13. Juni 2016

Helmut - Das EM-Fanzine

Von Sommmerpause kann in diesem Jahr keine Rede sein. Denn während die Ligapause sonst für mich eine ruhige Zeit mit wenigen Blogbeiträgen bedeutet, ist in diesem Sommer alles anders. Ich freue mich jedenfalls, erstmals zum Redaktionsteam zu gehören, das während der EM das Fanzine "HELMUT" und die Webseite "Fanguide EM 2016" betreut.

Die EM 2016 ist bereits das vierte Turnier, bei dem eine druckfrische Ausgabe des Magazins vor Ort zu jedem Spiel der Nationalmannschaft am Stand der mobilen Fanbotschaft am Austragungsort erhältlich ist.

Im "HELMUT" beschäftige ich mich mit dem jeweils nächsten Gegner der deutschen Elf, stelle den Heimverein des Austragungsortes vor und fasse in der Chronik "Aus der Heimat" zusammen, was sich rund um das Turnier in Deutschland tut.

Alle, die wie ich nicht in Frankreich dabei sind, können das Magazin hier kostenlos herunterladen.

10. Juni 2016

Hörfehler - Blog Rot & Weiß

Vielleicht erinnert Ihr euch noch an den Blog Stahlwerk, der Borussia Neunkirchen durch viele Tiefen begleitet hat. Mittlerweile hat Autor Nicky Kaßner das Metier gewechselt. In seinem Podcast Hörfehler beschäftigt er sich jetzt mit Fußballhistorie und Subkultur.

Am Mittwoch durfte ich mit Nicky eine gute Stunde lang über die Regionalliga Südwest und Kickers Offenbach plaudern. Auch ein Abstecher nach Portugal konnte natürlich nicht fehlen, wir haben uns mit Benfica und den Besonderheiten des lusitanischen Fußballs beschäftigt.

Wer mag, kann die aktuelle Folge hier anhören oder herunterladen. Auch ein Blick ins Archiv lohnt sich. Zu entdecken gibt es unter anderem Episoden über Groundhopping, den 1. FC Saarbrücken oder West Ham United. 

2. Juni 2016

In der Fröttmaninger Heide

Ein wenig Ablenkung von all dem Trübsinn rund um den Waldemar-Klein-Platz kann nicht schaden, also schauen wir uns in diesem Sommer die eine oder andere ganz große Fußballbühne in Deutschland an.

Auf Dortmund vor zwei Wochen folgte gestern ein Ausflug Richtung Süden nach München, oder genauer gesagt nach Fröttmaning.

Zehn Kilometer vor den Toren der bayerischen Landeshauptstadt wurde dort fast auf den Tag genau vor elf Jahren die Allianz Arena eröffnet, in der der ruhmreiche FC Bayern und der etwas weniger gut betuchte Lokalrivale TSV 1860 ihre Heimspiele austragen.

Schon bei der Anfahrt bemerkt man unschwer die Vorteile, die ein Stadionneubau auf der grünen Wiese mit sich bringt, denn die Infrastruktur rund um die Arena ist gigantisch. Eine eigene U-Bahnstation, direkte Anbindung an die Autobahn, dazu insgesamt 11.000 Parkplätze mit separaten Zufahrten, das Szenario erinnert mehr an einen großen internationalen Flughafen als an einen Sportplatz.

Die aus nur 0,2 Millimeter dicken Folienkissen bestehende Aussenhülle der Arena ist auch - oder vielleicht gerade - an grauen Tagen ein echter Hingucker. Für die Stadionführungen gibt es vier "Meeting Points", ein dezenter Hinweis darauf, wie viele Besucher die Allianz Arena auch an spielfreien Tagen von innen sehen wollen. Im Stadion selbst dominiert die Farbe grau, nackte Betonwände und graue Schalensitze beherrschen die Szenerie, die dadurch jedoch sehr steril wirkt. Alles erschein ein wenig zu perfekt und zu gut geplant, das Auge findet nur wenig, an dem es wirklich hängen bleibt.

