25. Februar 2018

Paços de Ferreira - Benfica 1:3

Eine denkwürdige Woche liegt hinter uns, die die Misere der portugiesischen Liga in ihrem ganzen Ausmaß offenbart hat. Am Montag trat Sporting Lissabon in Tondela an, nach der regulären Spielzeit stand es 1:1. Vier Minuten Nachspielzeit wurden angezeigt, es blieb einstweilen beim Unentschieden. Also ließ Schiedsrichter João Capela einfach solange weiterspielen, bis Sporting endlich traf. In der 99. Minute war es soweit: Coates gelang das 1:2, das die Chancen im Titelrennen wahrte. Der Unparteiische beendete die Partie unmittelbar nach dem Treffer.

Am Mittwoch wurde dann die zweite Halbzeit der Begegnung Estoril Praia gegen den FC Porto ausgetragen. Zur Erinnerung: Das Spiel hatte am 15. Januar begonnen, die Gastgeber führten zur Halbzeit mit 1:0. In der Pause strömten Porto-Fans auf das Spielfeld, die Partie wurde wegen angeblicher Sicherheitsmängel auf der Gästetribüne unterbrochen und an diesem Abend nicht mehr fortgesetzt. 37 Tage (!) später dann die zweiten 45 Minuten. Nun hatte Estoril während der Transferperiode im Januar einige Spieler verloren, durfte aber jetzt die Neuzugänge nicht einsetzen, da sie am 15. Januar noch nicht im Kader standen.

Der FC Porto gewann locker mit 1:3 und baute seinen Vorsprung an der Tabellenspitze auf fünf Zähler aus. Das könnte durchaus eine Vorentscheidung im Kampf um den Titel gewesen sein. Jedenfalls ist bis dato jede Mannschaft, die nach dem 23. Spieltag in Portugal einen Fünf-Punkte-Vorsprung hatte, auch Meister geworden.

17. Februar 2018

Benfica - Boavista 4:0

Während der FC Porto und Sporting Lissabon unter der Woche in der Champions bzw. der Europa League ran mussten, konnten die Adler das Ganze entspannt vom Sofa aus verfolgen, waren sie doch bereits in der Gruppenphase der Königsklasse ohne Punktgewinn gescheitert.

Nach wie vor streiten sich die Experten darüber, ob das im Endspurt um den Meistertitel ein Vor- oder Nachteil sein wird. Natürlich sind die Akteure von Benfica ausgeruhter als ihre Kollegen, die noch in den internationalen Wettbewerben tätig sind. Andererseits gibt es genügend anerkannte Übungsleiter, die lieber unter der Woche gegen oft sehr attraktive Gegner antreten, statt ihre Mannschaften sieben Tage lang im Training bei Laune zu halten.

Verzichten muss Benfica-Trainer Rui Vitória neben dem Langzeitverletzten Filip Krovinović jetzt auch auf Toto Salvio. Der Argentinier wurde unter der Woche bereits zum vierten Mal am rechten Knie operiert und fällt voraussichtlich bis März aus.

Gegner Boavista Porto kam als Tabellensechster ins Estádio da Luz. Aktuell liegt das Team von Coach Jorge Simão sechs Zähler hinter Rio Ave und macht sich durchaus noch Hoffnungen auf eine Qualifikation für die Europa League.

11. Februar 2018

Kickers Offenbach - SV Elversberg 3:0

Schon erschreckend lange habe ich an dieser Stelle nicht mehr über den OFC geschrieben. Der letzte Blogeintrag stammt tatsächlich vom September vergangenen Jahres. Das liegt zum einen natürlich daran, dass die Kickers seit mehr als zwei Monaten kein Pflichtspiel mehr bestritten haben. Zum anderen ist es dem Umstand geschuldet, dass ich in dieser Saison ein wenig bei der Pressearbeit aushelfe und darum auch ganz ohne Blog schon relativ häufig über den OFC schreibe.

Doch der offizielle Auftakt ins neue Fußballjahr soll natürlich auch hier nicht unbeachtet bleiben. Die Begegnung des Dritten gegen den Fünften der Regionalliga Südwest konnte getrost in die Kategorie "Spitzenspiel" eingeordnet werden, für beide Teams ging es an diesem Sonntag um eine ganze Menge.

