9. Juni 2017

Mein liebes, liebes Geld!


animiertes-dagobert-duck-bild-0001Weltweit erzielte kein Verein in den letzten sieben Jahren höhere Transfererlöse als Benfica. Da liegt die Vermutung nahe, dass die Vereinsbosse im Estádio da Luz längst einen Geldspeicher errichtet haben, an dem Dagobert Duck seine Freude hätte. Ganz so einfach ist die Rechnung aber leider nicht, denn die Einnahmen aus Spielerverkäufen sind für den Rekordmeister aus Portugal überlebenswichtig.

Keine Frage, die Transferbilanz der Adler in diesem Jahrzehnt ist beeindruckend. Junge Talente in Osteuropa oder Südamerika rechtzeitig scouten und dann zu Topspielern ausbilden. Mit dieser einfachen Formel lässt sich das Erfolgsrezept von Präsident Luís Filipe Vieira zusammenfassen, der seit 2003 im Amt ist.

In dieser Woche ließ sich Manchester City die Verpflichtung des 23-jährigen Torhüters Ederson Moraes 40 Millionen Euro kosten. Ederson spielte bereits in der U17 von Benfica und wurde vor zwei Jahren für 500.000 Euro endgültig nach Lissabon geholt. Obwohl die Adler nur 50 Prozent der Rechte halten, beschert dieser Transfer dem Verein einen Reinerlös von 19,5 Millionen.

Alles in allem verzeichnet Benfica seit der Saison 2010/11 Transfererlöse von 617 Millionen Euro. Dem standen Ausgaben von "nur" 262 Millionen gegenüber. Der FC Chelsea (533 Millionen), Atlético Madrid (505) sowie der FC Porto (478) folgen mit weitem Abstand.

7. Juni 2017

Harry, wir brauchen den Wagen

Achtzehn Gastspiele in der Fremde warten in der neuen Saison auf alle Anhänger der Offenbacher Kickers, die den Verein ihres Herzens nicht nur im heimischen Sparda-Bank-Hessen-Stadion anfeuern möchten.

Wer stets am Bieberer Berg startet, muss für Hin- und Rückwege 5.404 Kilometer Asphalt unter die Räder bringen. Das ist weiter als eine Autofahrt nach Athen, doch wer will schon an die Akropolis, wenn der OFC nicht dort spielt?

Der kürzeste Weg führt in der Spielzeit 2017/18 über die Kaiserleibrücke. Die acht Kilometer bis zum Bornheimer Hang bewältigen motivierte Schlachtenbummler notfalls zu Fuß. Eine Option, die für das Gastspiel in Ulm eher nicht in Betracht kommt, trennen doch 299 Kilometer das Donaustadion von Biebers Höhen.


In zwei Spielstätten treten die Kickers gleich zweimal an. Denn im Völklinger Hermann-Neuberger-Stadion tragen sowohl Aufsteiger Röchling Völklingen als auch der 1. FC Saarbrücken ihre Heimspiele aus, das GAZi-Stadion wird von den Stuttgarter Kickers und der U23 des VfB Stuttgart genutzt.

2. Juni 2017

Fans und Social Media im Südwesten

Seit Mittwoch steht das Teilnehmerfeld der Regionalliga Südwest 2017/18 fest. Die Zeit bis zum Eröffnungsspiel am 28. Juli überbrücke ich hier im Blog wieder mit einigen Zahlen und Fakten.

Den Anfang macht heute der Blick auf die Popularität der einzelnen Vereine, gemessen in einem Index aus dem Zuschauerschnitt der Vorsaison, der Anzahl der Facebook-Likes sowie der Follower auf Twitter und Instagram.

Auch in diesem Jahr fehlen in dieser Tabelle die U23-Teams aus Freiburg, Hoffenheim, Mainz und Stuttgart, da sie bei den Social Media-Aktivitäten ihrer Vereine allenfalls eine untergeordnete Rolle spielen.

Mit weitem Vorsprung wird das Ranking in diesem Sommer vom FSV Frankfurt angeführt. An sich nicht weiter verwunderlich, schließlich spielten die Bornheimer noch vor dreizehn Monaten in der 2. Bundesliga.

