende zeichnen ein ganz anderes Bild. Gerade 64.257 Zuschauer verfolgten die acht Spiele der ersten portugiesischen Liga, davon allein 29.629 das Spiel von Sporting Lissabon gegen Aufsteiger Arouca.

18. August 2013

Kickers Offenbach - KSV Baunatal 0:3

Eigentlich war alles angerichtet zur Fortsetzung des Offenbacher Sommermärchens. Auch gestern lachte die Sonne über dem Bieberer Berg, der sich schon früh mit bestens gelaunten Fans füllte. Überall auf den Rängen herrschte Vorfreude auf das Spiel. Was konnte schon passieren? Zu überzeugend waren die bisherigen Vorstellungen der Kickers, zu unterlegen schien der Gegner, der mit null Punkten und 1:9 Toren aus den ersten drei Spielen im Gepäck anreiste.

Dazu durfte ich das Spiel aus einer ungewohnten Perspektive verfolgen. Auf Einladung eines bekannten Offenbacher Gastronomen (nochmals vielen Dank!) trafen wir uns schon zwei Stunden vor dem Anpfiff im angenehm klimatisierten VIP-Raum der Haupttribüne. Statt wie üblich für Worscht und Äppler anzustehen, ließ ich mir Maultaschen und Kartoffelsalat mit einem frisch gezapften Bier schmecken, und genoss dabei den Ausblick auf meinen Stammplatz im Block 3.

14. August 2013

Vorschau: KSV Baunatal

Nächster Gast auf dem Berg ist am kommenden Samstag der KSV Baunatal. Unter älteren OFC-Fans werden bei dieser Begegnung Erinnerungen an längst vergangene Zweitligazeiten in den 1970er Jahren wach.

Der Kultur- und Sportverein ist mit 6.000 Mitgliedern und über 40 Sportarten der größte Sportklub in Nordhessen und zählt immerhin drei Mal mehr Mitglieder als der OFC. Das sind stolze Zahlen für einen Verein aus einer Stadt mit 28.000 Einwohnern in direkter Nachbarschaft zu Kassel.

Offiziell gegründet im Jahr 1892, entstand der KSV Baunatal unter seinem heutigen Namen erst 1964 durch eine Fusion der Vereine KSV Altenritte und KSV Altenbauna. Die Heimspiele werden im 1979 errichteten Parkstadion ausgetragen, das Platz für 8.500 Fans bietet.

Seine sportliche Glanzzeit erlebte der KSV von 1976 bis 1979, als die Nordhessen gemeinsam mit dem OFC drei Jahre lang der Zweiten Bundesliga angehörten. Von den damaligen sechs Partien zwischen beiden Vereinen konnte die Kickers fünf für sich entscheiden, der KSV ging nur ein Mal als Sieger vom Platz.

13. August 2013

Benfica nach dem "Triple des Grauens"

Würden Fußballspiele nach 80 Minuten enden, hätte Benfica Lissabon in der vergangenen Saison eine der erfolgreichsten Spielzeiten seiner ruhmreichen Vereinsgeschichte gefeiert. Bis zum 11. Mai 2013 waren der Gewinn der portugiesischen Meisterschaft, der Europa League und des nationalen Pokals in greifbarer Nähe. Doch in den folgenden zwei Wochen zerstoben alle Titelhoffnungen, am Ende blieb dem portugiesischen Rekordmeister nur das "Triple des Grauens".

Als ungeschlagener Tabellenführer trat Benfica am vorletzten Spieltag der portugiesischen "Liga ZON Sagres" mit zwei Punkten Vorsprung beim direkten Verfolger FC Porto an. Schon ein Unentschieden hätte den 33. Meistertitel praktisch garantiert. Doch Kelvins Treffer zum 2:1-Sieg Portos in der 91. Minute versetzte die Adler aus Lissabon in einen Schockzustand. Das Bild des geschlagen neben seinem jubelnden Kollegen aus Porto knienden Trainers Jorge Jesus sollte zum Symbol für eine ganz Saison werden.

11. August 2013

Transparent - Football, Culture & Politics

Ein Transparent ist eine feine Sache. Man kann es als Zaunfahne im Stadion aufhängen um seinen Fußballverein zu unterstützen, oder es auf einer Demonstration vor sich hertragen, um seine Meinung kundzutun. Und natürlich sind wir in Zeiten von NSA und Prism alle ziemlich transparent, ob es uns gefällt oder nicht.

"Transparent" ist ein klug gewählter Name für ein Magazin, das sich mit Fußball und Fankultur beschäftigt, oder mit "Football, Culture & Politics". Um es vorweg zu nehmen: Nicht nur der Name, auch der Inhalt ist klug. Für 3,90 Euro, das ist nur wenig mehr als ein Bier auf dem Bieberer Berg kostet, bietet die aktuelle Ausgabe 66 Seiten voller Geschichten, Reportagen und Interviews abseits der üblichen Berichterstattung zum Thema Fußball.

Beim ersten Durchblättern fällt ins Auge, dass Offenbach gut im Heft vertreten ist. Gleich auf Seite 6 findet sich ein Hinweis zum Blog StayHungryOF, der eine noch kleine, aber sehr feine Sammlung von Fotos unserer heimischen Fußballsubkultur zeigt. Weiter hinten geht es in einem vierseitigen Interview mit Antje Hagel von der Erwin-Redaktion um das 20-jährige Bestehen des "Bündnis Antifaschistischer Fußball-Fans" (BAFF).