Die Gäste aus Elversberg haben sich nach einem desaströsen Saisonstart mit drei Punkten und nur einem Treffer aus den ersten fünf Spieltagen beharrlich in die obere Tabellenregion gekämpft. Zudem hat sich der amtierende Meister bei seinen Gastspielen auf Biebers Höhen zu einer Art "schwarzen Bestie" für die Kickers entwickelt, die gegen die "Elv" keines ihrer bisherigen acht Heimspiele gewinnen konnten. Fünf Unentschieden waren bislang das höchste der Gefühle.

Portimonense - Benfica 1:3

Eine vergleichsweise ruhige Woche liegt hinter den Adlern, die an diesem Samstag bei Portimonense  antreten mussten. Nur 20 Kilometer von unserem Sommerdomizil in Armação de Pêra entfernt spielt der Aufsteiger bislang eine ziemlich starke Saison. Als Tabellenelfter haben die "Algarvios" sechs Zähler Vorsprung auf die Abstiegsplätze und brachten den amtierenden Meister in dieser Spielzeit bereits zweimal in arge Bedrängnis.

In der Hinrunde kam Benfica im September zu einem mühsamen 2:1-Heimerfolg, bei dem die Gäste bis zur 60. Minute in Führung lagen. Kurz vor Weihnachten erreichte Portimonense dann im Estádio da Luz ein 2:2 im Ligapokal und machte dabei einen Zwei-Tore-Rückstand wett.

Gecoacht wird der Aufsteiger von Vítor Oliveira, der in Portugal zu den schillerndsten Persönlichkeiten an der Seitenlinie zählt. Portimão ist bereits die 24. Station in der Karriere des 64-jährigen Übungsleiters, der sich auf Aufstiege in die 1. Liga spezialisiert hat.

Bereits mit zehn verschiedenen Klubs schaffte Oliveira den Sprung in die oberste Spielklasse, nur um anschließend jedesmal zu einem anderen Zweitligisten zu wechseln. Mit Arouca (2013), Moreirense (2014), União da Madeira (2015), GD Chaves (2016) und Portimonense (2017) stieg er zuletzt in fünf Spielzeiten hintereinander auf.

Doch scheinbar fühlt sich Oliveira an der Algarve so wohl, dass er in der vergangenen Sommerpause mit seiner Gewohnheit brach und Portimonense jetzt auch in der Liga NOS betreut. Offenkundig war die Verbundenheit zu dem Verein, bei dem der Trainer 1985 seine Spielerkarriere beendete, am Ende doch stärker als seine Wechselgelüste.

4. Februar 2018

Benfica - Rio Ave 5:1

Nachdem ich das Gastspiel der Adler am Montag bei Belenenses verpasst habe, konnte ich Benfica gestern endlich zum ersten Mal in diesem Jahr im Stadion spielen sehen.

Doch bis dahin gab es unter der Woche noch einigen Gesprächsstoff. Am Mittwoch endete die Transferperiode, als einziger der drei großen Klubs in Portugal hat Benfica seinen Kader nicht verstärkt.

Lisandro López (Leihe zu Inter Mailand), Filipe Augusto (Leihe zu Alanyaspor) und Gabriel Barbosa (FC Santos) haben den Verein verlassen. Ob die Adler damit im Titelrennen gut genug aufgestellt sind, werden die kommenden Partien zeigen.

Überraschend doch noch geplatzt ist der schon als sicher geltende Wechsel des erst 16-jährigen Nachwuchsspielers Úmaro Embaló zu RB Leipzig. Die Sachsen waren bereit, 20 Millionen Euro für den Youngster  zu zahlen, doch zusätzliche Gehaltsforderungen und die Beraterkommission ließen den Transfer in letzter Sekunde scheitern.

Für viel Aufregung sorgt dazu Vereinspräsident Luís Filipe Vieira, dessen Privaträume am Mittwoch ebenso von der Polizei durchsucht wurden, wie die Büros von Benfica. Einer ersten Stellungnahme der Staatsanwaltschaft zufolge geht es in dem Fall um Korruption, Geldwäsche, Einflussnahme und Steuerbetrug. Vieira gilt jetzt offiziell als Verdächtiger. Ein Thema, das uns sicher eine Weile beschäftigen wird.