25. Mai 2016

Ein Verein mit 30 Buchstaben

SC Teutonia Watzenborn-Steinberg, ein Fußballverein mit 30 Buchstaben. Erstmals gehört habe ich vom Sportclub mit dem etwas sperrigen Namen, als die Teutonen in der vergangenen Saison zum heißen Kandidaten für den Aufstieg in die Regionalliga Süd avancierten. Nachdem Markus Müller gestern via Facebook seinen Wechsel nach Mittelhessen bekannt gegeben hat, ist es höchste Zeit, sich etwas näher mit dem Newcomer zu beschäftigen.

Watzenborn-Steinberg ist der größte Ortsteil einer Stadt namens Pohlheim und liegt sechs Kilometer südöstlich von Gießen. 7.782 Seelen leben hier, neben einem Dorfgemeinschaftshaus finden wir dort eine Sporthalle, zwei Schulen, mehrere Kindergärten und natürlich den Sportplatz "An der Neumühle". Nach Offenbach sind es über die A5 gerade einmal 64 Kilometer.

Zugegeben, das alles klingt nicht gerade nach der ganz großen Welt des Fußballs. Noch im Jahr 2009 jagte die erste Mannschaft der 1927 gegründeten Teutonia in der siebtklassigen Gruppenliga Gießen/Marburg dem runden Leder hinterher. Danach aber begab sich der Verein auf einen Marsch durch die Ligen, der ein wenig an die Erfolgsstory des TSV Steinbach erinnert. 2011 gelang zunächst der Aufstieg in die Verbandsliga Mitte. Vier Jahre später spielte die Teutonia erstmals in der Oberliga Hessen, die der Aufsteiger kräftig aufmischte. Als Hessenmeister glückte dem von Trainer Daniel Steuernagel betreuten Team in diesem Monat der direkte Durchmarsch in die Regionalliga Südwest.

24. Mai 2016

Die Hand Gottes

Philip Kerrs bereits im März erschienener neuer Fußballthriller "Die Hand Gottes" macht dort weiter, wo "Der Wintertransfer" aufgehört hat. Scott Manson ist mittlerweile Cheftrainer von London City und bereitet seine Mannschaft auf die neue Saison vor.

In der Qualifikation zur Champions League erwartet ihn und seine Mannen samt dem schwerreichen ukrainischen Klubeigentümer Viktor Sokolnikow mitten im griechischen Hochsommer nicht nur ein heißer Tanz gegen Olympiakos Piräus.

Als einer der Stars von London City während der Begegnung tot auf dem Platz zusammenbricht und die griechischen Behörden darauf hin das gesamte Team mit einem Ausreiseverbot belegen, macht sich Scott Manson erneut auf eigene Faust an die Lösung des Falls.

Auch Kerrs zweiter Fußballthriller gewährt wieder fiktive Einblicke hinter die Kulissen des Profisports, die womöglich gar nicht so weit von der Realität entfernt sind. Doch wo "Der Wintertransfer" vom Reiz des Neuen lebte und zügig Fahrt aufnahm, kommt "Die Hand Gottes" nur sehr langsam in Gang. Auf den ersten hundert Seiten passiert wenig bis nichts, auch danach wirkt die Handlung oft konstruiert, begnügen sich die Hauptdarsteller zu häufig mit Stereotypen und einer ordentlichen Portion Pathos.

Alles in allem ein Buch, das man natürlich in diesem Sommer am Strand lesen kann, aber nicht unbedingt muss. Warum der Thriller doch ein gutes Stück hinter seinem Vorgänger her hinkt, ist schwer zu sagen. Vielleicht liegt es ja an der raschen Abfolge, in der die beiden Bücher veröffentlicht wurden. Etwas mehr Zeit für Inspiration und Muse täten wohl selbst einem ausgewiesenen Könner wie Philip Kerr manchmal ganz gut. Für Oktober ist übrigens bereits sein dritter Fußballthriller angekündigt, der den Titel "Die falsche Neun" tragen wird.

22. Mai 2016

Wechselspiele

Die Spielzeit ist kaum beendet, schon schießen die Gerüchte über mögliche Transfers bei Benfica ins Kraut. Nicht umsonst erscheinen am Westrand Europas drei Tageszeitungen, die sich ausschließlich mit Fußball beschäftigen.

Wenn es darum geht, sieben Mal pro Woche täglich mehr als 60 Seiten zu füllen, wird aus einer leichten Grippe schnell mal ein tödlicher Virus. Und natürlich widmen die portugiesischen Fachblätter Benfica als dem mit Abstand größten Verein des Landes ihre ganz besondere Aufmerksamkeit.

