27. Juni 2013

Ich und Pep Guardiola

Guardiola? Pep Guardiola? Der Name kommt Dir irgendwie bekannt vor? Etwa der Fußballtrainer? Ja, genau den meine ich. Wahrscheinlich hast Du in den letzten Tagen von ihm gehört, vielleicht sogar in der Zeitung über ihn gelesen. Oder war es doch im Fernsehen?

Josep Guardiola ist in diesen Tagen überall, man kann ihm nicht entkommen. Höchste Zeit also, daß auch ich von ihm erzähle. Denn ich bin ihm schon vor 12 Jahren begegnet, dem Pep Guardiola.

Am Vormittag des 23. Juni 2001 komme ich zum ersten Mal nach Barcelona. In die Stadt, über die ich schon so viel gelesen habe. Von der ich ein ziemlich genaues Bild habe, obwohl ich noch nie dort war. Ich bin gut vorbereitet. Gaudí, die Sagrada Familia, La Pedrera, der Parc Güell. Die Museen von Miró und Picasso. Bars und Restaurants. Das alles will ich sehen und erleben. Später. Jetzt aber geht es vom Flughafen ins Hotel. Und danach direkt zum Camp Nou. Die Metro-Verbindung von unserer Herberge zum Stadion habe ich bereits zuhause in Offenbach rausgesucht. Gut vorbereitet eben.

So betrete ich nur knapp drei Stunden nach der Landung das Museum des ruhmreichen FC Barcelona. Mit feuchten Händen. Alles ist beeindruckend, alles ist aufregend. Die stolzen Katalanen haben tatsächlich jede Erinnerung an den Verräter Luís Figo aus ihren heiligen Hallen gebannt. Nicht auf einem einzigen Foto ist der ehemalige Starspieler noch zu sehen. Dann der absolute Höhepunkt. Wir entdecken ein Plakat, das ein Freundschaftsspiel Barcelonas gegen Kickers Offenbach ankündigt. Am 25. Dezember 1952.

Wir verlassen das Museum. Meine Frau schenkt mir ein Barça-Trikot. Keine Sponsorenwerbung auf der Brust, dafür steht "Markus" auf dem Rücken, Nummer 12. Ich bin glücklich. Das Schicksal meint es gut mit mir: Am nächsten Tag spielt der FC Barcelona im Halbfinal-Rückspiel der "Copa del Rey" gegen Celta Vigo. Wir kaufen Eintrittskarten. Ganz schön teuer hier. 7.500 Peseten, umgerechnet 45 Euro, und das sind nicht mal die besten Plätze. Zuhause ist Fußball günstiger. Aber egal.

Am nächsten Abend fahren wir also wieder Richtung Stadion. Irgendwie gehören wir schon fast dazu. Vor dem Spiel essen wir in einer Bar Tapas und trinken Bier von "Estrella Damm". Fast wie echte Katalanen. Dann gehen wir ins Camp Nou. Generell neige ich dazu, viel zu früh ins Stadion zu gehen. Aus Angst, ich könnte etwas verpassen. Ich stelle fest, dass diese Ängste dem gemeinen Barça-Fan fremd sind. Erst kurz vor Spielbeginn füllen sich die Ränge. So bleibt genügend Zeit, das gigantische, fast noch leere Rund zu genießen. Und eine "Botifarra" zu essen.

Am Ende sehen 45.000 Zuschauer eine ziemlich langweilige Partie. Barcelona hat das Hinspiel 3:1 verloren. Die mit den holländischen Stars Cocu, Frank de Boer, Kluivert, Overmars, Reiziger und Zenden gespickte Söldnertruppe quält sich lustlos über den Rasen. Celta geht in der zweiten Minute in Führung, Kluivert gleicht drei Minuten später aus. Das wars. Vigo steht verdient im Pokalfinale. Kein Grund zum Feiern also für die erfolgsverwöhnten "Culés". Nach dem Schlusspfiff erheben sich alle von ihren Plätzen. Plötzlich brandet tosender Applaus auf. Auf dem Spielfeld bilden Barcelonas Spieler einen Kreis, heben einen der ihren auf die Schultern. 

Erinnerst Du dich noch an Pep Guardiola? Der Zufall will es, dass wir an diesem Abend des 24. Juni 2001 das letzte Spiel der Klublegende im Barça-Trikot sehen. Nach 17 Jahren verlässt er seinen Verein, halb im Streit mit Trainer Serra Ferrer und Präsident Joan Gaspart. Die Schlagzeile der Zeitung "Sport" am nächsten Morgen ist nicht etwa dem Pokal-Aus der Katalanen gewidmet, sondern Guardiolas Abschied. "Adeu Pep!" Die Zeitungsausschnitte klebe ich zuhause in mein Fotoalbum. Kostbare Erinnerungen an meinen Abend mit Pep Guardiola.

Sechs Jahre später wird Pep nach Barcelona zurückkehren. Aber das ist eine andere Geschichte, und auch die ist bereits wieder Geschichte. 

Am Mittag des 24. Juni 2013, auf den Tag genau 12 Jahre nach unserer Begegnung, sagt Guardiola "Guten Tag und Grüß Gott, meine Damen und Herren". Das aber wird eine neue Geschichte.

An English version of this article was published at "The Football Pink"

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