3. April 2017

Clássico bringt keine Vorentscheidung

Wie schon im Vorjahr ist das Titelrennen in Portugal auch in dieser Saison ungemein spannend. Stritten sich die Adler aus Lissabon in der vergangenen Spielzeit mit dem Lokalrivalen Sporting bis zur letzten Minute um den Titel, ist diesmal wieder der FC Porto der ärgste Widersacher.

Acht Spieltage vor dem Saisonende trennte die beiden Erzrivalen ein Punkt, entsprechend groß war die Spannung, mit der die Partie am Samstagabend im restlos ausverkauften Estádio da Luz erwartet wurde.

Doch zuvor war Entspannung angesagt, denn das fast schon sommerliche Wetter lockte am Vormittag nicht nur uns aus der Hauptstadt zu einem Strandspaziergang an der Küste von Estoril. Zurück in Lissabon, blieb bei einem ausgiebigen Mittagessen noch immer genügend Zeit, die Chancen der beiden Teams ausführlich zu bewerten.

17. März 2017

Servus, Cappo!

Auch wenn es nicht völlig überraschend kam, war es für mich sehr traurig, heute die Nachricht über das Karriereende von Christian Cappek zu lesen. Im zarten Fußballalter von nur 26 Jahren muss der Stürmer vor einer bevorstehenden dritten Knieoperation seine Kickstiefel für immer an den Nagel hängen.

In Offenbach denkt so mancher wehmütig an die Zeit zurück, in der Cappo für den OFC auf Torejagd ging und mit seinen Treffern einen wichtigen Teil zur Meisterschaft 2015 beitrug.

In bester Erinnerung ist vielen noch das erste Regionalligaspiel im Juli 2013 in Koblenz, vor dem kaum einer von uns auch nur Cappos Namen kannte. Neunzig Minuten und zwei Tore später hatte sich das grundlegend geändert.

Nicht nur für mich blieb Cappo auch nach seinem Wechsel einer von uns. Der Stürmer mit dem Milchstraßen-Tattoo auf dem linken Arm war hier im Blog Rot & Weiß zwei Jahre lang der "Coverboy". Aus gutem Grund ist ihm im Buch 111 Gründe, Kickers Offenbach zu lieben ein eigenes Kapitel gewidmet, in dem sich unter anderem diese Zeilen finden:

"Binnen zwei Jahren avancierte der kampfstarke Stürmer zum Publikumsliebling, und das nicht alleine wegen seiner 21 Treffer, die er in 63 Pflichtspielen für die Kickers erzielte. Denn „Cappo“, wie er bis heute in Offenbach liebevoll genannt wird, brachte Eigenschaften mit, die auf Biebers Höhen seit jeher hoch im Kurs stehen. Der gebürtige Augsburger mag technisch vielleicht nicht ganz auf Augenhöhe mit einem Cristiano Ronaldo spielen, sein Durchsetzungsvermögen und sein großes Kämpferherz jedoch eroberte das Publikum im Sparda-Bank-Hessen-Stadion im Sturm.

Für deinen neuen Lebensabschnitt die besten Wünsche, Cappo! Werde schnell gesund und lass dich mal wieder in Offenbach blicken.

9. März 2017

Angst essen Seele auf

Gestern um diese Zeit war die Welt noch in Ordnung. Nach dem etwas glücklichen 1:0 im Hinspiel vor drei Wochen reiste Benfica mit der nicht völlig unbegründeten Hoffnung nach Dortmund, wie im Vorjahr das Viertelfinale der Champions League zu erreichen.

Auf unserer verregneten Fahrt ins Ruhrgebiet war die Ausgangslage klar: ein Auswärtstor musste her, denn dass die Adler 90 Minuten im Signal-Iduna-Park ohne Gegentor überstehen würden, mochte keiner so recht glauben.

Zwei Stunden vor dem Anpfiff sind wir in Dortmund und finden direkt vor dem Stadion einen Parkplatz. Sieben Euro Parkgebühr sind zwar happig, aber so viel Luxus allemal wert, dachten wir zu dieser frühen Stunde und machten uns frohen Mutes auf den kurzen Weg ins Stadion.