Fest steht, dass das Personalkarussell im Estádio da Luz auch in dieser Sommerpause kräftig rotieren wird.

Denn auch wenn Benfica bei der Erschließung neuer Einnahmequellen zu den innovativsten Akteuren der globalen Fußballszene zählt, ist der Verein zwingend auf Transferüberschüsse angewiesen, um eine international konkurrenzfähige Mannschaft zu finanzieren. Allein die Erlöse, die sich im kleinen, noch immer krisengebeutelten Portugal aus Zuschauereinnahmen, Sponsoring und Fernsehgeldern erzielen lassen, sind einfach zu gering, als dass man wirtschaftlich mit den großen Namen aus England, Spanien oder Deutschland mithalten könnte.

Die Transfers von Spielern wie Ángel di María, Axel Witsel, David Luiz, Enzo Pérez, Ezequiel Garay, Fábio Coentrão, Jan Oblak, Javi García, Lazar Markovic, Nemanja Matić, Óscar Cardozo oder Ramires haben in den letzten Jahren hunderte Millionen in die Klubkasse gespült, die in die Mannschaft, aber auch in die Infrastruktur des Vereins reinvestiert wurden.

21. Mai 2016

Der Star ist der Trainer

Schier grenzenlos war der Jubel, als am vergangenen Sonntag im Estádio da Luz der Schlusspfiff ertönte. Mit einem ungefährdeten 4:1 gegen Nacional da Madeira hatte Benfica das bis zuletzt offene Rennen um die Meisterschaft am letzten Spieltag endgültig zu seinen Gunsten entschieden.

Nun sind solche Erfolge für die Anhänger von Benfica nichts ungewöhnliches, schließlich feierte der portugiesische Rekordmeister an diesem Tag bereits den 35. Titelgewinn.

Trotzdem lag an diesem Nachmittag ein ganz besonderer Glanz auf den Gesichtern der Fans, deren Gemütszustand zwischen Erleichterung und Euphorie schwankte.

Denn anders als in vorangegangenen Spielzeiten hatte man den Titel nicht nur gegen die ewigen Widersacher Sporting und FC Porto gewonnen, sondern vor allem gegen Jorge Jesus. Gegen jenen Trainer also, der die Adler zum Ende der vergangenen Saison nach sechs Jahren Amtszeit mit lautem Getöse verlassen hatte, um ausgerechnet beim Erzrivalen Sporting anzuheuern. Daran ändert auch der Umstand nichts, dass der neue Trainer Rui Vitória ebenso wie Präsident Luís Filipe Vieira klugerweise immer wieder betonten, man spiele gegen niemanden, sondern nur für sich selbst.

Lange Zeit sah es tatsächlich so aus, als würde der im Estádio da Luz nach seinem Wechsel verfemte Übungsleiter den Sporting Clube de Portugal zur ersten Meisterschaft seit 2002 führen. Ein absoluter Alptraum für jeden, der es mit Benfica hält. Satte sieben Punkte betrugt der Vorsprung von Sporting auf Benfica nach 13 Spieltagen, ein nicht nur in der portugiesischen Liga kaum noch aufzuholender Rückstand. Zu allem Überfluss hatte Benfica mit seinem neuen Trainer nicht nur zu Saisonbeginn den Supercup sowie die 4. Pokalrunde gegen Sporting verloren, auch in der Meisterschaft musste man sich Ende Oktober vor heimischem Publikum mit 0:3 geschlagen geben.

19. Mai 2016

Fußballstadt Dortmund

Dass sich in Dortmund manches um den Fußball dreht, ist keine wirklich neue Erkenntnis. Erst recht nicht, seit im vergangenen Jahr das Deutsche Fußballmuseum in der Heimatstadt des Ballspielvereins Borussia seine Pforten geöffnet hat.

Grund genug für einen Abstecher nach Dortmund, um das Museum und natürlich auch die Heimstätte der Borussen zu besuchen.

Wenn sich der größte nationale Sportverband der Welt ein Museum baut, sind die Erwartungen natürlich immens. Wer, wenn nicht der DFB sollte in der Lage sein, ein wirklich atemberaubendes Museum zu errichten? Schließlich fehlt es weder an Geschichte, noch am nötigen Kleingeld, um sie entsprechend in Szene zu setzen.