Betrachtet man die Zahlen jedoch im Einzelnen, ist der hohe Indexwert praktisch nur einer beeindruckenden Gefolgschaft auf Twitter geschuldet. Mehr als 61.000 Follower hat der FSV hier, der Rest der Liga kommt gemeinsam nur knapp über die Marke von 20.000.

Beim Zuschauerschnitt hingegen liegen die Bornheimer klar hinter dem OFC, der traditionell die meisten Fans in seinem Stadion begrüßen konnte. Auch der SV Waldhof lockte deutlich mehr Zuschauer an als der FSV, der in der vergangenen Saison immerhin noch in der 3. Liga auf Punktejagd ging.

18. Mai 2017

Benficas langer Weg zum Tetra

"Tetra". Kein anderer Begriff hat die Fantasie der Benfiquistas in den letzten Monaten so sehr beschäftigt wie dieses unscheinbare Wort mit nur fünf Buchstaben.

Denn mit bis dato 35 Titeln war Benfica zwar unangefochtener Rekordmeister in Portugal, aber öfter als dreimal hintereinander konnte der Verein in seiner 113-jährigen Historie die heimische Liga nie gewinnen.

Bereits mehrfach waren die Adler am vierten Titelgewinn in Serie gescheitert. Besonders schmerzlich für die erfolgsverwöhnten Anhänger von Benfica, dass sowohl dem Lokalrivalen Sporting als auch dem FC Porto dieses Kunststück schon geglückt war.

Es ging am vergangenen Samstag also um mehr als "nur" den 36. Meistertitel, der am vorletzten Spieltag der portugiesischen Liga mit einem Heimsieg gegen Vitória Guimarães vorzeitig unter Dach und Fach gebracht werden konnte.

Auf den letzten Metern des langen Weges bis zum heiß ersehnten Tetra wollten wir natürlich mit dabei sein, schon um fünf Uhr in der Frühe waren wir am vergangenen Donnerstag am Frankfurter Flughafen. Dass unser Kurztrip nach Lissabon einen ähnlich langen Anlauf wie Benficas Tetra nehmen sollte, verdanken wir einem 30 Minuten vor dem Start annulliertem Flug und der eigenwilligen Informationspolitik der portugiesischen Fluggesellschaft TAP.

6. Mai 2017

Zwei Treffer gegen die Oberliga

Dass Gott keineswegs Brasilianer sondern selbstredend Offenbacher ist, muss ich den Freunden unserer schönen Heimatstadt nicht erklären. Trotzdem ist es gut und wichtig, sich auch vermeintliche Binsenweisheiten ab und an ins Gedächtnis zu rufen.

Noch am Donnerstag schüttete es dermaßen in Strömen, dass Attribute wie sintflutartig oder tropisch schon wie ein leichtes Understatement wirkten. Der Kreisel am Kaiserlei lud jedenfalls genau wie der Bereich rund um das Isenburger Schloß zu einer fröhlichen Schlauchbootfahrt ein.

Doch am Freitagnachmittag riß die Wolkendecke auf, gerade noch rechtzeitig hatte sich auch der Wettergott daran erinnert, dass die Kickers heute unter Flutlicht spielten. Eine Stunde vor dem Anpfiff war die Waldemar-Klein-Tribüne ins goldene Licht der Abendsonne getaucht, während sich die ersten Fans dort bereits innerlich für ein weiteres Endspiel gegen den Absturz in die Fünftklassigkeit rüsteten.

Auch auf der Haupttribüne herrschte zu dieser frühen Stunde schon reges Treiben. Mit dem neuen ERWIN und einem Bier in der Hand wurde pflichtgemäß Optimismus verbreitet. Nur vereinzelt war das Unwort "Oberliga" zu vernehmen, und wenn, dann wurde es mehr geflüstert, denn laut ausgesprochen. Selbstredend versicherten wir uns, auch weiter zum OFC zu stehen, ganz egal in welcher Liga. Eine Erörterung der heiklen Frage, auf welchem Sportplatz die Kickers denn im Fall der Fälle künftig ihre Heimspiele austragen würden, wurde aber elegant vermieden.

3. Mai 2017

Der letzte ERWIN!

Schritt für Schritt versuche auch ich mich in Sachen Clickbaiting. Dabei handelt es sich um die Kunst, durch möglichst mißverständliche Überschriften möglichst viele Seitenaufrufe zu schinden.