30. Januar 2018

Belenenses - Benfica 1:1

Eigentlich hatte ich vor, mir die Partie bei Belenenses zusammen mit meiner besseren Hälfte im Estádio do Restelo anzusehen. Doch die Liga hatte etwas dagegen und verlegte das ursprünglich für Mittwoch angesetzte kleine Derby auf den Montag. So landeten wir erst 25 Minuten nach dem Anpfiff in Lissabon.

Dass Spielansetzungen in Portugal oft so kurzfristig erfolgen, macht Zuschauern mit einem etwas längeren Anreiseweg wie uns das Leben unnötig schwer.

Noch dazu war der Sonntag wegen des Finales im Ligacup am Tag zuvor spielfrei. Warum die Begegnung dann nicht wenigstens am Sonntagnachmittag statt am Montagabend um 21 Uhr angepfiffen wurde, bleibt das Geheimnis der Planer. Keine 10.000 Zuschauer auf den Tribünen waren das Ergebnis.

Genug geschimpft. Statt eine Chronik aus erster Hand zu schreiben, fasse ich kurz zusammen, was ich von Freunden über das Spiel gehört habe. Und das war wenig Gutes.

23. Januar 2018

Termine Liga NOS

Mittlerweile hat die Liga alle Partien von Benfica bis zum 25. Spieltag fest terminiert:

Os Belenenses - SL Benfica
Montag, 29. Januar (22 Uhr*)
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SL Benfica - Rio Ave FC
Samstag, 3. Februar (19.15 Uhr*)
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Portimonense - SL Benfica
Samstag, 10. Februar (21.30 Uhr*)
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SL Benfica - Boavista FC
Samstag, 17. Februar (19.15 Uhr*)
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FC Paços de Ferreira - SL Benfica
Samstag, 24. Februar (21.30 Uhr*)
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SL Benfica - Marítimo Madeira
Samstag, 3. März (19.15 Uhr*)
*Alle Anstoßzeiten MEZ

21. Januar 2018

Benfica - GD Chaves 3:0

Keine leichte Aufgabe erwartete Sport Lisboa e Benfica am 19. Spieltag der Liga. Der Grupo Desportivo Chaves zählt zwar nicht unbedingt zu den ganz großen Namen, doch die Nordportugiesen reisten mit einer Serie von acht Spielen ohne Niederlage ins Estádio da Luz.

Unter der Woche wurde Innenverteidiger Lisandro López bis Saisonende für 400.000 Euro an Inter Mailand ausgeliehen. Danach haben die Italiener eine Kaufoption, für die neun Millionen fällig wären.

So gut wie in trockenen Tüchern scheint der Wechsel des erst 16-jährigen Nachwuchsspielers Úmaro Embaló zu sein, für dessen Dienste RB Leipzig bereit ist, bis zu 20 Millionen an Benfica zu überweisen. Zu den Verhandlungen reiste Präsident Luís Filipe Vieira am Mittwoch eigens mit einem Privatflugzeug nach Leipzig, wo ihn zwei Reporter der Bild-Zeitung erwarteten. Besteht der Rechtsaußen in den kommenden Tagen den obligatorischen Medizincheck, ist der Deal wohl perfekt.

Das Duell mit dem Tabellensiebten aus der Region Trás-os-Montes (Hinter-den-Bergen) hatte in den letzten Tagen zusätzlich an Spannung gewonnen. Am Montag wurde die Partie des FC Porto bei Estoril Praia in der Halbzeit wegen Einsturzgefahr der Gästetribüne unterbrochen. Der Tabellenletzte führte zu diesem Zeitpunkt 1:0 gegen den bislang ungeschlagenen Spitzenreiter, die zweite Hälfte soll nun am 21. Februar gespielt werden.

14. Januar 2018

SC Braga - Benfica 1:3

Die Rückrunde der portugiesischen Liga begann für Benfica so, wie die Hinrunde endete, mit einer Reise in die Region Minho im äußersten Norden des Landes. Doch hatten die Adler am vergangenen Sonntag mit Moreirense eine Pflichtaufgabe vor der Brust, wartete an diesem Samstag mit dem Sporting Clube de Braga ein echtes Schwergewicht auf Trainer Rui Vitória und seine Jungs.