Vielleicht lag es an unserer letzten Endes dann doch überzogenen Erwartungshaltung, dass wir das Deutsche Fußballmuseum nach etwas mehr als drei Stunden etwas ernüchtert verließen. Klar, es gibt ein Menge zu sehen. Einzelne Exponate, wie etwa die schriftlichen Aufzeichnungen der WM-Teilnehmer von 1954 sind kurios und rührend zugleich. Jedoch fehlt es der Ausstellung nach meinem Empfinden an einem roten Faden oder zumindest an einer klareren thematischen Struktur.

16. Mai 2016

FSV Frankfurt - 1860 München 2:1

Vor dem mit Spannung erwarteten Meisterschaftsfinale in Portugal wurde ich gestern gemeinsam mit 12.541 Zuschauern am ausverkauften Bornheimer Hang Zeuge der Abschiedsvorstellung des Fußballsportvereins in der 2. Bundesliga. Acht lange Jahre haben sich die "Bernemer" trotz nicht gerade idealer Voraussetzungen in dieser Spielklasse behauptet, doch gestern Nachmittag reichte auch ein Heimsieg gegen die bereits geretteten Münchner Löwen nicht mehr zum Klassenerhalt.

Persönlich tut mir der Abstieg des FSV leid, obwohl dieser fast schon so etwas wie eine sich selbst erfüllende Prophezeiung war und ich nicht zu den Fans im eigentlichen Sinne zähle. Dann und wann für nur 10 Euro Zweitligafußball zu sehen, war immer eine willkommene Abwechslung, noch dazu bringt mich ein Linienbus aus Offenbach fast bis vor die Stadiontore. Dass meine Sympathien natürlich all jenen gelten, die in der verbotenen Stadt nicht in die Arena im Stadtwald gehen, tut sein übriges, dem FSV mit einem gewissen Wohlwollen zu begegnen.

14. Mai 2016

Kickers Offenbach - Bahlinger SC 4:0

Das letzte Heimspiel der Saison war hier im Blog bislang stets Anlass für ein paar wehmütige Gedanken über die zurückliegende Spielzeit. Hinzu kam regelmäßig eine ganz spezielle Form von Trennungsschmerz, denn schließlich gilt es, eine lange Sommerpause zu überstehen. Bis der Ball am 5. August wieder durch die Liga rollt, vergehen immerhin fast drei lange Monate.

Doch weder Wehmut noch Trennungsschmerz wollten bei mir zum Ende der Spielzeit 2015/16 so recht aufkommen. Das ist an sich seltsam, denn die Saison verlief unter sportlichen Gesichtspunkten mit dem 3. Tabellenplatz und dem Gewinn des Hessenpokals unter dem Strich besser, als ich es eigentlich nach dem verpassten Aufstieg im letzten Juni erwartet hätte. Noch dazu galt es heute, Abschied zu nehmen von mindestens sieben Spielern, von denen mir einige doch sehr ans Herz gewachsen sind.

Trotzdem überwog bei mir am heutigen Nachmittag die Erleichterung, dass diese Saison nun ein Ende hat. Die Querelen um Personalien und Finanzen auf Biebers Höhen haben Spuren hinterlassen.

5. Mai 2016

SV Wehen Wiesbaden - Kickers Offenbach 1:2

Zum Tag des großen Endspiels wollte selbst Petrus seinen Beitrag leisten und bescherte dem Hessenland einen strahlend blauen Himmel. So fröhlich lachte die Sonne schon in den frühen Nachmittagsstunden über Bad Offenbach, dass sich ein Teil unserer kleinen Auswärtsgruppe im Markthaus am Wilhelmsplatz einfand, um sich bei gut gekühlten Getränken und einer leichten Mahlzeit standesgemäß auf das Finale einzustimmen.

Reichlich früh ging es dann auch schon los in Richtung Haiger, denn die Wegstrecke in den Lahn-Dill-Kreis ist zwar gerade einmal 110 Kilometer lang, steckt aber voller Beschwernisse, die am Abend vor einem Brückenwochenende gerne in Gestalt von kilometerlangen Staus daher kommen.