Doch der Reihe nach: Natürlich erscheint an diesem Freitag nicht der letzte ERWIN aller Zeiten. Immerhin aber ist es die letzte Ausgabe in dieser Saison. Vor dem Heimspiel gegen Koblenz und einem möglichen wichtigen Schritt in Richtung Klassenerhalt kann das druckfrische Heft wie gewohnt rund um den Bieberer Berg käuflich erworben werden.

Interviewgast ist diesmal Alexander Sebald. Der junge Torhüter spricht unter anderem über seine alte fränkische und neue hessische Heimat.

ERWIN richtet außerdem den Blick auf die Handballer des OFC, die rechtzeitig zum Erscheinen des neuen Heftes den Aufstieg in die Landesliga geschafft haben.

Freuen können sich die Leser wieder auf einen Bericht aus der Reihe „Andere Stadien, andere Gesänge“, diesmal aus Sambia. Das Wirken von Robin Scheu, der den OFC nach acht Jahren und einem legendären Hattrick verlässt, wird in einem ausführlichen Nachruf gewürdigt.

Wer es nicht zum Spiel schafft und kein Abo hat, findet den neuen ERWIN an folgenden Verkaufsstellen: Buchladen am Markt, Kickers-Fan-Museum, Kiosk am Aliceplatz, Markthaus am Wilhelmsplatz, OFC-Fanshop, Waggon am Kulturgleis (alle in Offenbach), Buchladen Vielseitig (Kahl), Cafe ExZess (Frankfurt), Comic-Laden (Frankfurt).

3. April 2017

Clássico bringt keine Vorentscheidung

Wie schon im Vorjahr ist das Titelrennen in Portugal auch in dieser Saison ungemein spannend. Stritten sich die Adler aus Lissabon in der vergangenen Spielzeit mit dem Lokalrivalen Sporting bis zur letzten Minute um den Titel, ist diesmal wieder der FC Porto der ärgste Widersacher.

Acht Spieltage vor dem Saisonende trennte die beiden Erzrivalen ein Punkt, entsprechend groß war die Spannung, mit der die Partie am Samstagabend im restlos ausverkauften Estádio da Luz erwartet wurde.

Doch zuvor war Entspannung angesagt, denn das fast schon sommerliche Wetter lockte am Vormittag nicht nur uns aus der Hauptstadt zu einem Strandspaziergang an der Küste von Estoril. Zurück in Lissabon, blieb bei einem ausgiebigen Mittagessen noch immer genügend Zeit, die Chancen der beiden Teams ausführlich zu bewerten.

17. März 2017

Servus, Cappo!

Auch wenn es nicht völlig überraschend kam, war es für mich sehr traurig, heute die Nachricht über das Karriereende von Christian Cappek zu lesen. Im zarten Fußballalter von nur 26 Jahren muss der Stürmer vor einer bevorstehenden dritten Knieoperation seine Kickstiefel für immer an den Nagel hängen.

In Offenbach denkt so mancher wehmütig an die Zeit zurück, in der Cappo für den OFC auf Torejagd ging und mit seinen Treffern einen wichtigen Teil zur Meisterschaft 2015 beitrug.

In bester Erinnerung ist vielen noch das erste Regionalligaspiel im Juli 2013 in Koblenz, vor dem kaum einer von uns auch nur Cappos Namen kannte. Neunzig Minuten und zwei Tore später hatte sich das grundlegend geändert.

Nicht nur für mich blieb Cappo auch nach seinem Wechsel einer von uns. Der Stürmer mit dem Milchstraßen-Tattoo auf dem linken Arm war hier im Blog Rot & Weiß zwei Jahre lang der "Coverboy". Aus gutem Grund ist ihm im Buch 111 Gründe, Kickers Offenbach zu lieben ein eigenes Kapitel gewidmet, in dem sich unter anderem diese Zeilen finden:

"Binnen zwei Jahren avancierte der kampfstarke Stürmer zum Publikumsliebling, und das nicht alleine wegen seiner 21 Treffer, die er in 63 Pflichtspielen für die Kickers erzielte. Denn „Cappo“, wie er bis heute in Offenbach liebevoll genannt wird, brachte Eigenschaften mit, die auf Biebers Höhen seit jeher hoch im Kurs stehen. Der gebürtige Augsburger mag technisch vielleicht nicht ganz auf Augenhöhe mit einem Cristiano Ronaldo spielen, sein Durchsetzungsvermögen und sein großes Kämpferherz jedoch eroberte das Publikum im Sparda-Bank-Hessen-Stadion im Sturm.

