17. Juli 2013

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit

An diesem Wochenende startet der FSV Frankfurt in seine sechste Zweitliga-Saison in Folge. Nur 1860 München spielt aktuell noch länger im Unterhaus der Bundesliga. Nachdem der Frankfurter Traditionsverein 1996 kurz vor dem Konkurs stand und bis 2007 neun Jahre in den Niederungen der Viertklassigkeit verbrachte, folgte in den beiden Jahren danach der direkte Durchmarsch in die Zweite Bundesliga.

Dort kämpfte der FSV in den ersten vier Spielzeiten regelmäßig gegen den Abstieg. Aber in der vergangenen Saison rückte zeitweise sogar der Aufstieg in die Erste Bundesliga in greifbare Nähe. Am Ende feierten die Bornheimer als Tabellen-Vierter die beste Platzierung in ihrer 114jährigen Vereinsgeschichte.

Doch wenn sich am Sonntag die Tore des Frankfurter Volksbank Stadions zum Spiel gegen den Karlsruher SC öffnen, werden sich voraussichtlich keine langen Schlangen vor den Kassenhäuschen bilden. Lediglich Karten für die Gästeblocks dürften sich einer gesteigerten Nachfrage durch die vom Wiederaufstieg euphorisierten Fans aus Karlsruhe erfreuen.

Denn die bemerkenswerte Wiederauferstehung des Fußballsportvereins fand bislang weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Anders als etwa dem FC St. Pauli in Hamburg, ist es dem FSV nie gelungen, sich als Gegenkonzept zur sportlich wie wirtschaftlich übermächtigen Konkurrenz in der eigenen Stadt zu positionieren.

So steht bei den Anhängern von Eintracht Frankfurt unverändert die Rivalität mit den Offenbacher Kickers im Vordergrund, selbst wenn diese inzwischen in der Regionalliga Südwest spielen und schon seit vielen Jahren keine wirklichen Herausforderer mehr sind. Das Verhältnis zum Nachbarn aus Bornheim lässt sich am besten als freundliches Desinteresse beschreiben. Als Konsequenz aus der fehlenden sportlichen Rivalität zwischen beiden Vereinen fand in Frankfurt von 1962 bis 2011 kein einziges Lokalderby statt.

Allem Anschein nach ist die Stadt Frankfurt mit ihren knapp 700.000 Einwohnern zu klein, um zwei Profivereine gleichermaßen zu ernähren. Zudem ist es den Bornheimern nie gelungen, über den Status eines "Stadtteilvereins" hinaus zu kommen und sich nachhaltig in die Herzen der Fußballanhänger im Umland zu spielen.

Dabei wurden in den vergangenen Jahren unzählige Marketing-Initiativen gestartet, um mehr zahlendes Publikum in das seit 2007 modernisierte Volksbank Stadion zu locken. Vor der Rückkehr in die 2. Bundesliga wurden sage und schreibe 160.000 Briefe an Frankfurter Haushalte verschickt. Über einen Gutschein-Code konnten die Empfänger auf der Internet-Seite des Vereins eine kostenlose Stehplatz-Karte für eines der ersten drei Heimspiele einlösen.

Bundesweit für Schlagzeilen sorgte der FSV im Januar 2009 mit der Aktion „Erst gucken, dann zahlen“. Zum Heimspiel gegen RW Ahlen erhielten die Zuschauer zu Spielbeginn freien Eintritt und konnten beim Verlassen des Stadions selbst entscheiden, wie viel ihnen der 4:0-Heimsieg wert war. Die Bilanz war ernüchternd: Von den insgesamt 3.686 Zuschauern im Stadion nahmen gerade einmal 1.187 Fans an der Aktion teil, der Rest war wohl im Besitz von Dauerkarten. Nach Spielende befanden sich ganze 6.124 Euro in den Sammelbüchsen. Dazu verteilte der FSV einmalig 500.000 kostenlose Stadionzeitungen und wirbt unter dem Motto "Born in Bernem" auf 900 Plakatflächen für seine Heimspiele.

Trotz all dieser Anstrengungen besuchten in der so erfolgreichen letzten Spielzeit im Schnitt gerade einmal 5.513 Fans den Bornheimer Hang. Dies war der zweitschlechteste Wert der gesamten Liga, die 2012/13 einen Zuschauerschnitt von 17.240 Fans pro Begegnung registrierte. Selbst Nachbar Kickers Offenbach, der eine völlig misslungene Saison auf dem 15. Platz der Dritten Liga beendete, lockte mit durchschnittlich 6.370 Zuschauern mehr Fans auf seinen Bieberer Berg.

Nichts deutet derzeit darauf hin, dass die Heimspiele des FSV Frankfurt in der Saison 2013/14 unter größerer Anteilnahme der Öffentlichkeit ausgetragen werden. Zumal bezweifelt werden darf, dass die Bornheimer den sportlichen Überraschungserfolg der Vorsaison wiederholen können.

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