Dank unseres umsichtigen Zeitmanagements erreichten wir den Endspielort fast eineinhalb Stunden vor dem geplanten Anpfiff und durften unseren Wagen wie schon in der Hinrunde der Regionalliga auf einer saftig grünen Wiese vor den Toren des SIBRE-Sportzentrums abstellen.

Über den Sinn oder Unsinn, ein Finale des Hessenpokals in der Heimstätte des TSV Steinbach auszutragen, ist in den letzten Wochen viel und teilweise sehr erregt diskutiert worden. Nun fehlt es mir am nötigen Hintergrundwissen darüber, wie es letzten Endes zu dieser Entscheidung gekommen ist. Dass Haiger aber keine glückliche Wahl war, steht wohl außer Frage.

1. Mai 2016

SpVgg Neckarelz - Kickers Offenbach 0:3



Rund 200 Kickers-Fans machten sich gestern auf den Weg, ihren OFC auch bei der Begegnung in Neckarelz zu unterstützen. Eine stattliche Zahl, hält man sich die Ausgangslage vor Augen. Selbst wenn man berücksichtigt, dass in dieser Saison offensichtlich niemand so recht unsere Spielklasse in Richtung 3. Liga verlassen möchte, glauben spätestens nach den Niederlagen in Hoffenheim und gegen Waldhof nur noch echte Berufsoptimisten an einen Aufstieg der Kickers am Ende dieser Saison. Immerhin, ich kenne einen dieser mit unerschütterlichem Glauben gesegneten Zeitgenossen, der mich regelmäßig zu den Auswärtsspielen begleitet.

Die Gastgeber aus Neckarelz hatten sich ihrerseits bereits Mitte April aus der Regionalliga verabschiedet und für die kommende Spielzeit keine Lizenz mehr beantragt. 300 Zuschauer im Schnitt reichen selbst im Neckar-Odenwald-Kreis nicht zum Überleben in der Viertklassigkeit.

Ob der wenig dramatischen Ausgangslage ging unsere kleine Reisegruppe den Spieltag ganz entspannt an und wählte die touristisch ansprechende Route fernab der Autobahn. Über Michelstadt und Amorbach ging es vorbei an spätbarocken Kirchen, blühenden Rapsfeldern und grasenden Schafen in Richtung Elzstadion. Dort hatte man sich professionell auf den ungewohnten Andrang vorbereitet und den Schlachtenbummlern aus Offenbach einen kleinen, aber völlig ausreichenden Parkplatz direkt vor der Gästekasse bereitgestellt. Einzig dass vor dem Stadion sehr unentspannt auf strikte Blocktrennung der "feindlichen Lager" geachtet wurde, wollte nicht so recht ins frühlingshafte Idyll passen.

27. April 2016

Der Kick des Geldes

Erst durch die Empfehlung eines Freundes bin ich vor einigen Wochen auf das Buch Der Kick des Geldes oder wie unser Fußball verkauft wird aufmerksam geworden, das bereits im August vergangenen Jahres im Westend Verlag erschienen ist.

Auf 256 Seiten beschreibt und bewertet der Autor Jens Berger die Entwicklung des globalisierten Profifußballs der letzten Jahre. Dass sein Urteil dabei nicht positiv ausfällt, zeigt schon der Zusatz "Knallharte Wirtschaftsinteressen machen unseren Lieblingssport kaputt" auf dem Buchtitel.

Berger beschäftigt sich mit der Entwicklung des Mythos Fußball, der heute längst zum "Big Business" geworden ist, blickt auf Gehälter und Ablösen, Sponsoren und Ausrüster, Übertragungsrechte, Funktionäre, Subventionen und Korruption.

Selbst wenn man die sehr kritische Einstellung des Autors nicht immer teilt, macht seine Analyse der unterschiedlichen wirtschaftlichen Grundlagen der Profiligen in Deutschland, England, Spanien und Italien nochmals deutlich, von welch verschiedenen Faktoren sportlicher Erfolg heute abhängig ist.

Denn neben der in der Öffentlichkeit inzwischen fast allgegenwärtigen Diskussion um Fernsehgelder und Übertragungsrechte spielen traditionell die Verbindungen zwischen Fußball und Politik sowie neuerdings in immer stärkerem Maße auch organisatorische Fragen eine wichtige Rolle, die u.a. an den Beispielen von Hannover 96 und RB Leipzig geschildert wird.