Für deinen neuen Lebensabschnitt die besten Wünsche, Cappo! Werde schnell gesund und lass dich mal wieder in Offenbach blicken.

9. März 2017

Angst essen Seele auf

Gestern um diese Zeit war die Welt noch in Ordnung. Nach dem etwas glücklichen 1:0 im Hinspiel vor drei Wochen reiste Benfica mit der nicht völlig unbegründeten Hoffnung nach Dortmund, wie im Vorjahr das Viertelfinale der Champions League zu erreichen.

Auf unserer verregneten Fahrt ins Ruhrgebiet war die Ausgangslage klar: ein Auswärtstor musste her, denn dass die Adler 90 Minuten im Signal-Iduna-Park ohne Gegentor überstehen würden, mochte keiner so recht glauben.

Zwei Stunden vor dem Anpfiff sind wir in Dortmund und finden direkt vor dem Stadion einen Parkplatz. Sieben Euro Parkgebühr sind zwar happig, aber so viel Luxus allemal wert, dachten wir zu dieser frühen Stunde und machten uns frohen Mutes auf den kurzen Weg ins Stadion.

Aus gutem Grund zählt das frühere Westfalenstadion zu den Fußballtempeln des alten Kontinents. Die Ränge sind ebenso steil wie Ehrfurcht erweckend, die Menschen auf den Tribünen sind Fans und keine Kunden. Das Spiel von der Kurve links neben der Südtribüne aus zu verfolgen, hätte mir unter anderen Umständen einen unvergesslichen Abend beschert. Wenn man es aber mit dem Gegner der Borussen hält, hat dieser Standort stimmungstechnisch natürlich seine Nachteile. So weit oben unter dem Dach saßen wir dazu, dass die Perspektive an den Blick aus einem Flugzeug erinnerte. Den uns genau gegenüberliegenden Gästeblock konnten wir zwar hören, aber nicht sehen.

4. März 2017

Kevins schweres Kreuz

Ob Donald Trump oder Sarah Lombardi. In einer Endlosschleife geistern die immer gleichen Namen durch die Gazetten. So auch Kevin Großkreutz. Der 28 Jahre alte Pöhler aus Dortmund ist Stammgast in den Schlagzeilen.

In eine Hotellobby hat er gepinkelt, mit Döner geworfen, und jetzt mitten in der Nacht im an sich beschaulichen Stuttgart ganz offensichtlich auf die Fresse bekommen. All das begleitet von einer gehörigen Portion öffentlicher Erregung.

Es ist also keine neue Sau, die durchs Dorf getrieben wird. Kevin Großkreutz ist ein Wiederholungstäter, die geneigte Öffentlichkeit weiß um wen es geht. Fast jeder hat eine Meinung, egal auf welch schmalem Fundament sie gründet.

Kritische Geister werfen ihm vor, dass man als Erwachsener und hoch bezahlter Fußballprofi nicht mit Nachwuchsspielern nachts um die Häuser zieht und sich dann auch noch prügelt. Für sie ist Großkreutz seiner Vorbildfunktion wieder einmal nicht gerecht geworden.

Seine Fans lieben ihn genau dafür. Er ist einer von ihnen. Einer, der sich noch nicht in der spaßfreien politischen Korrektheit verloren hat. Schließlich haben selbst Kaiser Franz und Bomber Müller in Zeiten, die heute oft als „Tradition“ verklärt werden, den Überlieferungen nach ab und an nicht immer jugendfrei die Puppen tanzen lassen.

24. Februar 2017

Morgen ein König

Während in dieser Woche noch die letzten Hinspiele des Achtelfinales der Champions League ausgetragen wurden, stehen in der UEFA Youth League die Teilnehmer der Runde der letzten acht bereits seit Mittwoch fest.

Die UEFA Youth League wurde 2014 gegründet, sie wird in der Gruppenphase parallel zu den Begegnungen der Königsklasse ausgetragen.

Teilnahmeberechtigt sind die U19-Teams all jener Vereine, die sich für die Gruppenphase der Champions League qualifiziert haben. Gespielt wird in der Regel am Nachmittag des gleichen Tages, an dem sich abends die "Großen" gegenüberstehen.

