5. Juni 2013

Die letzten Tage des alten San Mamés

San Mamés, die ehrwürdige "Kathedrale" des Athletic Club Bilbao, feiert in diesem Jahr ihr hundertjähriges Bestehen. Hier wurde seit Gründung des spanischen Verbandes ohne Unterbrechung erstklassig Fußball gespielt. Selbst der FC Barcelona und Real Madrid, neben Bilbao die einzigen Vereine die stets der ersten Liga angehörten, haben im Laufe der Jahre ihre Spielstätte gewechselt. Nicht so Athletic.

Das alte Stadion liegt Mitten in der Innenstadt von Bilbao am Fluß Nervión. Die breite, von Restaurants und Bars gesäumte Straße „Poza Licentziatuaren Kalea“ führt schnurgerade zum Stadion, die Wohnhäuser reichen bis auf etwa 20 Meter an die Tribünen heran. Überall in der Stadt spürt man die Verbundenheit der Menschen mit ihrem Verein. Während meines Aufenthalts in Bilbao betrete ich praktisch keine Gaststätte, keine Bar und kein Geschäft, das nicht mit den Vereinsfarben geschmückt ist. Eine Verbundenheit, die ich so bislang in keiner anderen Stadt erlebt habe, die nur dadurch zu erklären ist, daß Athletic seit jeher ausschließlich mit Basken spielt. Ein Fußballverein als Identifikationspunkt für eine Stadt und eine ganze Region.

San Mamés hat Patina. Das ganze Stadion ist nach zahllosen Umbauten und Erweiterungen, die im kleinen Vereinsmuseum anschaulich dokumentiert sind, wunderbar verwinkelt und unmodern. Der Presseraum, die Spielerkabinen, die Treppen zum Spielfeld, die Tribünen, alles atmet Fußballgeschichte. Durch eine Hölztüre verlassen wir den kleinen VIP-Raum mit dem Charme eines antiquierten Wohnzimmers und betreten die Präsidentenloge, in der wir die Statue des legendären Stürmers Rafael Moreno Aranzadi ("Pitxitxi") bewundern, der am 21. August 1913 das erste Tor im San Mamés erzielte.

Nach einhundert Jahren schließt sich der Kreis. Heute, am 5. Juni 2013 wird das letzte Tor im San Mamés erzielt, danach wird das Stadion abgerissen. Direkt nebenan entsteht San Mamés Barria, die neue Heimstätte Athletics. Für den Verein und seine Anhänger ist es ein schmerzhafter Abschied von der geliebten Kathedrale. 

Ich bin dankbar, daß ich San Mamés zwei Wochen vor seinem Ende noch erleben durfte. Dem Athletic Club und seinen Mitgliedern wünsche ich einhundert neue ruhmreiche Jahre im San Mamés Barria.






















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