Aus gutem Grund zählt das frühere Westfalenstadion zu den Fußballtempeln des alten Kontinents. Die Ränge sind ebenso steil wie Ehrfurcht erweckend, die Menschen auf den Tribünen sind Fans und keine Kunden. Das Spiel von der Kurve links neben der Südtribüne aus zu verfolgen, hätte mir unter anderen Umständen einen unvergesslichen Abend beschert. Wenn man es aber mit dem Gegner der Borussen hält, hat dieser Standort stimmungstechnisch natürlich seine Nachteile. So weit oben unter dem Dach saßen wir dazu, dass die Perspektive an den Blick aus einem Flugzeug erinnerte. Den uns genau gegenüberliegenden Gästeblock konnten wir zwar hören, aber nicht sehen.

4. März 2017

Kevins schweres Kreuz

Ob Donald Trump oder Sarah Lombardi. In einer Endlosschleife geistern die immer gleichen Namen durch die Gazetten. So auch Kevin Großkreutz. Der 28 Jahre alte Pöhler aus Dortmund ist Stammgast in den Schlagzeilen.

In eine Hotellobby hat er gepinkelt, mit Döner geworfen, und jetzt mitten in der Nacht im an sich beschaulichen Stuttgart ganz offensichtlich auf die Fresse bekommen. All das begleitet von einer gehörigen Portion öffentlicher Erregung.

Es ist also keine neue Sau, die durchs Dorf getrieben wird. Kevin Großkreutz ist ein Wiederholungstäter, die geneigte Öffentlichkeit weiß um wen es geht. Fast jeder hat eine Meinung, egal auf welch schmalem Fundament sie gründet.

Kritische Geister werfen ihm vor, dass man als Erwachsener und hoch bezahlter Fußballprofi nicht mit Nachwuchsspielern nachts um die Häuser zieht und sich dann auch noch prügelt. Für sie ist Großkreutz seiner Vorbildfunktion wieder einmal nicht gerecht geworden.

Seine Fans lieben ihn genau dafür. Er ist einer von ihnen. Einer, der sich noch nicht in der spaßfreien politischen Korrektheit verloren hat. Schließlich haben selbst Kaiser Franz und Bomber Müller in Zeiten, die heute oft als „Tradition“ verklärt werden, den Überlieferungen nach ab und an nicht immer jugendfrei die Puppen tanzen lassen.

24. Februar 2017

Morgen ein König

Während in dieser Woche noch die letzten Hinspiele des Achtelfinales der Champions League ausgetragen wurden, stehen in der UEFA Youth League die Teilnehmer der Runde der letzten acht bereits seit Mittwoch fest.

Die UEFA Youth League wurde 2014 gegründet, sie wird in der Gruppenphase parallel zu den Begegnungen der Königsklasse ausgetragen.

Teilnahmeberechtigt sind die U19-Teams all jener Vereine, die sich für die Gruppenphase der Champions League qualifiziert haben. Gespielt wird in der Regel am Nachmittag des gleichen Tages, an dem sich abends die "Großen" gegenüberstehen.

Zusätzlich zu dem 32 Mannschaften starken Teilnehmerfeld der Gruppenphase treffen im sogenannten "Meisterweg" in zwei K.o.-Runden die Jugendmeister der 32 höchstplatzierten UEFA-Verbände aufeinander, deren Klubs sich nicht bereits über die Champions League qualifiziert haben.

15. Februar 2017

Weiter, immer weiter...

Es ist immer noch früh im Jahr, und während die Regionalliga weiter im Winterschlaf liegt, rollt in Portugal zuverlässig der Ball.

Gleich zwei Heimsiege von Benfica durfte ich diesmal erleben. Relativ entspannt in der Liga gegen Arouca, und dann natürlich vier Tage später ganz großes Gefühlskino im Schlager in der Champions League gegen Borussia Dortmund.

Textlich aufbereiten werde ich das Ganze nach dem Rückspiel in Dortmund am 8. März, für das ich über verschlungene Pfade doch an Tickets gekommen bin. Weil es aber wieder so schön war, hier wenigstens einige Fotos.