Zusätzlich zu dem 32 Mannschaften starken Teilnehmerfeld der Gruppenphase treffen im sogenannten "Meisterweg" in zwei K.o.-Runden die Jugendmeister der 32 höchstplatzierten UEFA-Verbände aufeinander, deren Klubs sich nicht bereits über die Champions League qualifiziert haben.

15. Februar 2017

Weiter, immer weiter...

Es ist immer noch früh im Jahr, und während die Regionalliga weiter im Winterschlaf liegt, rollt in Portugal zuverlässig der Ball.

Gleich zwei Heimsiege von Benfica durfte ich diesmal erleben. Relativ entspannt in der Liga gegen Arouca, und dann natürlich vier Tage später ganz großes Gefühlskino im Schlager in der Champions League gegen Borussia Dortmund.

Textlich aufbereiten werde ich das Ganze nach dem Rückspiel in Dortmund am 8. März, für das ich über verschlungene Pfade doch an Tickets gekommen bin. Weil es aber wieder so schön war, hier wenigstens einige Fotos.

29. Dezember 2016

Alte und neue Kapitel

Wenige Stunden nur noch, dann ist auch 2016 ein weiteres Kapitel in den Geschichtsbüchern.

Bevor wir jedoch das Jahr endgültig zu den Akten legen, eine kurze Rückschau und ein Blick auf 2017.

Gut 300 Beiträge sind inzwischen im Blog erschienen. In den letzten zwölf Monaten habe ich Chroniken über kleine und große Partien in Deutschland, Portugal, Luxemburg und Holland geschrieben.

Ich habe Bücher vorgestellt und meinem Herzen im einen oder anderen Kommentar Luft gemacht. Ein im September veröffentlichtes Ranking von bwin zählt meinen Blog zu den 30 besten Fußballblogs in Deutschland und Österreich.

Abseits des Internets ist im Mai das Buch "111 Gründe, Kickers Offenbach zu lieben" erschienen. Während der EM habe ich für das DFB-Fanzine Helmut geschrieben, dazu Beiträge in den Magazinen ballesterer und Zeitspiel veröffentlicht.

23. Dezember 2016

Ein Wochenende in Amsterdam

Am Schluss des Fußballjahres 2016 stand am vergangenen Wochenende ein Ausflug in die niederländische Eredivisie.

Bevor wir am Sonntag Rekordmeister Ajax besuchten, machten wir am Freitagabend einen Abstecher in die Jupiler League, der zweiten Division des Landes.

25 Kilometer nordöstlich vor den Toren von Amsterdam liegt Volendam, ein gediegener Badeort am Ijsselmeer mit 22.000 Einwohnern, der sich eine Woche vor Weihnachten festlich herausgeputzt hat. Das keine 300 Meter Luftlinie vom Strand entfernte Kras Stadion liegt inmitten eines Wohngebiets, schmucke Einfamilienhäuser flankieren zu beiden Seiten die Tribünen. Dank der holländischen Abneigung gegen Gardinen gleicht der Weg zum Stadion einem Bummel durch ein Magazin der Kategorie Schöner Wohnen.

Nicht nur durch seine Lage erinnert das Kras Stadion des FC Volendam an Bilder, die wir alle aus dem England früherer Tage im Kopf haben. Die Spielstätte ist verwinkelt, es wurde wohl öfter an- und umgebaut, die Fassaden sind aus Backstein, die Tribünendächer aus Wellblech. Kurzum: eine Wohlfühloase für Romantiker.

12. Dezember 2016

Unvergleichlich

"Incomparável" (Unvergleichlich) stand auf einem der riesigen Banner, die vor dem Anpfiff des Lissabonner Stadtderbys zwischen Benfica und Sporting auf der Südtribüne gezeigt wurden. Und damit lagen die Fans im restlos ausverkauften Estádio da Luz zweifellos richtig.

Das Derby ist nun mal das Derby, kein anderes Spiel kann da mithalten. Kein Partie in der Champions League, nicht einmal die emotionsgeladenen Begegnungen mit dem FC Porto. Aus gutem Grund war meine bessere Hälfte eigens für dieses Spiel übers Wochenende in die portugiesische Hauptstadt gekommen.