Als Tabellenvierter hatten die Minhotos vor der Begegnung nur drei Punkte Rückstand auf Benfica. Die Mannschaft von Trainer Abel Ferreira konnte nur zwei ihrer letzten zwölf Ligaspiele nicht gewinnen und ist aktuell deutlich besser in Form, als beim 3:1 zum Ligaauftakt im August vergangenen Jahres, das ich im Estádio da Luz gesehen habe.

Den meisten Fußballfreunden in Deutschland dürfte das Städtische Stadion in Braga zumindest von Bildern her ein Begriff sein. Die doch ziemlich ungewöhnliche Spielstätte ist praktisch in einen Felsen gehauen und hat lediglich zwei Tribünen mit 30.000 Plätzen. Nicht umsonst trägt sie den Spitznamen A Pedrera, der Steinbruch.

7. Januar 2018

Moreirense - Benfica 0:2

Nur vier Tage nach dem dramatischen Stadtderby von Lissabon trat Benfica heute beim Moreirense FC an. Ein echtes Wechselbad der Gefühle, das in Portugal zum Alltag gehört und den speziellen Reiz der Liga ausmacht.

Verfolgten am Mittwochabend 62.000 Fans das Derby im ausverkauften Estádio da Luz, bietet die Spielstätte in Moreira de Cónegos auf drei Tribünen lediglich Platz für 6.100 Zuschauer. Und das ist schon eine Menge, denn das 360 Kilometer nördlich von Lissabon gelegene Städtchen zählt nur 4.800 Einwohner.

Nicht nur bei den Spielstätten trennen beide Vereine Welten. Moreirense zählt 2.000 Mitglieder, bei Benfica sind es 197.000. Der Kader des vom erst 34-jährigen Sérgio Vieira trainierten Gastgebers hat einen Marktwert von 15 Millionen Euro, das Team von Rui Vitória wird von transfermarkt.de auf 166 Millionen taxiert.

Auch in seiner achten Saison in der höchsten Spielklasse kämpft der Moreirense Futebol Clube wieder um den Klassenerhalt. Als Tabellenvierzehnter hatten die Nordportugiesen vor der Partie zwei Punkte Vorsprung auf die Abstiegsplätze. Der bislang größte Triumph gelang den Minhotos in der vergangenen Spielzeit, als die seinerzeit noch von Augusto Inácio trainierte Mannschaft überraschend den Ligapokal gewann und dabei im Halbfinale auch Benfica ausschaltete.

4. Januar 2018

Benfica - Sporting 1:1

Das neue Jahr war keine 72 Stunden alt, schon wurde in Portugal mit dem Stadtderby von Lissabon zu einem der absoluten Saison-Highlights gebeten.

Anders als der FC Porto und Sporting Lissabon ist Benfica bereits vor Weihnachten aus allen drei Pokalwettbewerben ausgeschieden, ein Novum in der Vereinsgeschichte.

Als letztes Saisonziel bleibt die Titelverteidigung in der Liga, die das historische Penta, den fünften Meistertitel in Folge, bedeuten würde. Vor dem 16. Spieltag lagen die Adler drei Punkte hinter ihren beiden ewigen Rivalen auf dem dritten Tabellenplatz.

Wer nach dem EM-Titel im Sommer 2016 darauf hoffte, die Liga NOS würde die Gunst der Stunde nutzen und Werbung in eigener Sache machen, wurde bitter enttäuscht. Das Klima zwischen den drei Spitzenklubs ist vergiftet wie nie zuvor. So veröffentlicht der FC Porto seit Monaten gehackte E-Mails von Benfica. Ein selbst im skandalerprobten portugiesischen Fußball beispielloser Vorgang, der die Justiz noch Jahre beschäftigen wird.

Noch am Tag vor dem Derby forderte Sporting-Präsident Bruno de Carvalho in einem Zeitungsinterview den Zwangsabstieg der Adler. Zwar eilt Carvalho der Ruf voraus, dass sein Hass auf Benfica noch größer ist, als die Liebe zum eigenen Verein, der seit 15 Jahren vergeblich auf den Meistertitel hofft. Dem Klima rund um das Derby tat das Ganze trotzdem nicht gut.