29. Dezember 2016

Alte und neue Kapitel

Wenige Stunden nur noch, dann ist auch 2016 ein weiteres Kapitel in den Geschichtsbüchern.

Bevor wir jedoch das Jahr endgültig zu den Akten legen, eine kurze Rückschau und ein Blick auf 2017.

Gut 300 Beiträge sind inzwischen im Blog erschienen. In den letzten zwölf Monaten habe ich Chroniken über kleine und große Partien in Deutschland, Portugal, Luxemburg und Holland geschrieben.

Ich habe Bücher vorgestellt und meinem Herzen im einen oder anderen Kommentar Luft gemacht. Ein im September veröffentlichtes Ranking von bwin zählt meinen Blog zu den 30 besten Fußballblogs in Deutschland und Österreich.

Abseits des Internets ist im Mai das Buch "111 Gründe, Kickers Offenbach zu lieben" erschienen. Während der EM habe ich für das DFB-Fanzine Helmut geschrieben, dazu Beiträge in den Magazinen ballesterer und Zeitspiel veröffentlicht.

23. Dezember 2016

Ein Wochenende in Amsterdam

Am Schluss des Fußballjahres 2016 stand am vergangenen Wochenende ein Ausflug in die niederländische Eredivisie.

Bevor wir am Sonntag Rekordmeister Ajax besuchten, machten wir am Freitagabend einen Abstecher in die Jupiler League, der zweiten Division des Landes.

25 Kilometer nordöstlich vor den Toren von Amsterdam liegt Volendam, ein gediegener Badeort am Ijsselmeer mit 22.000 Einwohnern, der sich eine Woche vor Weihnachten festlich herausgeputzt hat. Das keine 300 Meter Luftlinie vom Strand entfernte Kras Stadion liegt inmitten eines Wohngebiets, schmucke Einfamilienhäuser flankieren zu beiden Seiten die Tribünen. Dank der holländischen Abneigung gegen Gardinen gleicht der Weg zum Stadion einem Bummel durch ein Magazin der Kategorie Schöner Wohnen.

Nicht nur durch seine Lage erinnert das Kras Stadion des FC Volendam an Bilder, die wir alle aus dem England früherer Tage im Kopf haben. Die Spielstätte ist verwinkelt, es wurde wohl öfter an- und umgebaut, die Fassaden sind aus Backstein, die Tribünendächer aus Wellblech. Kurzum: eine Wohlfühloase für Romantiker.

12. Dezember 2016

Unvergleichlich

"Incomparável" (Unvergleichlich) stand auf einem der riesigen Banner, die vor dem Anpfiff des Lissabonner Stadtderbys zwischen Benfica und Sporting auf der Südtribüne gezeigt wurden. Und damit lagen die Fans im restlos ausverkauften Estádio da Luz zweifellos richtig.

Das Derby ist nun mal das Derby, kein anderes Spiel kann da mithalten. Kein Partie in der Champions League, nicht einmal die emotionsgeladenen Begegnungen mit dem FC Porto. Aus gutem Grund war meine bessere Hälfte eigens für dieses Spiel übers Wochenende in die portugiesische Hauptstadt gekommen.

Schon während unseres ausgiebigen Mittagessens kannten die Fernsehsender kein anderes Thema mehr, als eben das Derby. Zwei Stunden vor dem Anpfiff war die Metro überfüllt, auf den Rängen knisterte es vor Spannung. Nach zwei Niederlagen in Folge war die Stimmung bei Benfica angespannt. Gerade einmal zwei Punkte trennten die beiden Erzrivalen voneinander, eine Pleite gegen die von Benficas ehemaligem Trainer Jorge Jesus betreuten Nachbarn würde den Verlust der Tabellenführung bedeuten.

7. Dezember 2016

Glanzlos ins Achtelfinale

Letzter Spieltag in der Gruppenphase der Königsklasse. Vor den abschließenden Begegnungen lagen der SSC Neapel und Benfica mit jeweils acht Punkten auf den Plätzen eins und zwei, Besiktas folgte mit nur einem Zähler Abstand. Lediglich Dynamo Kiew stand mit zwei Punkten bereits als Gruppenletzter fest.