Wer sich regelmäßig mit dem Profifußball als Wirtschaftsfaktor beschäftigt, wird in "Der Kick des Geldes" nicht auf viel wirklich Neues stoßen. Trotzdem ist es lohnenswert, all die Puzzleteile aus Fakten und Informationen, die man tagtäglich den Medien entnehmen kann, komprimiert in Buchform zu lesen.

--
Jens Berger
Der Kick des Geldes oder wie unser Fußball verkauft wird
Westend Verlag 2015, 256 Seiten
17,99 Euro

23. April 2016

Kickers Offenbach - Eintracht Trier 1:0

Ein grauer Samstag, mit Regen, Wind und Kälte. Grau waren auch die Vorzeichen zum Heimspiel gegen Eintracht Trier. Eine Partie, die noch vor zwei Wochen mit etwas gutem Willen als Spitzenspiel durchgegangen wäre, war nach null Punkten und 1:9 Toren aus den beiden letzten Begegnungen nicht mehr als die erste von sechs Abschiedsvorstellungen der Offenbacher Kickers in dieser Spielzeit.

Der tristen Grundstimmung angepasst das Ambiente im Sparda-Bank-Hessen-Stadion. Vor dem Anpfiff wurde im Block 2 ein Banner mit der Aufschrift "Repressionen sind der Dank für Leidenschaft und Treue?!" hochgehalten. Anlass für den Unmut war - soweit ich gehört habe - der Streit um ein Podest für den Vorsänger einer Fangruppe. Jedenfalls verliessen einige Zuschauer nach dem Einrollen des Spruchbands die Waldemar-Klein-Tribüne und verzichteten auf die 90 Spielminuten. Nun würde ich gerne behaupten, dass die Abgewanderten richtig viel verpasst hätten, aber ganz so interessant wurde es dann doch nicht.

Offenkundig inspiriert durch einen Artikel in der Offenbach-Post am heutigen Samstag erinnerte sich unsere Übungsleitung an einen Spieler namens Marcel Gebers, bei dem die Zeichen laut OP auf Abschied stehen. Jedenfalls kam der Stammspieler früherer Zeiten heute erstmals unter der Ägide des neuen Cheftrainers von Beginn an zum Einsatz und verlieh der zuletzt so arg gebeutelten Hintermannschaft der Kickers bemerkenswerte Stabilität. So war die erste Halbzeit zwar arm an Höhepunkten, aber der OFC kassierte zumindest kein Gegentor, was an und für sich schon erfreulich war.

19. April 2016

Benfica - Vitória Setúbal 2:1

Fünf Spieltage vor Saisonende steigt die Spannung in der Liga NOS. An der Tabellenspitze liefern sich die Lokalrivalen Benfica und Sporting ein erbittertes Kopf-an-Kopf-Rennen, vor dem Wochenende betrug der Vorsprung Benficas zwei Punkte.

Sporting hatte bereits am Samstag mit einem Auswärtssieg bei Moreirense vorgelegt, gestern waren demnach die Adler gefordert, den alten Abstand wieder herzustellen. Schon ein Unentschieden würde den Verlust der Tabellenführung bedeuten, denn in Portugal zählt bei Punktgleichheit der direkte Vergleich, und den hat Sporting zu seinen Gunsten entschieden.

Kein Wunder also, dass nur fünf Tage nach der Gala gegen den FC Bayern trotz strömenden Regens 55.000 Zuschauer ins Estádio da Luz kamen, um Benfica bei der Erfüllung der vermeintlichen Pflichtaufgabe gegen den Tabellendreizehnten Vitória Setúbal zu unterstützen. Erstmals Grund zum Jubeln gab es schon lange vor dem Anpfiff, denn mit Fabrizio Miccoli war gestern ein ehemaliger Spieler von Benfica zu Besuch, der unter den Anhängern der Adler auch fast zehn Jahre nach seinem Abschied noch immer Kultstatus geniesst. So lautstark wurde er gefeiert, dass er schließlich sichtbar gerührt eine Ehrenrunde im noch halb leeren Rund drehte.