29. November 2017

Die besten deutschsprachigen Fußballblogs

Wie schon im letzten Dezember angekündigt, ist es in diesem Jahr hier im Blog etwas ruhiger zugegangen. Das liegt hauptsächlich daran, dass ich gerade ein Buch über Benfica Lissabon schreibe, welches im kommenden Jahr im Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf erscheint. Zudem bin ich in dieser Saison auch wieder im Medienteam der Kickers aktiv, für den Blog bleibt da nicht all zu viel Zeit. Am Ende werden 2017 immerhin etwas mehr als zwanzig Beiträge zusammenkommen.

Um so mehr freut es mich, dass der Blog Rot & Weiß für bwin auch in diesem Jahr wieder zu den 30 besten Fußballblogs aus Deutschland und Österreich zählt. Wie schon im Vorjahr hat bwin Blogs ausgezeichnet, die sich dem Fußball aus ganz verschiedenen Perspektiven zu nähern. Lesenswert sind sie in meinen Augen alle. Wer ein wenig stöbern möchte, findet die Liste der Blogs hier.

2. Oktober 2017

Benficas schwarzer September

Drei Wochen war ich im September wieder in Portugal und hatte Gelegenheit, mir drei Heimspiele von Benfica im Estádio da Luz anzuschauen. Zu sehen gab es neben einem Tor des Jahres von André Almeida gegen Portimonense viel Durchschnittskost und die Erkenntnis, dass das Team den konstanten Aderlass der letzten Jahre schlicht nicht mehr kompensieren kann.

Mehr als eine halbe Milliarde Euro haben die Adler in den letzten fünf Jahren durch Transfers eingenommen. Alleine in diesem Sommer gab der Rekordmeister für 130 Millionen Spieler ab, verstärkte seine Mannschaft aber nur für knapp neun Millionen.

Wenn wir einmal unterstellen, dass die Verantwortlichen um Präsident Luís Filipe Vieira nicht von der Lust am eigenen Untergang getrieben sind, bleibt nur die Vermutung, dass das Geld zu einem guten Teil für den laufenden Spielbetrieb benötigt wird und für Verstärkungen nicht viel übrig ist.

20. September 2017

Spätsommer an der Algarve

Während sich in Mitteleuropa schon langsam der Herbst bemerkbar macht, lacht an der Algarve die Sonne vom Himmel, als wäre das Leben ein ewiger Sommer.

Rund 200 Zuschauer haben sich an diesem späten Sonntagnachmittag im noch ziemlich neuen Estádio Municipal de Armação de Pêra eingefunden, um ihr Team im Punktspiel gegen Pinhalnovense anzufeuern.

Ein Punktspiel der dritten portugiesischen Liga, die fernab jeder medialen Aufmerksamkeit ihr Dasein fristet. Das in fünf Staffeln unterteilte Campeonato de Portugal ist für die Vereine alles andere als ein Zuckerschlecken. Die fünf Meister und die drei besten Zweitplatzierten kämpfen am Ende der Saison um vier Aufstiegsplätze, satte sechs Mannschaften steigen aus jeder Spielgruppe mit jeweils 16 Teams ab. Wer sich ein wenig in den deutschen Regionalligen auskennt, dem kommt dieses Szenario vertraut vor.

3. September 2017

Der Herbst naht

Es fällt nicht leicht, Abschied vom August 2017 zu nehmen. Fünf Punktspiele hat der OFC in diesem wunderbaren Monat bestritten, und allesamt gewonnen.

Schon am Samstagmorgen ahnen sensible Gemüter, dass der September wohl die eine oder andere Veränderung mit sich bringt. Über Nacht ist es herbstlich geworden, die lieb gewonnenen kurzen Hosen bleiben im Schrank. Mit Jeans und Regenjacke machen wir uns auf den weiten Weg in den Schwarzwald, im Gepäck das Selbstbewusstsein eines ungeschlagenen Tabellenführers.