Die Ausgangslage für Benfica war damit klar. Wenn irgend möglich, sollte ein Sieg gegen den SSC Neapel her. Doch selbst eine Niederlage könnte zum Weiterkommen ausreichen, falls der türkische Meister in Kiew nicht gewinnen sollte.

Dass all diese Rechenspiele nötig wurden, lag in erster Linie an Besiktas, das in beiden Partien gegen Benfica jeweils in den Schlussminuten den Ausgleich schaffte. Auch dass die Türken gegen Neapel gleich vier Punkte holen würden, hatte zumindest ich nach der Auslosung nicht auf dem Zettel.

Bevor es im Estádio da Luz ums Überwintern in der Champions League ging, hatte ich am Mittag auf meine alten Tage einen ersten Fernsehauftritt. Im TV-Kanal der größten portugiesischen Sportzeitung A Bola durfte ich während einer halbstündigen Gesprächsrunde erzählen, wie es dazu kam, dass ich als Deutscher Mitglied und Dauerkarteninhaber bei Benfica bin. Die Fankulturen in Portugal und Deutschland sowie die unterschiedlichen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im globalen Fußballgeschäft waren weitere Themen. Das Ganze hat viel Spaß gemacht und schmeichelt natürlich auch ein wenig dem Ego.

4. Dezember 2016

Sonntags im Pina Manique

Selbst in Portugal scheint nicht immer die Sonne. Seit Freitag schüttet es in Lissabon wie aus Kübeln. In den Straßen schaukelt die Weihnachtsbeleuchtung im Atlantikwind und kämpft einen stillen Kampf gegen den grauen Regenschleier, der sich über die Stadt gelegt hat.

Entsprechend leer ist am Sonntag die Buslinie 711, die mich zum Estádio Pina Manique bringt. Das halbe Land sitzt zu dieser Stunde mit einer guten Flasche Rotwein am Mittagstisch und freut sich auf die anschließende Siesta. Doch wer sich trotzdem auf die Straße wagt, wird belohnt. Zaghaft kämpfen sich die ersten Sonnenstrahlen durch die Wolkendecke. Als ich am Stadion ankomme ist der Himmel beinahe wieder so blau, wie es die Tourismuswerbung verspricht.

Fast ein wenig erschrocken blickt mich der betagte Herr im Kassenhäuschen an, als ich nach einer Eintrittskarte frage. Welcher Sektor es denn sein darf, möchte er wissen. Eine Frage, auf die ich keine Antwort habe, denn ich bin zum ersten Mal im Pina Manique. Ob ich denn zu Casa Pia oder zu Oriental halten würde, lautet seine nächste Frage, die ich mir selbst noch garnicht gestellt habe. Dass ich mich für die Heimmannschaft entscheide, wird mit einem wohlwollenden Kopfnicken quittiert. Statt eines regulären Tickets für acht Euro bekomme ich ein Mitgliederbillet für drei Euro und darf auf der Haupttribüne Platz nehmen, die eigentlich den Sócios von Casa Pia vorbehalten ist.

2. Dezember 2016

Bilder für die Ewigkeit

Mitten im Herzen von Lissabon liegt in der Rua Jardim do Regedor die ehemalige Geschäftsstelle von Benfica. Das im 19. Jahrhundert ursprünglich als Wohnhaus errichtete Gebäude beherbergte von 1918 bis 1928 den Bristol Club, seinerzeit einer der angesagtesten Nachtklubs der portugiesischen Kapitale.

Nachdem Benfica das Eckhaus 1933 übernommen hatte, diente es bis Anfang der 2000er-Jahre als Geschäftsstelle und Treffpunkt der Mitglieder.

Doch mit dem Umzug ins neue Estádio da Luz teilte die verlassene Geschäftsstelle das Schicksal vieler historischer Gebäude im Stadtzentrum. Es stand leer und bröckelte langsam vor sich hin. 2016 dann die Wende zum Guten: Unter Federführung der vereinseigenen Stiftung Fundação Benfica wurde das Gebäude restauriert und wird jetzt unter anderem für temporäre Ausstellungen genutzt, die selbst im riesigen Klubmuseum am Stadion keinen Platz mehr finden.