14. April 2016

Benfica - Bayern München 2:2

Bei der Rückschau auf das Spiel des portugiesischen gegen den deutschen Rekordmeister gestern in der Königsklasse kommt man nicht um die Erkenntnis herum, dass es wohl nur wenige Dinge auf dieser schönen Welt gibt, die wichtiger sind als Fußball.

Welches andere Ereignis könnte mitten unter der Woche etwa 6.000 Menschen aus Deutschland an den Westrand Europas locken?

Schon unser Flug nach Portugal am Dienstagabend war bestens gefüllt mit erwartungsfrohen Fans der Münchner. Viele von ihnen hatten sich zu teilweise atemberaubenden Preisen Karten über kommerzielle Ticketbörsen besorgt. Am Flughafen in Lissabon bescherten in Lederhosen gehüllte Bajuwaren dem einheimischen Betrachter einen Hauch Exotik, obwohl Regen, Wind und 12 Grad in der portugiesischen Kapitale eigentlich nach anderen Beinkleidern verlangt hätten.

Die Begegnung im Viertelfinale der Champions League hatte durch den überraschend knappen Erfolg der Bayern im Hinspiel noch zusätzlich an Spannung gewonnen. Ein Rückstand von nur einem Tor bedeutete keineswegs eine "Mission Impossible" für die Adler aus Lissabon, auch wenn den meisten Benfiquistas natürlich bewußt war, dass das 1:0 vor acht Tagen ein ausgesprochen undankbares Resultat war.

10. April 2016

Kickers Offenbach - SV Waldhof 0:4



Laues Frühlingswetter und dazu das Spitzenspiel der Regionalliga Südwest. Mehr kann man eigentlich nicht von einem Sonntagnachmittag verlangen. Doch bereits 90 Minuten vor dem Spielbeginn die erste schlechte Nachricht des Nachmittags: Der Stand der Offebacher Worscht Designer an der Aschaffenburger Straße war verwaist, statt knuspriger Rindswurst hieß es also erst einmal Schlange stehen im Sparda-Bank-Hessen-Stadion, um den vernehmlich knurrenden Magen zu besänftigen.

Trotz dieser widrigen Umstände verging die Zeit bis zum Anpfiff wie im Fluge, alle freuten sich auf die Begegnung des Tabellenvierten gegen den Spitzenreiter. Die alles entscheidende Frage lautete dabei natürlich, ob es dem OFC gelingen würde, seine Erfolgsserie auch gegen den alten Rivalen aus Mannheim fortzusetzen und den Abstand auf die potentiellen Aufstiegsränge weiter zu verkürzen.

Machen wir es kurz: Die Antwort lautete nein. Gegen eine abgeklärt und routiniert auftretende Mannschaft des SV Waldhof hatten die Kickers am Ende nicht den Hauch einer Chance. Im ersten Durchgang hielt der OFC zwar noch mit, hatte nach einer halben Stunde sogar die erste große Tormöglichkeit der Partie, kam aber zu häufig den berühmten Schritt zu spät. Die Halbzeitführung der Gäste, die deutlich zielstrebiger nach vorne spielten, ging deshalb in Ordnung.

4. April 2016

SV Saar 05 - Kickers Offenbach 1:4

Zum dritten Mal binnen zwölf Monaten führte unser Weg am Samstag nach Homburg. Anders als sonst üblich, wartete dort aber nicht der FC Homburg als Gegner, sondern der SV Saar 05.

Eigentlich sehr schade, dass die "Söhne Saarbrückens" ihre Partie gegen den OFC nicht im heimischen Stadion Kieselhumes austragen durften. Lärmempfindliche Nachbarn unserer Gastgeber wussten dies zu verhindern.

Zumindest der Ersatzspielort war aber mit Bedacht gewählt, gehören Lyoner und Merguez-Frikadellen im Waldstadion doch mit zum Feinsten, was die Regionalliga Südwest an kulinarischen Genüssen zu bieten hat. Auch in der Stadion-Klause unter der Haupttribüne zählen wir inzwischen schon fast zu den Stammgästen, die sich dort bei einem frisch gezapften Karlsberg die Zeit bis zum Spielbeginn verkürzen.