9. August 2013

1899 Hoffenheim II - Kickers Offenbach 0:2

Die große Hitze der vergangenen Wochen hat sich gelegt, gestern zeigte das Thermometer nur noch fußballfreundliche 24 Grad. Trotz des ungünstigen Termins an einem Donnerstag abend sollten sich 1.500 Anhänger der Offenbacher Kickers auf den Weg ins Kraichgau machen, um ihren OFC im Auswärtsspiel gegen die U23 von 1899 Hoffenheim zu unterstützen.

Beste Voraussetzungen also für einen netten Fußballabend, zumindest bis zur Mittagszeit. Dann schlug die nächste Bombe in die gerade wieder halbwegs befriedete Welt der Kickers ein: "OFC-Geschäftsstelle wird durchsucht" musste ich bei Twitter lesen.

Am Vormittag hatten Presseberichten zufolge Beamte der Steuerfahndung die Geschäftsstelle der GmbH sowie die Privatwohnungen von Geschäftsführer David Fischer und dessen Vorgängern Thomas Kalt und Jörg Hambückers durchsucht. Unterlagen und Laptops sollen dabei sichergestellt worden sein. Es ging, wie sollte es anders sein, wieder einmal um die wundersame Schuldenvermehrung von 4,7 auf 9,1 Millionen Euro und die damit verbundene Selbstanzeige von Ex-Geschäftsführer Kalt.

Nichts war es also mit den besten Voraussetzungen für ein schönes Auswärtsspiel. Auf den rund 130 Kilometern bis Hoffenheim konnte sich der geneigte Kickers-Fan nicht mehr ausschließlich mit den mahnenden Worten von Trainer Rico Schmitt beschäftigen, der gestern vor dem Gegner und dem Alltag in der Regionalliga gewarnt hatte. Statt dessen durften wir uns mal wieder Sorgen um die wirtschaftliche Zukunft des Vereins machen. 

7. August 2013

The Football Pink Magazine, Issue 1

Seit heute ist die erste Ausgabe von "The Football Pink Magazine" als Download bei Amazon erhältlich. Wer sich nicht davon abschrecken lässt, dass ich zu den Autoren zähle und auch die beiden Fotostrecken aus meiner Kamera stammen, kann das Magazin zum Preis von 0,99 GBP im Kindle-Shop runterladen. Und noch ein Bonbon für alle Kickers-Fans: Das Titelfoto entstand im vergangenen Jahr auf dem Bieberer Berg.

Zum Download bei Amazon

Product Description
The Football Pink magazine is a new quarterly collection of engrossing stories, opinions and musings from around the world of football. Written by a fine group of contributors, The Football Pink delves into the colourful history and personal experiences of 'The Beautiful Game', giving the reader the opportunity to immerse themselves in every fascinating article. If you like your football to come from a different perspective, then this is the magazine for you. Enjoy!

6. August 2013

Rekordkulissen in der Regionalliga

Nachdem am vergangenen Samstag 7.502 Zuschauer den Saisonauftakt der Offenbacher Kickers auf dem Bieberer Berg verfolgten, kam gestern auf Twitter die Frage nach den bisherigen Rekordkulissen bei Spielen der Regionalliga auf. Die Antwort ist nicht ganz einfach, da die Bezeichnung Regionalliga im Laufe der Jahrzehnte für unterschiedliche Spielklassen verwendet wurde.

Seit Gründung der Bundesliga 1963 war die Regionalliga bis 1974 die zweithöchste Spielklasse, die in fünf Staffeln (Nord, West, Südwest, Süd und Berlin) ausgespielt wurde. Der OFC wurde in dieser Zeit drei Mal Meister der Regionalliga Süd (1967, 1970 und 1972) und schaffte anschließend über die Aufstiegsrunde jeweils den Sprung in die Bundesliga.

Zwischen 1994 und 2008 diente die Regionalliga als Bezeichnung der dritthöchsten deutschen Liga, die bis zum Jahr 2000 in drei Staffeln (Nord/Nordost, West/Südwest und Süd) aufgeteilt war. Die Kickers traten zwei Jahre lang in der Regionalliga Süd an, bevor sie 1999 über die Relegationsrunde der drei Vizemeister für ein Jahr in die 2. Bundesliga zurückkehrten.

3. August 2013

Kickers Offenbach - Wormatia Worms 0:0

"Sommermärchen". Nur dieses in den letzten Jahren so oft bemühte Wort beschreibt die Stimmung, die heute vor Spielbeginn am Bieberer Berg herrschte. Als ich eine Stunde vor dem Anpfiff am Stadion ankomme, wimmelt es am Waldemar-Klein-Platz bereits vor erwartungsfrohen Fans. Gestern hatte der OFC mitgeteilt, das mehr als 3.100 Dauerkarten verkauft wurden.

Trotzdem bildeten sich an den Kassenhäuschen lange Schlangen. Nach dem Auswärtssieg in Koblenz hatte ich für das Spiel gegen Wormatia Worms optimistisch auf 6.000 Fans getippt. Am Ende verfolgten sage und schreibe 7.502 Zuschauer das erste Heimspiel der Kickers in der Regionalliga Südwest. Zur Erinnerung: In der vergangenen Spielzeit kamen nur zu drei Begegnungen mehr Zuschauer auf den Berg. Und damals spielte der OFC noch eine Klasse höher.

Der Kickers-Anhang hat die junge Mannschaft und die Regionalliga angenommen und bildete einen Rahmen, der für die Spielklasse einmalig sein dürfte. Im Gegensatz zu den Fans war die Organisation rund um das Spiel leider tatsächlich nur viertklassig. Offensichtlich wurden die Verantwortlichen vom großen Zuschauerandrang überrascht, das Spiel musste mit Verspätung angepfiffen werden, damit alle Fans noch rechtzeitig zum Anpfiff ins Stadion kamen.