Den Anfang machte in diesem Sommer eine Ausstellung mit Arbeiten von Roland Oliveira. Der 2007 verstorbene Fotoreporter begleitete Benfica über fünf Jahrzehnte hinweg für die Vereinszeitung O Benfica und dokumentierte in dieser Zeit das Klubleben wie kein zweiter.

29. November 2016

Die Ruhe vor dem Sturm

Bevor in der nächsten Woche zwei richtige Kracher auf dem Spielplan stehen, hatte Benfica an diesem Sonntag eine jener ungeliebten Pflichtaufgaben vor der Brust, die dem geneigten Fan schon Tage vorher ein leichtes Magengrummeln bescheren.

Als Tabellensechzehnter kam Abstiegskandidat Moreirense zum Rekordmeister, drei Punkte für die Adler waren also Pflicht. Wie böse solche Spiele ab und zu in die Hose gehen können, ist hinlänglich bekannt.

Für die Spieler von Coach Rui Vitória galt es zudem, das unglückliche 3:3 bei Besiktas aus den Köpfen zu bekommen, bei dem nicht nur ein Drei-Tore-Vorsprung, sondern auch die vorzeitige Qualifikation für die K.o.-Runde der Champions League verspielt wurde.

Bei frühlingshaften Temperaturen erlebten dann aber fast 56.000 Zuschauer einen ausgesprochen entspannten Fußballabend. Bereits nach Pizzis erstem Treffer nach einer halben Stunde war die Partie praktisch entschieden, denn die Gäste agierten einfach zu harmlos. Wieder Pizzi nach einer Stunde und Raúl kurz vor dem Schlusspfiff sorgten für den komfortablen Endstand.

6. November 2016

Geisterstunde am Nachmittag

Die Woche begann mit einer Überraschung bei der mit viel Spannung erwarteten Mitgliederversammlung der Kickers am Montag:

Mit den Worten "Wir wollen keine Satzungsänderung" kassierte Vize Relic die zuvor vom Präsidium selbst beantragte Zwangsumlage für die OFC-Mitglieder und vollzog damit eine Kehrtwende um 180 Grad. Zu groß waren wohl nach den zum Teil heftigen Reaktionen im Vorfeld die Bedenken der Kickersbosse, mit ihrem Antrag zu scheitern.

Nun sollen wieder einmal Spenden dazu beitragen, die Schuldenlast zu mindern, die noch immer schwindelerregende 4,4 Millionen Euro beträgt. Sie könnte um 900.000 Euro gesenkt werden, falls die dafür benötigten 85.000 Euro zusammen kommen. Das wäre sicher ein Schritt in die richtige Richtung, jedoch kein Anlass zur Euphorie.

Dass der OFC in einer Pressemitteilung davon spricht, der Klub könne damit "endgültig auf gesunde Füße" gestellt werden, scheint mir jedenfalls sehr optimistisch. Denn noch immer bleiben dann 3,6 Millionen Verbindlichkeiten, die eines Tages bedient werden müssen. Da hilft es wenig, dass diese Schulden auf die GmbH übertragen werden sollen, die erst vor kurzem mit Ach und Krach um die zweite Insolvenz binnen drei Jahren herumgekommen ist. Wie gewaltig die Summe ist, zeigt ein Blick auf den Gesamtetat, der gerade einmal 2,6 Millionen pro Jahr beträgt.

26. Oktober 2016

Lissabonner Leiden im ballesterer

Neben dem Zeitspiel gehört der österreichische ballesterer für mich zu den lesenswertesten Fußballmagazinen im deutschsprachigen Raum.

Für ihre Novemberausgabe sind die Wiener nach Glasgow gereist und beschäftigen sich in der Titelgeschichte ausführlich mit der historischen Rivalität zwischen Celtic und den Rangers. Weitere Themen sind die neue Spielstätte von West Ham, Probleme beim AC Pisa oder der Frauenfußball in Deutschland und Spanien.