Trotz Staus und heftigem Regen unterwegs kommen wir eine knappe Stunde vor dem Spielbeginn in Freiburg an. Beschaulich, ja schon fast idyllisch ist es hier, wäre da nicht das stattliche Polizeiaufgebot samt Reiterstaffel, dass uns im lauschigen Waldstück vor dem Möslestadion empfängt. Ganz offenkundig ist man im Breisgau sehr um die Sicherheit seiner Gäste besorgt, auch wenn uns nicht ganz klar wird, welche Gefahren eigentlich auf uns lauern.

Denn die wenigen Einheimischen, die sich an diesem verregneten Samstag den Auftritt des Spitzenreiters aus Offenbach nicht entgehen lassen wollen, begegnen uns durchaus wohlwollend. Auf der Treppe zur kleinen Haupttribüne stehen Blumentöpfe, die dem tristen Nachmittag etwas Farbe verleihen. Oben angekommen werden zwar von einem Ordner die Freiburger nach links und die Gäste nach rechts dirigiert, am Ende sitzen aber doch alle bunt gemischt und freuen sich auf ein schönes Fußballspiel.

24. August 2017

Victoire à l'extérieur

Ganz erstaunlich, was der bislang beste Saisonstart der Kickers in die Regionalliga Südwest so alles bewirkt. Zehn Punkte aus den ersten vier Spielen katapultieren nicht nur den OFC in luftige Tabellengefilde, auch bei uns Fans sorgen sie für frisches Selbstbewusstsein und eine noch stolzer geschwellte Brust als sonst schon üblich.

Noch dazu haben wir im fünften Jahr in der Regionalliga unsere Lektionen gelernt. "Victoire à l'extérieur" lautet im Chat am Morgen vor dem Spiel im Saarland die Prophezeiung. Denn mit einem einfachen Auswärtssieg geben wir uns längst nicht mehr zufrieden, dreißig Kilometer vor der Grenze zu Frankreich zeigen wir uns gerne als Männer von Welt.

Entsprechend froh gestimmt gingen wir die Mission Elversberg an, schon um 15 Uhr verlassen wir unsere schöne Heimatstadt. Eine kluge Entscheidung, denn trotz der frühen Abfahrtszeit brauchen wir zweieinhalb Stunden für die Strecke und kommen exakt zur Öffnung der Stadiontore an. So bleibt in der Ursapharm-Arena genügend Muse für Worscht & Schobbe, deren Loblied ich hier im Blog schon so oft gesungen habe.

11. August 2017

Auftakt nach Maß für Benfica

Alljährlich im August liegt Lissabon im tiefen Sommerschlaf. In Stadtvierteln, in denen ansonsten fast rund um die Uhr das Leben pulsiert und die Parkplatzsuche schon mal eine Viertelstunde oder mehr in Anspruch nehmen kann, hat der Automobilist jetzt die Qual der Wahl. Restaurants und Geschäfte sind geschlossen, denn die Kundschaft macht Urlaub.

Es gibt nur wenig Gründe, dieser Tagen in der Hauptstadt zu sein, würde nicht schon wieder Fußball gespielt. Mitten in der Woche empfing Benfica am ersten Spieltag der portugiesischen Liga NOS den Vorjahresfünften aus Braga. Zum Auftakt gleich ein echter Härtetest für die Adler, für uns Grund genug, ein Köfferchen zu packen und für zwei Tage nach Lissabon zu fliegen.

Einige Fragezeichen stehen hinter der aktuellen Stärke des Rekordmeisters. Wie in jedem Sommer wurden mehrere Leistungsträger verkauft, allein die Transfers von Torhüter Ederson (Manchester City), Innenverteidiger Lindelöf (Manchester United) und Rechtsverteidiger Nelson Semedo (FC Barcelona) spülten mehr als hundert Millionen in die Kassen. Benfica hat also wieder eine Menge Geld eingenommen, dafür aber ein Problem in der Abwehr.

2. August 2017

Seid verschlungen, Millionen

Waren das noch Zeiten, als man nur zur Fernbedienung greifen musste, um in den heimischen vier Wänden ein paar nette Fußballstunden zu verbringen. Zunächst Premiere und danach Sky zauberten die Bundesliga und die Champions League, La Liga und die Premier League zuverlässig auf die Mattscheibe.

Die Zeiten haben sich geändert, und zwar gründlich. Um am Ball zu bleiben, braucht der geneigte Fußballfreund heute nicht nur einen gut gefüllten Geldbeutel, sondern auch eine schnelle Internetverbindung.