Genügend Zeit blieb auch noch für einen ausgiebigen Schwatz mit Lars-Martin Becker, dem Fanbeauftragten der Gastgeber. Dass der SV Saar 05 und Kickers Offenbach in unterschiedlichen Fußballwelten zuhause sind, ist keine wirklich neue Erkenntnis. Trotzdem ist es durchaus lohnend, sich gelegentlich die eine oder andere Zahl vor Augen zu halten. Ein Blick ins Stadionmagazin verrät, wie sehr man sich beim Aufsteiger darüber freut, dass zu Auswärtsbegegnungen "nicht selten gut und gerne 20 Personen" mitreisen. Dass in der vergangenen Saison zu drei Spielen in der Fremde sogar ein Fanbus eingesetzt wurde, gilt als "Highlight". Und während der OFC auch im dritten Jahr der Viertklassigkeit im Schnitt noch über 5.500 Fans zu den Heimspielen auf dem Bieberer Berg begrüßt, zählt man am Kieselhumes durchschnittlich 440 Zuschauer.

29. März 2016

Kickers Offenbach - SV Elversberg 1:1

Zum Ausklang der Osterfeiertage stand gestern die Spitzenpartie der Regionalliga Südwest auf dem Kalender. Ein echtes "Sechs-Punkte-Spiel", konnten doch die Kickers mit einem Sieg gegen den Tabellenzweiten aus Elversberg den Abstand auf die potentiellen Aufstiegsränge bis auf ein mickriges Pünktchen verkürzen. Entsprechend groß waren die Erwartungen vor der Partie.

Gerade noch rechtzeitig hatte Petrus den strömenden Regen abgestellt, mit dem er unsere schöne Stadt an diesem Ostermontag so großzügig bedacht hatte. Zwischen einem wie immer vorzüglichen Bissen Rindswurst und einem Schluck Bier drehten sich vor dem Imbiss der Worscht Designer die meisten Gespräche natürlich um die Chancen der Kickers gegen einen Gegner, der mit zwei Niederlagen aus den letzten beiden Partien zum Bieberer Berg kam.

Erstaunlich optimistisch gingen die meisten meiner Gefährten die Sache an, gerade wenn man bedenkt, dass vier Siege und ein Unentschieden im neuen Jahr bislang ausschließlich gegen Mannschaften aus der unteren Tabellenhälfte errungen wurden. Doch der Offenbacher ist nun mal ein unerschütterlicher Optimist, und so wurde beim zweiten Bier schon mal der eine oder andere Ausblick auf die kommende Saison in der 3. Liga gewagt.

Eine erste positive Überraschung gab es noch vor dem Anpfiff, denn stattliche 7.327 Zuschauer hatten sich auf Biebers Höhen eingefunden. Das kann sich natürlich sehen lassen, immerhin wurde das Spiel im Free-TV übertragen und der Gegner hatte kaum eigene Fans mit ins Sparda-Bank-Hessen-Stadion gebracht.

24. März 2016

SV Spielberg - Kickers Offenbach 1:5

Keine Frage, es ist alles andere als fanfreundlich, ein Fußballspiel an einem Mittwochnachmittag um 16.30 Uhr auszutragen. Um so schöner, wenn man es sich trotzdem einrichten konnte, den OFC auch bei dieser Begegnung in der Fremde zu begleiten.

Das Stadion am Talberg in Spielberg war für unsere kleine Reisegruppe bislang unerforschtes Terrain, das wir natürlich für uns entdecken wollten.

Groß war deshalb die Vorfreude an diesem Spieltag, der bereits um 12 Uhr mittags mit einer kleinen Mahlzeit im Markthaus begann. Zwei Stunden später brachen wir in Richtung des keine 3.000 Einwohner zählenden, südlich von Karlsruhe gelegenen Örtchens auf. Unterwegs kreisten die Gedanken natürlich schon um die Spielstätte. Würde uns eine ähnlich charmante Atmosphäre wie in Bahlingen erwarten, oder doch eher ein nüchternes Bentonambiente à la Zweibrücken?

Keine zehn Kilometer von unserem Reiseziel entfernt - wir konnten den Bratwurstduft schon förmlich riechen - kroch plötzlich dichter weißer Rauch unter der Motorhaube unseres Autos hervor. Kurz vor einem Tunnel fuhren wir an den Straßenrand und begutachteten mit von wenig Fachkenntnissen getrübten Blicken das Missgeschick. Auch ohne Expertenwissen war ziemlich schnell klar: Das sah nicht gut aus.