Erstmals stammt in der aktuellen Ausgabe auch ein Artikel aus meiner Feder. Auf drei Seiten beschreibe ich die "Lissabonner Leiden" der beiden Drittligisten Atlético und Oriental. Aufnahme im Autorenteam des ballesterer gefunden zu haben, macht mich offen gestanden ein klein wenig stolz. Als ich im Mai 2013 den ersten Artikel hier im Blog veröffentlicht habe, hätte ich jedenfalls nicht geglaubt, dass es einmal so weit kommen würde.

Auch sonst wird es künftig mehr von mir auf bedrucktem Papier zu lesen geben. Für das Zeitspiel-Magazin fahre ich am kommenden Samstag zum Saarderby nach Homburg, weitere Beiträge sind schon in Planung.

ballesterer
Magazin zur offensiven Erweiterung des Fußballhorizonts
Erhältlich im gut sortierten Zeitschriftenhandel und als E-Paper im Austria Kiosk der APA (www.kiosk.at/ballesterer)

22. Oktober 2016

Achterbahn der Gefühle

Es ist eine Weile her, seit ich zuletzt über den OFC geschrieben habe. Anfang September war das, nach dem 3:1 gegen den FK Pirmasens trennten die Kickers fünf Punkte vom ersten sicheren Nichtabstiegsplatz.

Neun Spieltage später hat sich rein sportlich wenig verändert. Der Rückstand auf den rettenden 13. Tabellenrang beträgt zwar nur noch zwei Punkte, doch der OFC steckt weiter mitten im Abstiegskampf.

Abseits des Spielfelds hat sich einiges getan. In zehn Tagen beginnt mit Christopher Fiori ein neuer Geschäftsführer sein Tagwerk auf Biebers Höhen. Obwohl der gebürtige Frankfurter erst Anfang diesen Monats sein Kind in der Stadionkapelle der Commerzbank-Arena taufen ließ, wünsche ich ihm für sein Amt viel Fortune. Er wird sie brauchen.

Am meisten die Gemüter erregt hat in den vergangenen Wochen die geplante Zwangsabgabe für Vereinsmitglieder, die in diesem und im kommenden Jahr mit jeweils einem zusätzlichen halben Jahresbeitrag zur Kasse gebeten werden sollen. In Summe macht das schlanke 108 Euro pro Kickersnase. Dass es vielleicht nicht die klügste Idee des Präsidiums war, nach all den Preiserhöhungen und Spendenaktionen der vergangenen Monate nun die Treusten der Treuen auch noch zu einer Zahlung zwingen zu wollen, war in letzter Zeit in den Sozialen Medien nachzulesen.

3. Oktober 2016

Schöne Aussichten

Langsam aber sicher gehen die Ferien ihrem Ende entgegen. Zu unserem vorübergehenden Abschied vom Estádio da Luz empfing Benfica gestern Nachmittag den Aufsteiger CD Feirense. Für uns eine Begegnung mit besonders angenehmem Rahmenprogramm.

Vor dem Anpfiff waren wir bei Freunden zum Mittagessen eingeladen, von deren Esstisch aus wir einen traumhaften Blick auf das Stadion von Benfica genießen durften. Während wir uns noch Speis und Trank schmecken ließen, füllte sich zu unseren Füßen bereits langsam die Kathedrale des portugiesischen Fußballs.

Trotz der Niederlage in Neapel unter der Woche herrschte bei herrlichem Fußballwetter rundum große Zuversicht. Tags zuvor hatte Sporting in Guimarães einen Dreitorevorsprung verspielt und musste sich am Ende mit einem Punkt zufrieden geben. Den Adlern bot sich demnach die Chance, mit einem Sieg den Abstand auf die Verfolger auf drei Punkte zu vergrößern.

20. September 2016

Von der Algarve an die Tabellenspitze

Die heutige Chronik beginnt 270 Kilometer entfernt vom eigentlichen Ort des Geschehens, denn die letzten Sommertage verbringen wir wie immer in Alporchinhos.