Ich gehöre nicht zu jenen, die "gegen den modernen Fußball" sind. Das Fußballgeschäft ist spätestens in den letzten drei Jahrzehnten eine prosperierende Unterhaltungsbranche geworden, die in schöner Regelmäßigkeit neue Umsatzrekorde produziert. Es ist viel Geld im Kreislauf, der nicht zuletzt aus den Übertragungsrechten gespeist wird, für die inzwischen atemberaubende Summen gezahlt werden, die wiederum zu einem guten Teil in nicht minder atemberaubende Transfersummen und Spielergehälter fließen. Das kann man mögen, muß es aber nicht. Immerhin scheint es bislang zu funktionieren, denn wie immer bestimmen Angebot und Nachfrage den Preis.

Wer Spaß am "modernen Fußball" hat, kann dieser Tage aus einer immer unübersichtlicheren Angebotsvielfalt wählen, die sich nicht mehr auf die klassische Fernsehübertragung beschränkt. Das Zauberwort heißt "Streaming", viele Spiele werden nur noch online übertragen.

30. Juli 2017

Wer zwei null führt...

Die quälend lange Sommerpause mit ihren fußballlosen Wochen liegt hinter uns. Aber sofort rollt nicht nur der Ball wieder durchs Abenteuerland der Regionalliga Südwest, sondern auch unsere kleine Reisegruppe.

Den Weg nach Hoffenheim finden wir mittlerweile mit verbundenen Augen, schließlich gehen die Kickers bereits in die fünfte Spielzeit in der Viertklassigkeit. Rein sportlich betrachtet nicht unbedingt erbaulich, bietet dieser Umstand den Auswärtsfahrern Halt und Orientierung.

Auf den letzten Kilometern über die Landstraße bis ins idyllische Hoffenheim nicken uns am Wegesrand grasende Weidetiere jedenfalls anerkennend zu. So regelmäßig wie wir kommt hier sonst kaum jemand vorbei. Selbst der italienische Eisverkäufer neben der Haupttribüne zeigt Anzeichen von Wiedersehensfreude. Nach dem obligatorischen Stop am Würstchenstand ist eine Portion Eis im Kraichgau seit Jahren Pflicht.

Voller Vorfreude und mit vier nagelneuen Stürmern im Kader haben wir uns an diesem sonnigen Samstag auf den Weg gemacht. Allen war klar, dass uns heute ein episches Torfestival erwartet. Schließlich stellten die Gastgeber in der vergangenen Spielzeit den besten Angriff der Liga, und vom OFC mit seiner neuen Offensivpower erwarten wir nicht weniger als vier Treffer pro Spiel.

5. Juli 2017

Von Chinesen und Lyonern

Seit mehr als zwei Wochen bereiten sich die Kickers auf die neue Saison der Regionalliga vor, in die sie am 29. Juli mit einem Gastspiel in Hoffenheim starten.

Das Testspiel am heutigen Mittwoch war für mich die erste Gelegenheit, den OFC in seiner Version 2017/18 zu begutachten, hatte ich mir doch zuvor eine kleine Auszeit an den Stränden der Algarve gegönnt. Während ich also entspannt im Liegestuhl das eine oder andere kalte Getränk genoß, schlugen in der Heimat die Wellen der Empörung hoch.

Auslöser des Furors war eine Verlautbarung des DFB, dass die U20 der chinesischen Nationalmannschaft in der kommenden Spielzeit eventuell außer Konkurrenz in der Regionalliga mitkicken soll. Das war natürlich extrem ungeschickt formuliert. Hätten die Verbandsherren einfach mitgeteilt, der Nachwuchs aus dem Reich der Mitte würde gut bezahlte Testbegegnungen gegen die jeweils spielfreie Mannschaft bestreiten, wohl niemand hätte sich größer aufgeregt.

So aber saugte das Sommerloch die Nachricht begierig auf. Die einen witterten wieder mal den Ausverkauf des Fußballs in seiner Gänze, andere schrieben von Wettbewerbsverzerrung oder ähnlich schlimmen Dingen. Kurzum, das Abendland stand kurz vor dem Untergang.