Schon während unseres ausgiebigen Mittagessens kannten die Fernsehsender kein anderes Thema mehr, als eben das Derby. Zwei Stunden vor dem Anpfiff war die Metro überfüllt, auf den Rängen knisterte es vor Spannung. Nach zwei Niederlagen in Folge war die Stimmung bei Benfica angespannt. Gerade einmal zwei Punkte trennten die beiden Erzrivalen voneinander, eine Pleite gegen die von Benficas ehemaligem Trainer Jorge Jesus betreuten Nachbarn würde den Verlust der Tabellenführung bedeuten.

7. Dezember 2016

Glanzlos ins Achtelfinale

Letzter Spieltag in der Gruppenphase der Königsklasse. Vor den abschließenden Begegnungen lagen der SSC Neapel und Benfica mit jeweils acht Punkten auf den Plätzen eins und zwei, Besiktas folgte mit nur einem Zähler Abstand. Lediglich Dynamo Kiew stand mit zwei Punkten bereits als Gruppenletzter fest.

Die Ausgangslage für Benfica war damit klar. Wenn irgend möglich, sollte ein Sieg gegen den SSC Neapel her. Doch selbst eine Niederlage könnte zum Weiterkommen ausreichen, falls der türkische Meister in Kiew nicht gewinnen sollte.

Dass all diese Rechenspiele nötig wurden, lag in erster Linie an Besiktas, das in beiden Partien gegen Benfica jeweils in den Schlussminuten den Ausgleich schaffte. Auch dass die Türken gegen Neapel gleich vier Punkte holen würden, hatte zumindest ich nach der Auslosung nicht auf dem Zettel.

Bevor es im Estádio da Luz ums Überwintern in der Champions League ging, hatte ich am Mittag auf meine alten Tage einen ersten Fernsehauftritt. Im TV-Kanal der größten portugiesischen Sportzeitung A Bola durfte ich während einer halbstündigen Gesprächsrunde erzählen, wie es dazu kam, dass ich als Deutscher Mitglied und Dauerkarteninhaber bei Benfica bin. Die Fankulturen in Portugal und Deutschland sowie die unterschiedlichen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im globalen Fußballgeschäft waren weitere Themen. Das Ganze hat viel Spaß gemacht und schmeichelt natürlich auch ein wenig dem Ego.

4. Dezember 2016

Sonntags im Pina Manique

Selbst in Portugal scheint nicht immer die Sonne. Seit Freitag schüttet es in Lissabon wie aus Kübeln. In den Straßen schaukelt die Weihnachtsbeleuchtung im Atlantikwind und kämpft einen stillen Kampf gegen den grauen Regenschleier, der sich über die Stadt gelegt hat.

Entsprechend leer ist am Sonntag die Buslinie 711, die mich zum Estádio Pina Manique bringt. Das halbe Land sitzt zu dieser Stunde mit einer guten Flasche Rotwein am Mittagstisch und freut sich auf die anschließende Siesta. Doch wer sich trotzdem auf die Straße wagt, wird belohnt. Zaghaft kämpfen sich die ersten Sonnenstrahlen durch die Wolkendecke. Als ich am Stadion ankomme ist der Himmel beinahe wieder so blau, wie es die Tourismuswerbung verspricht.

Fast ein wenig erschrocken blickt mich der betagte Herr im Kassenhäuschen an, als ich nach einer Eintrittskarte frage. Welcher Sektor es denn sein darf, möchte er wissen. Eine Frage, auf die ich keine Antwort habe, denn ich bin zum ersten Mal im Pina Manique. Ob ich denn zu Casa Pia oder zu Oriental halten würde, lautet seine nächste Frage, die ich mir selbst noch garnicht gestellt habe. Dass ich mich für die Heimmannschaft entscheide, wird mit einem wohlwollenden Kopfnicken quittiert. Statt eines regulären Tickets für acht Euro bekomme ich ein Mitgliederbillet für drei Euro und darf auf der Haupttribüne Platz nehmen, die eigentlich den Sócios von Casa Pia vorbehalten ist.