Die Schulferien in Portugal sind vorüber, und die Algarve ist jetzt wieder das, wofür sie einst berühmt geworden ist: Ein Paradies mit traumhaften Stränden, großartigem Essen und einem Klima, das in Europa seinesgleichen sucht.

Daran, einen Spieltag mit einem ausgedehnten Strandspaziergang bei 28 Grad zu beginnen, könnte ich mich durchaus gewöhnen. Nach einem kleinen Mittagessen setzten wir uns in unseren Mietwagen und fuhren zurück in die Hauptstadt, die wir erst am Freitag verlassen hatten. Die Strecke auf der A2 durch die weiten Ebenen des Alentejo in Richtung Norden ist der reine Fahrspaß, bis kurz vor Lissabon begegnen wir kaum einem anderen Auto. Zu verdanken ist dieses Vergnügen in erster Linie den gesalzenen Mautgebühren in Portugal. Die einfache Strecke von Albufeira bis Lissabon kostet mehr als 20 Euro, was den Fahrspaß dann doch wieder ein wenig trübt.

14. September 2016

Stolperstart in die Königsklasse

Fünf Monate sind vergangen seit dem letzten Auftritt von Benfica in der Champions League. Eine rauschende Ballnacht war das seinerzeit, nach dem 2:2 im Estádio da Luz schieden die Adler im Viertelfinale nur knapp gegen den FC Bayern aus.

Es ist mittlerweile schon zur Tradition geworden, dass ich beim ersten Gruppenspiel der neuen Saison im Benfica-Stadion mit von der Partie bin. Diesmal noch dazu mit dem ganz besonderen Gefühl, zum ersten Mal meinen neuen Stammplatz einzunehmen, denn für diese Spielzeit haben sich meine bessere Hälfte und ich Dauerkarten für die Kathedrale des portugiesischen Fußballs gegönnt.

Um die Wartezeit auf den Anpfiff zu verkürzen, machte ich mich schon zur Mittagszeit auf den Weg. Nicht direkt ins Estádio da Luz, sondern nach Seixal. Dort, am Südufer des Tejo, hat Benfica fast auf den Tag genau vor zehn Jahren die Caixa Futebol Campus eröffnet. Ein Trainingszentrum, in dem es praktisch an nichts fehlt. Auf 15 Hektar Gelände steht dort ein Stadion mit 2.700 Sitzplätzen, in dem die B-Mannschaft der Adler ihre Heimspiele in der Zweiten Liga austrägt. Hinzu kommen fünf Trainingsplätze, ein Hotel für Profis und Nachwuchs mit 190 Betten, Fitnessräume, Schwimmbäder, Restaurants und sogar ein Studio für den vereinseigenen Fernsehsender.

6. September 2016

Zwei Joker, zwei Punkte

Waren das noch Zeiten, als ich auf dem Weg zum Bieberer Berg über das Wetter sinnierte oder mir Gedanken zum bevorstehenden Spiel machte. Und eigentlich sollten dieser wunderbare Spätsommer sowie die zwei Niederlagen aus den letzten drei Spielen genügend Stoff für die Einleitung zu dieser Chronik bieten, zumal die Kickers am Dienstagabend mit dem FK Pirmasens einen unbequemen Gegner erwarteten.

Doch angesichts der nicht enden wollenden Nebengeräusche rund um den Waldemar-Klein-Platz trat das Sportliche zunächst wieder einmal in den Hintergrund.

Am vergangenen Donnerstag sorgte ein Leserbrief in der Offenbach-Post für Aufsehen. In diesem Brief schilderte ein Anhänger seine vergeblichen Versuche, eine Loge für das Pokalspiel zu mieten. Schon zuvor hatte ein Bekannter von mir geklagt, dass es ihm nicht gelungen ist, für diese Begegnung sechs Gold-Karten zu kaufen. Dass die VIP-Bereiche am Ende alles andere als gut gefüllt waren, ist hinlänglich bekannt. In den Augen all jener, die "Alles auf Rot-Weiß"-Pakete erworben oder sich an anderen Rettungsaktionen beteiligt haben, muss das wie der blanke Hohn wirken.