2. Juli 2013

Forrest Gumps Pralinenschachtel

"Mama always said life was like a box of chocolates.
You never know what you're gonna get." (Forrest Gump)

Wir können getrost davon ausgehen, das die Mutter von Forrest Gump im tiefsten Inneren ihres Herzens ein Fan der Offenbacher Kickers war. Wie sonst sollte sie zu der Erkenntnis gelangt sein, dass das Leben wie eine Schachtel voller Pralinen ist. Man weiß nie, was man bekommt. Denn nichts anderes sind die Kickers knapp vier Wochen vor dem Start der Regionalliga Südwest: Eine Schachtel voller Pralinen, die sich unter einem gut geschlossenem Deckel verbergen. Niemand weiß, was am Ende darunter zum Vorschein kommt.

Mehr als 30 Spieler nahmen zum Trainingsauftakt am 18. Juni an der großen Casting-Show teil, die der Verein nach der Insolvenz zur Sichtung neuer Spieler veranstaltete. Zur besseren Identifizierung wurden sie allesamt mit Namensschildern aus Krepp-Papier ausgestattet. Acht von ihnen wurden bereits vier Tage später wieder aussortiert. Anfängliche Gerüchte, wonach sich auch Neymar ohne Wissen seiner Berater unter die Bewerber geschlichen hatte, erwiesen sich als falsch. Er unterschrieb dann doch lieber beim FC Barcelona.

Doch nach und nach vermeldete der OFC im Laufe des Junis dann trotzdem die ersten Vertragsabschlüsse. Aus dem Kader der Vorsaison bleiben mit Torwart Daniel Endres, Abwehrspieler Stefano Meier, den beiden Mittelfeldmännern Matthias Schwarz und Sascha Korb sowie den Stürmern Fabian Bäcker und Marcel Mosch gerade einmal sechs Spieler am Bieberer Berg. 

Soweit ich es in der Presse verfolgen konnte, haben bislang acht Neuzugänge in Offenbach unterschrieben: Feim Statovic (Tor, Mitrovica), Giuliano Modica (Innenverteidigung, Eintracht), Marcel Wilke (Innenverteidigung, Chemnitzer FC), Dennis Schulte (Abwehr, Carl Zeiss Jena), Jan Biggel (Mittelfeld, KSC II), Rico Schmider (Mittelfeld, Preußen Münster) sowie Kevin Wittke (Mittelfeld, Wormatia Worms). Mittelfeldspieler Cem Kara und Angreifer Mohamed Tahiri aus der U19 des OFC vervollständigen den bislang 16 Mann starken Kader für die Regionalliga.

So werden wir uns in der kommenden Spielzeit an viele neue Namen und Gesichter gewöhnen müssen, die beim Kickers-Tag am 21. Juli ab 10 Uhr auf dem Wilhelmsplatz vorgestellt werden.

Der Fangemeinde der Kickers bleibt nur, ihrem Trainer Rico Schmitt ein glückliches Händchen bei der Zusammenstellung des Kaders zu wünschen. Große finanzielle Sprünge kann er bei einem Etat von etwa einer Million Euro nicht machen. Aber vielleicht liegt ja gerade hier die große Chance.

Wer in der vergangenen Spielzeit regelmäßig die Heimspiele des OFC verfolgte, wird sich mit Grauen an einige blutleere Auftritte des Kickers-Teams erinnern. Zu oft blieb das Gefühl zurück, dass das Publikum motivierter war als die eigene Elf. Grandiose Auftritte im DFB-Pokal verstärkten den Eindruck, dass die Mannschaft im grauen Alltag der Dritten Liga häufig unter den eigenen Möglichkeiten spielte.

Die Zuschauer auf dem Bieberer Berg werden in der Regionalliga keine übertriebenen Erwartungen an Spieler und Trainer richten, denn der Verein betritt mit seiner runderneuerte Mannschaft völliges Neuland. Sollte es Rico Schmitt gelingen, eine Truppe zusammenzustellen die sich reinhängt und den Anhängern das Gefühl vermittelt, alles für einen Sieg zu geben, dürfte es an Unterstützung von Seiten der Fans nicht fehlen. Auch dann, wenn es mal nicht so gut läuft.

Vieles kann in der neuen Saison eigentlich nur besser werden. Hoffen wir also darauf, in der Pralinenschachtel von Forrest Gump einige echte Leckerbissen zu finden.

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