2. Dezember 2016

Bilder für die Ewigkeit

Mitten im Herzen von Lissabon liegt in der Rua Jardim do Regedor die ehemalige Geschäftsstelle von Benfica. Das im 19. Jahrhundert ursprünglich als Wohnhaus errichtete Gebäude beherbergte von 1918 bis 1928 den Bristol Club, seinerzeit einer der angesagtesten Nachtklubs der portugiesischen Kapitale.

Nachdem Benfica das Eckhaus 1933 übernommen hatte, diente es bis Anfang der 2000er-Jahre als Geschäftsstelle und Treffpunkt der Mitglieder.

Doch mit dem Umzug ins neue Estádio da Luz teilte die verlassene Geschäftsstelle das Schicksal vieler historischer Gebäude im Stadtzentrum. Es stand leer und bröckelte langsam vor sich hin. 2016 dann die Wende zum Guten: Unter Federführung der vereinseigenen Stiftung Fundação Benfica wurde das Gebäude restauriert und wird jetzt unter anderem für temporäre Ausstellungen genutzt, die selbst im riesigen Klubmuseum am Stadion keinen Platz mehr finden.

Den Anfang machte in diesem Sommer eine Ausstellung mit Arbeiten von Roland Oliveira. Der 2007 verstorbene Fotoreporter begleitete Benfica über fünf Jahrzehnte hinweg für die Vereinszeitung O Benfica und dokumentierte in dieser Zeit das Klubleben wie kein zweiter.

29. November 2016

Die Ruhe vor dem Sturm

Bevor in der nächsten Woche zwei richtige Kracher auf dem Spielplan stehen, hatte Benfica an diesem Sonntag eine jener ungeliebten Pflichtaufgaben vor der Brust, die dem geneigten Fan schon Tage vorher ein leichtes Magengrummeln bescheren.

Als Tabellensechzehnter kam Abstiegskandidat Moreirense zum Rekordmeister, drei Punkte für die Adler waren also Pflicht. Wie böse solche Spiele ab und zu in die Hose gehen können, ist hinlänglich bekannt.

Für die Spieler von Coach Rui Vitória galt es zudem, das unglückliche 3:3 bei Besiktas aus den Köpfen zu bekommen, bei dem nicht nur ein Drei-Tore-Vorsprung, sondern auch die vorzeitige Qualifikation für die K.o.-Runde der Champions League verspielt wurde.

Bei frühlingshaften Temperaturen erlebten dann aber fast 56.000 Zuschauer einen ausgesprochen entspannten Fußballabend. Bereits nach Pizzis erstem Treffer nach einer halben Stunde war die Partie praktisch entschieden, denn die Gäste agierten einfach zu harmlos. Wieder Pizzi nach einer Stunde und Raúl kurz vor dem Schlusspfiff sorgten für den komfortablen Endstand.

6. November 2016

Geisterstunde am Nachmittag

Die Woche begann mit einer Überraschung bei der mit viel Spannung erwarteten Mitgliederversammlung der Kickers am Montag:

Mit den Worten "Wir wollen keine Satzungsänderung" kassierte Vize Relic die zuvor vom Präsidium selbst beantragte Zwangsumlage für die OFC-Mitglieder und vollzog damit eine Kehrtwende um 180 Grad. Zu groß waren wohl nach den zum Teil heftigen Reaktionen im Vorfeld die Bedenken der Kickersbosse, mit ihrem Antrag zu scheitern.

Nun sollen wieder einmal Spenden dazu beitragen, die Schuldenlast zu mindern, die noch immer schwindelerregende 4,4 Millionen Euro beträgt. Sie könnte um 900.000 Euro gesenkt werden, falls die dafür benötigten 85.000 Euro zusammen kommen. Das wäre sicher ein Schritt in die richtige Richtung, jedoch kein Anlass zur Euphorie.

Dass der OFC in einer Pressemitteilung davon spricht, der Klub könne damit "endgültig auf gesunde Füße" gestellt werden, scheint mir jedenfalls sehr optimistisch. Denn noch immer bleiben dann 3,6 Millionen Verbindlichkeiten, die eines Tages bedient werden müssen. Da hilft es wenig, dass diese Schulden auf die GmbH übertragen werden sollen, die erst vor kurzem mit Ach und Krach um die zweite Insolvenz binnen drei Jahren herumgekommen ist. Wie gewaltig die Summe ist, zeigt ein Blick auf den Gesamtetat, der gerade einmal 2,6 Millionen pro Jahr beträgt.